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Wegen des Coronavirus liegt das öffentliche Leben auch im Hochtaunuskreis auf Eis. Bad Homburg erwägt sogar eine Ausgangssperre. (Symbolbild)

Corona-Krise

Coronavirus: Droht Bad Homburg eine Ausgangssperre?

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  • Harald Konopatzki
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Der Hochtaunuskreis zählt 52 Coronavirus-Infizierte (Stand Freitag, 20.03.2020). Ordnungsamt und Feuerwehr ermahnen die Einwohner per Lautsprecherdurchsage. Außerdem sind drei Bürgermeister vorsorglich in Quarantäne.

  • Drei Bürgermeister aus dem Hochtaunuskreis sind wegen des Verdachts auf eine Coronavirus-Infektion vorsorglich in Quarantäne
  • Appelle, sich nicht in Gruppen aufzuhalten, fruchten vielerorts nicht
  • Die Stadt Bad Homburg prüft jetzt eine Ausgangssperre

Bad Homburg - Drei Bürgermeister aus dem Hochtaunuskreis haben sich vorsorglich in freiwillige häusliche Isolation begeben, nachdem sie in einer Sitzung Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person außerhalb des Hochtaunuskreises hatten. 

Es handelt sich um Leonhard Helm (Königstein), Klaus Temmen (Kronberg) und Gregor Sommer (Wehrheim). „Es geht mir aktuell gut, ich habe keine Symptome“, äußert sich Temmen in einer Erklärung. Wer mit ihm in den vergangenen Tagen Kontakt hatte, brauche laut Aussage des Kreisgesundheitsamtes derzeit keine eigenen Maßnahmen zu ergreifen.

Bad Homburg: zwei Kinder Corona-positiv getestet

Zwei Kinder sind in diesen Tagen positiv getestet worden, die zuvor in einer Betreuung an einer Bad Homburger Schule waren. Entsprechende Infos aus den sozialen Medien hat Kreissprecherin Andrea Herzig gestern bestätigt. „Alle, die mit ihnen Kontakt hatten, befinden sich in häuslicher Isolation“, so Herzig.

Das hessische Sozialministerium veröffentlicht seit Anfang März jeden Nachmittag die aktuelle Zahl der Infizierten in den einzelnen Landkreisen und Städten. Diese steigen auch im Hochtaunuskreis weiter an (siehe Box).

Dennoch haben die Appelle, sich nicht in Gruppen aufzuhalten, vielerorts noch nicht gefruchtet. Am gestrigen Abend fuhren Ordnungshüter in Bad Homburg und die Feuerwehr in Friedrichsdorf bereits durch die Innenstadt und ermahnten die Passanten in Lautsprecherdurchsagen, sich verantwortungsbewusst zu verhalten. Man solle zu Hause bleiben, sonst drohe eine Ausgangssperre, schallte es gegen 18 Uhr durch die Louisenstraße.

Hochtaunuskreis: Coronavirus-Appelle nicht überall beherzigt

Am Nachmittag hatte die Stadt angekündigt, sie prüfe auf Anregung des Krisenstabs eine allgemeine Ausgangssperre fürs gesamte Stadtgebiet. „Die Maßnahme wird aktuell auf ihre rechtliche Umsetzbarkeit hin geprüft“, heißt es in der Pressemitteilung. Anlass dafür sei die Feststellung, dass weiterhin größere Gruppen im öffentlichen Raum unterwegs seien. 

„Die Stadt erneuert ihre dringende Empfehlung, zum Schutz vor dem Virus einen Abstand von zwei Metern zu anderen Personen zu halten und sich nicht in Gruppen zusammenzufinden.“ Denn in der Fußgängerzone wurde dieser Rat auch gestern noch nicht überall beherzigt. Noch immer waren viele Menschen unterwegs und saßen in der Außengastronomie, auch die Eisdielen waren geöffnet. 

Aber die Tische standen weiter auseinander - was auch kontrolliert wurde. An Marktständen wurde - notfalls mit Eimern - auf Abstand zwischen den Wartenden geachtet. Die Verkäufer trugen Plastikhandschuhe. Und wer an Menschen vorbeiging, hörte: Es gab kein anderes Gesprächsthema als Corona.

Corona-Maßnahmen im Hochtaunuskreis: Ordnungsamt musste ausrücken

In den Stadtteilen sah es gestern Vormittag gut aus: 15 Grad und Sonne - trotzdem waren die Spielplätze leer, im gesperrten Kleinen Tannenwald keine Menschenseele. In der Karl-Horn-Straße saß eine einzelne Familie auf einer Picknickdecke auf der Wiese zwischen den Mehrfamilienhäusern, auch auf dem Platzenberg sind Menschen unterwegs, ohne einander auf die Pelle zu rücken. Und die einzigen Menschen, die auf den Anlagen am Sportzentrum Wingert in Ober-Erlenbach unterwegs waren, waren zwei Männer, die den Fußballplatz in Ordnung brachten.

