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Übungsleiterin Nina Trolle bietet ihren TSG-Pfaffenwiesbach-Schützlingen Fitness per Video an.

Sport in Zeiten des Coronavirus

Coronavirus: Sportverein im Hochtaunuskreis bietet Kurse über Videostreams an

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Auf Grund des Coronavirus ist Sport im Verein zur Zeit nicht möglich. Die TSG Pfaffenwiesbach im Hochtaunuskreis bietet deshalb Kurse über Videostreams an.

"Wir bieten weiterhin Sport an." Zugegeben, als Walter Simon, Vorsitzender der Turn- und Spielgemeinde, bereits am Sonntagabend entschied, dass die Gruppe "Bodyfitness und Workout" weiter stattfinden soll, da klang das für einen Moment noch wie die bloße Ignoranz einer allgemeinen Anordnung der Gemeinde. Doch das ist es ganz und gar nicht, und dennoch ist es dem Vereinschef ernst, wenn er an das Angebot denkt. "Die Abteilung hat eine Möglichkeit gesucht, wie sie weiterhin Sport für die Mitglieder anbieten kann", schildert Simon im Gespräch mit dieser Zeitung.

Und sie hat einen Weg gefunden, wie die Sportler trotz Schließung am Ball bleiben können, ohne sich zu treffen, bis die Corona-Krise überwunden ist.

Das Zauberwort heißt Internet. "Die Mittwochsgruppe hat mit Nina Trolle eine sehr engagierte Trainerin, die uns weiterhin fit halten möchte, der wir aber auch selbst in dieser schwierigen Zeit helfen wollen", sagte Abteilungsleiterin Kirsten Lindlahr. Und da alle über einen Internetzugang verfügen, gibt es nun die sportlichen Anleitungen der Trainerin über einen Videostream nach Hause geliefert.

Coronavirus im Hochtaunuskreis: Vereinssport zur Zeit nicht möglich

"Für mich war das bislang Neuland", schildert auch Nina Trolle, die seit fünf Jahren die Mittwochsgruppe trainiert. "Ich habe die aber jetzt alle so gut in Form gebracht, wenn die fünf Wochen nichts tun, dann wäre das so, als würden wir ganz von vorne starten", sagt die lizenzierte Trainerin. Das wiederum wäre für die 40-köpfige Truppe ein herber Rückschlag. "Außerdem ist das Auspowern in so einer Extremsituation nicht nur für die körperliche, sondern auch die geistige Frische gut, sprich, es entspannt", weiß Nina Trolle.

Also hat sie sich binnen drei Tagen um eine Software gekümmert, die es ihr ermöglicht, einen Link an alle Teilnehmer zu versenden und sie so zum Training einzuladen.

Wegen Coronavirus: Training im Hochtaunuskreis über Videostream

Ob das nun per Livestream stattfindet, es eine Aufzeichnung gibt oder aber beides zur Verfügung steht, konnte sie noch nicht genau sagen. "Wahrscheinlich wird es auf eine Aufzeichnung hinauslaufen", sagt Trolle. Diese soll dann eine Woche lang abrufbar sein. "Viele haben jetzt ihre Kinder zu Hause und befinden sich in einer Ausnahmesituation, da ist es schwierig, einen festen Termin einzuhalten." Das sei noch einmal schwieriger, wenn man nicht einfach weggehen und die Tür zumachen kann. Auch deshalb sei eine Aufzeichnung deutlich flexibler.

Nun sind aufgezeichnete Fitnessvideos und Fitness-Apps längst vielfach und kostenlos auf dem Markt zu erhalten und nichts besonderes mehr. Was ist also der Unterschied? "Das Nutzen einer Fitness-App ist ähnlich, wie eine Diät machen", erklärt Trolle, "du kannst dich eine gewisse Zeitlang zusammennehmen, vielleicht zwei, drei Monate, aber dann bricht bei den meisten die Motivation ein." Das sei bei ihrem Training anders, denn sie wecke den Spaß am Sport und die Lust an der Bewegung. Das wiederum beweise die Gruppe in Pfaffenwiesbach, die häufig zwischen 30 und 35 Teilnehmer zählt, was wiederum gemessen an der Gesamtzahl eine sehr gute Beteiligung sei. War sie in der Vergangenheit im Urlaub, dann gab es Fotos, wie die Übungen auszuführen sind. Künftig wird es auch diese als Videos geben können, denn die Voraussetzungen hat sie nun über Licht, Kamera, Smartphone und Software geschaffen. Gründe, um das Training ausfallen zu lassen, wird es also im Normalfall nicht mehr geben, und mit haushaltsüblichem Equipment geht das auch so. Durch den geschlossenen Internetraum, in dem die Videos gezeigt werden, hat Trolle außerdem eine Möglichkeit geschaffen, sie nur ihren Nutzern zur Verfügung zu stellen. Das wiederum hat auch Walter Simon überzeugt. Er entschied, dass die Trainerin durch dieses Angebot weiter bezahlt wird. "Von selbst wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen, ein solches Online-Angebot zu machen", räumt Trolle ein. Aber Corona mache da durchaus erfinderisch.

Coronavirus im Hochtaunuskreis: Umsatzeinbruch in Fittnessbranche

Da sie neben der Gruppe in Pfaffenwiesbach auch als Personal Trainerin und Ernährungscoach arbeitet, erlebt sie gerade in ihrem Bereich einen massiven Umsatzrückgang. "Die Menschen stornieren reihenweise die Buchungen, verständlicherweise." Konventionelles Gruppentraining sei nicht möglich, online schon. Für Einzelpersonen gibt's Training im Freien. Mit mehr Fitnessvideos, die Menschen vom Kind bis zum Greis in Form bringen, will sie dem Sport-Ausfall etwas entgegensetzen. 

Sie ist blond, gertenschlank und beeindruckend trainiert: Für die 34 Jahre alte Nina Trolle gehört Sport schon immer zum Leben dazu. Dass sie diesen Weg allerdings auch beruflich eingeschlagen hat, diesen Schritt wagte sie erst nach der Geburt ihrer beiden Söhne (5 und 6 Jahre alt). Die brauchen nämlich auf Grund einer Erkrankung regelmäßig Sport und Bewegung, was dazu führte, dass sie sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen begann, obgleich sie ihren Master in BWL abgelegt hat. 15 Lizenzen hat sie binnen drei Jahren als Trainerin erworben und so die Lust und Freude an der Bewegung zum Beruf gemacht. Neben der Bewegung gehört für sie auch das Thema Ernährung zum Programm, zu Hause wie für ihre Kursteilnehmer. Um zu Hause zu trainieren werden übrigens keine Geräte gebraucht. Stuhl, Handtuch und Wasserflaschen dienen als Verstärker und Gewichte. Unter www.nina-macht-dich-fit.de gibt es weitere Infos. 

Von Tatjana Seibt

Im Hochtaunuskreis fruchten vielerorts die Appelle noch nicht, sich nicht in Gruppen zu treffen. Die Stadt Bad Homburg denkt daher über eine Ausgangssperre nach.

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