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Das sind die Pläne für eine Privatbrauerei mit Schankwirtschaft in Wehrheim

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Ein erstes Konzept der von Torben Emmerich geplanten Brauerei. Das Gebäude soll in Holzbauweise errichtet werden, ohne übergroßen Schornstein, dafür aber mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. © Red

Im Wehrheimer Gewerbegebiet soll eine Privatbrauerei mit Schankwirtschaft entstehen. Nun gibt es erste Pläne - und weitere Details zum Ablauf. 

Wehrheim. Manchmal kommt es anders, als man denkt. Und manchmal stellt man fest, dass eine Idee, der man zunächst skeptisch gegenüberstand, über ein ungeahntes Potenzial verfügt, ja sogar begeistern kann, wenn man sich mit ihr beschäftigt. So in etwa ging es offenbar auch der FDP Wehrheim, nach einem Besuch in der Wehrheimer Gaststätte »Löwenherz«.

Gastronom Torben Emmerich sucht nach Berichterstattung Dialog mit der FDP

Zur Erinnerung: Die FDP Wehrheim hatte zuletzt Kritik an der Vergabe der Gewerbeflächen durch die Gemeindeverwaltung geäußert. Als Beispiel für mangelnde Transparenz der Verwaltung nannte Fraktionschef Klaus Schumann die Pläne der Errichtung einer kleinen, lokalen Brauerei durch »Löwenherz«-Besitzer Torben Emmerich, von denen die Fraktion erst durch die Presse erfahren haben will, anstatt durch den Gemeindevorstand oder die Gemeindevertretung.

»Ich war verwundert, als ich die Kritik in der Zeitung las, da ich mich aus gegebenem Anlass und der vergangenen Erfahrungen um größtmögliche Transparenz bemühe. Zumal niemand im Vorfeld das Gespräch mit mir gesucht hatte«, erzählt der Gastwirt gegenüber dieser Zeitung. Aus dem Grund habe er die Fraktion kurzerhand ins »Löwenherz« eingeladen - ein Besuch, der zwar bereits für die Sommerrunde geplant, aber nun vorgezogen worden sei, betont der Ortsvorsitzende der FDP Andreas Bloching. Am Ende des Treffens zeigten sich sowohl die Liberalen als auch Emmerich dankbar über den dabei entstandenen Dialog.

Mehr noch: Die Liberalen hatten nun Gelegenheit, die Pläne für das künftige Vorzeigeprojekt aus erster Hand zu erfahren. »Ein tolles Projekt, das Unterstützung verdient«, sind sie sich einig, bringe es doch nicht nur das lokale Gewerbe einen großen Schritt voran, sondern könnte es auch einen wichtigen Punkt in der Tourismus-Förderung darstellen. Denn das »Löwenherz« sei weit mehr als »nur« ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler in der Gemeinde, erklärt Bloching.

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Die FDP-Fraktion um (v. l.) Nora Schumann, Marie Kruchten, Tanja Kaspar, Klaus Schumann, Hilke von Pelchrzim und Andreas Bloching besuchen Torben Emmerich (3. v. r.). © Red

Wehrheimer Gaststätte »Löwenherz« gut durch die Corona-Pandemie gekommen

Emmerich betonte, dass das mehrfach ausgezeichnete Gasthaus bislang gut durch die Pandemie gekommen sei. Auch in dieser Zeit habe er in das Unternehmen investiert, etwa mit der Errichtung der »Mountain Lodge«. Trotzdem gebe es Probleme: »Wir Gastronomen im ländlichen Raum stehen nicht erst seit Corona vor stetig wachsenden und vor allem vielfältigen Anforderungen und Problemen. Der dramatische Fachkräftemangel und geringe Umsatzrenditen aufgrund inflationärer Preissteigerungen sind als Hebel in den jüngeren Jahren hinzugekommen. Deshalb stellt sich für viele Gastronomen schlicht die Frage: wachsen oder weichen«, erklärt er.