Anders war es am Donnerstag gelaufen: Da musste das Ordnungsamt zu einem noch geöffneten, gut besuchten Minigolfplatz ausrücken, um die Schließung zu veranlassen. Die Polizei ist nach Worten von Sprecher Ingo Paul nicht für die Kontrolle zuständig; das seien die städtischen Behörden. Das betreffe sowohl, wenn sich Gruppen von mehr als fünf Personen auf Plätzen versammeln, was ja von der Stadt verboten wurde, als auch, wenn sich Ladenbesitzer nicht an das Sperrgebot halten. 

Hochtaunuskreis: Bußgelder in vierstelliger Höhe möglich

Allenfalls könne, wenn es sich um größere Gruppen im öffentlichen Raum handele, ein Platzverweis ausgesprochen werden. „Es gab anfangs Ermahnungen und Hinweise“, erklärt Stadtsprecher Marc Kolbe die Entwicklung der Kontrollen durch die Stadtpolizei.

„Mittlerweile haben die Mitarbeiter eine rechtssichere Verfügung an der Hand, die es ermöglicht, Bußgelder in vierstelliger Höhe zu verhängen.“ Es habe „einige Orte, die nicht hätten offen sein dürfen“ gegeben, Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) sei „schockiert und verständnislos“ ob des Verhaltens gewesen. 

In den sozialen Netzwerken meldeten sich Politiker unterschiedlicher Couleur zu Wort und kritisierten die „Unvernunft“ und „Verantwortungslosigkeit“ mancher Bürger. Hinweise auf Verstöße gegen die Auflagen nimmt das städtische Ordnungsamt unter der Telefonnummer (0 61 72) 100-32 11 entgegen.

Coronavirus im Hochtaunuskreis: Blumenläden dicht, Gärtnereien offen

Im Handel indes ist die Grenze fließend. Während Blumenläden schließen, dürfen Gärtnereien öffnen - für sie gelten ähnliche Voraussetzungen wie für Baumärkte. Auch in Reitställen, wo wie am Sportzentrum Nord-West gestern Betrieb war, braucht es Augenmaß. „Natürlich muss Tierpflege sein, aber eben kein Sport“, erklärt Kolbe. Die Tiere brauchen Bewegung und könnten nicht einfach sich selbst überlassen werden.

Gestern Mittag sickerte dann die Nachricht durch, dass in Hessen Restaurants und Gaststätten vom heutigen Samstag, 12 Uhr, an geschlossen bleiben müssen. „Das ist hart, aber vernünftig“, sagte Thomas Meye, Inhaber von Feinkost Lautenschläger, wo gestern noch Kunden in der Sonne saßen und aßen. Ins Geschäft durften Personen allerdings immer nur einzeln, was ein freundlicher „Türsteher“ überwachte.

Das Sozialministerium meldete Freitagnachmittag (20.03.2020) 52 Infizierte im Hochtaunuskreis. Damit ist die Zahl erneut gestiegen. Am Donnerstag waren es 40 Personen gewesen (Mittwoch: 28, Dienstag: 20). Seit Mittwoch erfassen die Behörden zudem die COVID-19-Inzidenz, die besagt, wie viele Corona-Infizierte auf 100 000 Einwohner kommen. Diese lag am Freitag im Hochtaunus bei 21,95, am Donnerstag bei 16,88. Die Werte schwanken (Stand: Freitagnachmittag) hessenweit zwischen 1,98 (Werra-Meißner-Kreis) und 32,77 (Fulda). In Frankfurt gibt es 122 bestätigte Fälle (COVID-19-Inzidenz: 16,1), in Offenbach 5 (3,86), im Main-Taunus-Kreis 40 (16,8), Rheingau-Taunus-Kreis 26 (13,89), Wetteraukreis 26 (8,46). ahi

Von Anke Hillebrecht und Harald Konopatzki

Das Coronavirus endlich in den Griff bekommen - daran arbeiten Forscher weltweit. Nun prescht Bosch mit einem Schnelltest auf Covid-19 und das Coronavirus vor. Die Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg haben derweil ihre Arbeit nun stark auf die Behandlung von Corona-Patienten umgestellt. Sogar eine zweite Intensivstation wurde eingerichtet.

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