"Da ist Grävenwiesbach zusammengerückt"

Schulelternbeiratsvorsitzender Frank Reißer (links) und Schulleiter Jan Drumla freuen sich über 40 vollgepackte Schulranzen als Erstausstattung für ukrainische Flüchtlingskinder, die schon bald ihren ersten Schultag im Hochtaunuskreis erleben werden.

Grävenwiesbach (aro). Die Idee ist so einfach wie genial. Wer weiß am besten, was Schüler zum Lernen brauchen? Die Schüler in der Wiesbach-Grundschule haben 40 vollgepackte Schulranzen für ukrainische Flüchtlingskinder gespendet, die in den kommenden Wochen an Schulen im Hochtaunuskreis ihren ersten Schultag erleben werden.

Schulleitung, Lehrerkollegium und die Elternschaft, vertreten durch den Elternbeirat, hatten sich lange Gedanken gemacht, wie die Schule den jungen Neuankömmlingen koordiniert, bedarfsgerecht und nachhaltig helfen könnte. So folgte die Wiesbachschule nicht nur dem Aufruf des Kreises und bat per Elternbrief und Youtube-Video des Elternbeiratsvorsitzenden Frank Reißer um die Spendensammlung von Schulmaterialien, am Mönchweg wurden darüber hinaus auch 40 Schulranzen gepackt, die alle komplett mit dem notwendigen Schulmaterial ausgerüstet sind.

Vollausstattung für alle Ranzen

Reißer, Schulleiter Jan Drumla und Konrektor Sebastian Wauch übernahmen die Koordination. Die Eltern gingen einkaufen und sorgten mit Spenden dafür, dass Schulranzen vollständig ausgestattet wurden. Neben Mäppchen befinden sich in jedem Ranzen Hefter, Sportbeutel, Brotdose oder Farbkasten. Selbstverständlich gehören Lineal, Radiergummi, Füller, Bleistift, Schere, Kleber, Pinsel und Buntstifte zur Komplettausrüstung.

Der TSV Grävenwiesbach leistete einen Beitrag mit der Spende von 40 Trinkflaschen. Organisiert vom Elternbeirat, trafen sich die Eltern abends in der Mensa, um jeden der 40 Schulranzen zu packen. Lehrerin Celine Christian ging bei der Hilfsaktion noch einen Schritt weiter: Ihren Einkauf von Lernmaterial verknüpfte sie mit dem Hilfeaufruf an einen Großhändler für Schreib- und Schulbedarf in Wetzlar. Dieser erklärte sich daraufhin bereit, Schulranzen zum Großhandel-Einkaufpreis zur Verfügung zu stellen.

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In Zahlen bedeutete dies, dass nagelneue Schulranzen mit einem Laden-Verkaufspreis von zum Beispiel 269 Euro mit rund 75 Prozent Preisnachlass für 60 Euro abgegeben wurden. Mit der zusätzlichen Motivation durch die Lehrerschaft gelang den Eltern auf kreative Weise die Spende weiterer Schulranzen. So erklärten sich nach dem Hinweis auf den Spendenzweck sogar Verkäufer auf der Online-Plattform Ebay bereit, auf ihren ursprünglichen Kaufpreis zu verzichten und stattdessen den zu ersteigernden Schulranzen kostenlos abzugeben.

Damit am Ende wirklich alle Schulranzen komplett gefüllt waren, wurden fehlende Utensilien zusätzlich eingekauft. Die Mittel hierfür stammten aus einer von Eltern initiierten fünftägigen Verkaufsaktion von Brezeln, die zusätzliche 1250 Euro eingebracht hatte.

In Absprache mit der Leiterin der Leitstelle Integration beim Hochtaunuskreis, Annette Goy, wurden 35 der 40 vollgepackten Ranzen am Montag in Bad Homburg übergeben. Fünf Schulranzen verblieben an der Wiesbachschule und werden dort Geflüchteten aus der Ukraine übergeben. Im Hochtaunuskreis wird die bedarfsgerechte Versorgung mit Ranzen und Schulausstattung gewährleistet, indem anlässlich der obligatorischen Schuluntersuchung die ukrainischen Kinder gefragt werden, ob sie bereits einen Schulranzen besitzen.

Sparschweine geplündert

»So wird sichergestellt, dass gerade diejenigen die Schulausrüstung bekommen, die sie am dringendsten brauchen«, freuten sich Reißer, Drumla und Wauch über die erfolgreiche Verwendung der Spenden aus der Wiesbachschule.

Landrat Ulrich Krebs so- wie die Kreisbeigeordneten Kathrin Hechler und Thorsten Schorr nahmen die Grävenwiesbacher Spende persönlich entgegen. Die Schulgemeinde bedankte sich noch einmal ausdrücklich bei allen Spendern, unter denen auch Großeltern waren, die zum Beispiel eine Geldspende tätigten, oder Schüler, die ihr Sparschwein plünderten. Schulleiter Drumla: »Da ist Grävenwiesbach zusammengerückt. Das macht die Hilfe so wertvoll.«

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