Deshalb gebe es auch kein »Zurück«, sondern nur ein »Nach vorne«. Das beinhalte auch, das Unternehmen und die Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf sichere und vor allem mehrere Beine zu stellen. Emmerich erklärte, dass er eine »Marke« entwickeln wolle, die weit über das klassische Á-la-Carte«-Geschäft hinaus gehe. »Denn dies alleine ist nicht mehr tragfähig«, sagt der erfahrene Unternehmer. In dieses Konzept passe auch das geplante Brauhaus. »Ziel ist es, dass irgendwann die Haushalte hier in der Gegend eine Kiste mit unserem Bier im Keller stehen haben.«

Emmerich setzt auf Investitionen in die Ausbildung eigener Leute

Neben der Bestandssicherung der »Löwenherz«-Gastronomie in der Bahnhofstraße hat Emmerich inzwischen beim Hochtaunuskreis seine Pläne für die Nutzung des angrenzenden Stammhauses »Frankfurter Hof« eingereicht. Dort sollen eine Toilettenanlage für den Biergartenbetrieb mit barrierefreiem WC, ein geräumiger Wickelraum, Personalumkleiden und eine Azubi-Bankettküche entstehen. Emmerich erklärt dazu: »Mit diesen Investitionen möchten wir als attraktiver Arbeitgeber dem Fachkräftemangel durch Ausbau unserer Ausbildungstätigkeit entgegenwirken und weiter Richtung Catering- und Veranstaltungsmanagement expandieren.«

Der zweite Schritt, so Emmerich, sei die Errichtung einer Privatbrauerei mit Schankwirtschaft im Gewerbegebiet »Am Erlenbach«. Der Unternehmer besitzt dort bereits ein passendes Grundstück zur Entwicklung. »Da ich dieses Grundstück nicht über das Wehrheimer Modell sondern privat gekauft habe, musste auch keinerlei Benachrichtigung an die Fraktionen ergehen. Darüber wurde einzig und allein im Gemeindevorstand abgestimmt«, erklärt der Gastronom.

Ökologische Faktoren beim Bau der Brauerei im Mittelpunkt

Beim Bau der Brauerei stünden ökologische Faktoren, wie Nachhaltigkeit »ganz oben«. Die Wertschöpfungskette vom heimischen Feld auf den Tisch, Gästezimmer für regionalen Bahn- und Radtourismus stehe zudem ebenso im Mittelpunkt wie die Neuschaffung der im Taunus ausgestorbenen Lehrberufe Brauer und Mälzer.

Emmerich will beim Erlenbach-Projekt auf eine Holzbauweise, eine umfassende Dachbegrünung und eine Fotovoltaikanlage setzen, mit der er den kompletten Energiebedarf aus eigener Energiegewinnung abgedeckt werden kann.

Auch die geäußerten Bedenken einer möglichen Geruchsbelästigung durch Brauaromen kann er nehmen. »Ja, in etwa 200 Meter Entfernung stehen Wohnhäuser, doch unsere Planung ist so emissionsfrei, wie nur möglich.« So will der Gastwirt einen, mittlerweile standardmäßig vorgeschriebenen, Kompensator über dem Würzekocher verbauen, der die beim Brauen entstehenden Aromen im System als Prozesswärme direkt einer Weiternutzung zuführt. Diese werden somit nicht nach außen geleitet. »Die großen Schornsteine, die man noch von alten Brauereien kennt, gehören der Vergangenheit an. Der Prozess ist also ganz umweltverträglich - wie das Gesamtkonzept.«

Planungen sehen das Brauen von rund 5000 Hektoliter Bier pro Jahr vor

Die entstehende Maische werde zwischengelagert und einmal in der Woche abtransportiert. Zudem plant Emmerich keine Industrie-, sondern eine kleine lokale Brauerei. »Wir rechnen mit etwa 5000 Hektolitern pro Jahr - und das ist schon optimistisch«, sagt der Gastwirt. Für den Herstellungsprozess sollen überwiegend heimische Produkte verwendet werden.

Emmerich betonte zum Abschluss seiner Ausführungen: »Wir sind hier auf einem kleinen Dorf und da geht es nun einmal nur miteinander. Und gerade als Gastwirt will man natürlich nicht als Störenfried wahrgenommen werden, sondern stattdessen die Leute mitnehmen und für unser Projekt begeistern.«

Dies hat bei der FDP offenbar funktioniert. »Die Zukunftssicherung des Unternehmens am Standort Wehrheim muss im Interesse der Gemeinde liegen, zumal sich der Eigentümer intensive Gedanken um den Umwelt- und Klimaschutz gemacht und dazu konkrete Pläne entwickelt hat. Dies verdient Unterstützung«, ist sich nun auch der FDP-Ortsvorsitzende Bloching nach dem rund zweistündigen Termin sicher.

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