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Noch herrscht hier in der Einsatzzentrale der DRK-Aktivarbeit in Köppern die "Ruhe vor dem Sturm". Die Corona-Vorbereitungen laufen aber bereits auf Hochtouren.

"Die Ruhe vor dem Sturm"

Corona-Vorbereitung beim Roten Kreuz:"Keine Angst, aber großen Respekt"

Hochtaunus: Das Rote Kreuz schult Helfer für weitere Einsätze während der Corona-Pandemie. Dabei gilt es Personal und Schutzbekleidung zusammenzuhalten. 

Hochtaunus - Im Angesicht steigender Corona-Fallzahlen sind sie besonder gefordert. Daher hat man beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Hochtaunus die Worte des Bundesgesundheitsministers von der "Ruhe vor dem Sturm" auch noch im Ohr. Wie heftig der Sturm wird, weiß beim Krisenstab des DRK freilich niemand. Seit drei Wochen bereitet man sich dort intensiv auf ein Explodieren der Fallzahlen der Pandemie im Hochtaunuskreis vor. Die Stimmung in der Truppe ist zwar angespannt, jedoch nicht hektisch und schon gar nicht panisch, heißt es: "Wir haben keine Angst, aber großen Respekt vor der Lage", stellt Kreisbereitschaftsleiter Mark Henning fest.

"Auf dem Niveau der Fallzahlen der vergangenen Woche ist die Lage bei uns absolut beherrschbar. Niemand kann uns jedoch sagen, welche Dynamik die Pandemie im Kreis noch entwickeln wird und wann es möglicherweise richtig losgeht", sagt Henning. Er steht täglich in engem Kontakt mit dem Rotkreuzbeauftragten für den Katastrophenschutz, Uwe Riehl, DRK-Kreisgeschäftsführer Axel Bangert, der internen DRK-Leitstelle "Information + Kommunikation", dem kompletten Führungsstab des DRK sowie dem beim Hochtaunuskreis gebildeten Krisenstab. Auch die lokalen Führungskräfte sowie der DRK-Landesverband sind eng in die Kommunikation eingebunden. "Wir sind nicht gerade tiefenentspannt, es gibt aber keinerlei Hektik und vor allem auch keine Panik. Das wäre das falscheste Signal, das wir aussenden könnten", sagt Riehl, und Henning ergänzt: "Wir haben keine Angst vor dem, was da auf uns zukommen könnte, aber großen Respekt. Es könnte aber der größte und längste Einsatz unserer Geschichte werden. Für uns alle ist das eine völlig neue Situation mit ungewissem Ausgang."

Die Flüchtlingskrise vor ein paar Jahren habe sich angekündigt, und ihr Ende sei irgendwie absehbar gewesen, doch aktuell sei das völlig anders. Die Krise sei plötzlich hereingebrochen. Niemand wisse, wie lang sie dauern werde, so Riehl und Henning.

Freiwillige Quarantäne

Der Fokus der DRK-Führung liegt derzeit darauf, die Mannschaft beisammen zu halten, die vielen ehrenamtlichen Helfer zu sensibilisieren und sie auf die Anforderungen vorzubereiten. "Es mag sein, dass man draußen davon nichts merkt. Wir sind aber da, wir bereiten uns sogar sehr konsequent und professionell auf die Lage vor, arbeiten aber ganz bewusst im Hintergrund, auch um keine Panik zu schüren. Unsere Ehrenamtlichen versuchen, das Risiko, sich oder andere anzustecken, so gering wie möglich zu halten. Sie halten sich für den Einsatz beim DRK bereit und beteiligen sich daher auch nicht an den privaten Hilfsangeboten", sagt Henning. Die meisten Helfer gingen selbst kaum noch vor die Tür und lebten so gewissermaßen freiwillig in Quarantäne.

Um die Freiwilligen auf die Pandemie-Abwehr vorzubereiten, finden Intensivschulungen für den Umgang mit Corona-Infizierten und Verdachtspersonen, vor allem auch was die Hygiene und den Eigenschutz anbelangt, statt. Riehl: "Diese Schulungen finden grundsätzlich in Telefon- und Video-Konferenzen statt. Überhaupt versuchen wir, alle erdenklichen Telekommunikationskanäle weitestgehend zu nutzen, um möglichst selten persönlich zusammenkommen zu müssen." Die Versorgung mit Schutzmasken und Vollschutzanzügen ist momentan gesichert. "Für eine gewisse Zeit sind wir damit arbeitsfähig, Nachschub ist jedoch bestellt und auch im Zulauf", sagt Henning, betont zugleich aber, dass sich die Preiskurve der Kurve der Infektionszahlen annähert und steil nach oben weist. Henning spricht von "gravierenden Einnahmeverlusten beim DRK, die sich dadurch ergeben, dass das DRK keine Erlöse mehr aus Sanitätsdiensten generieren kann, wenn alle Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt werden: "Masken und Anzüge sind zwar zu bekommen, teilweise aber zu astronomischen Preisen, das ist derzeit zwar noch zu verkraften, wir müssen uns aber darauf einstellen, dass unabhängig von der Corona-Krise geplante Investitionen womöglich gestreckt oder schlimmstenfalls ganz gestrichen werden müssen."

Refinanzierung offen

Inwieweit die laufenden Corona-Kosten über den Katastrophenschutz und damit das Land Hessen zumindest teilweise refinanziert werden, steht, ohne dass der Katastrophenfall offiziell ausgerufen ist, noch nicht fest. Er sieht aber auch ein Fünkchen Hoffnung: "Zum Glück gibt es großzügige Sponsoren. Gerade erst hat mich jemand angerufen und gesagt, ich könne bestellen, was ich wolle und ihm dann die Rechnung schicken. Das habe ich getan und 200 Schutzanzüge geordert, ganz unten standen 4000 Euro, so etwas ist einfach klasse..."

Überhaupt haben Riehl und Henning den Eindruck, dass das Wohlwollen der Bevölkerung und der lokalen Wirtschaft dem DRK gegenüber in Zeiten der Krise momentan steigt. Derweil hofft Kreisbereitschaftsleiter Mark Henning, dass sich das auch aufs Personalkonto des DRK auswirkt: "Es wäre schön, wenn sich nun viele Menschen aufgerufen fühlten, uns nicht nur finanziell, sondern auch personell zu unterstützen. 

red

Die Hochtaunus-Kliniken haben ihre Arbeit nun stark auf die Behandlung von Corona-Patienten umgestellt. Der Kurbetrieb wurde stark heruntergefahren.

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