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Debatte im Umweltausschuss: Viele Wege zu mehr Wasser in Wehrheim

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Von: Inka Friedrich

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Auf dem Gelände des Klärwerks im Usatal könnte die vierte Klärstufe entstehen. Diese würde dann hinter den runden Becken im Hintergrund gebaut werden. © Inka Friedrich

Die Sommer werden heißer und trockener, die Versorgung mit Trinkwasser immer schwieriger. In der Gemeinde Wehrheim gibt es gleich mehrere Ansätze, die Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen.

Wehrheim. Auch wenn es im Umweltausschuss (ULFA) laut Tagesordnung vor allem um bereits angelegte Ausgleichsflächen für Wohnbebauungen gehen sollte, drehte sich das Gespräch jedoch zum großen Teil um eines: Wasser. Denn bekanntlich ist das ein begrenztes Gut und die Versorgung mit Trinkwasser im Hochtaunuskreis begrenzt. Aus diesem Grund gibt es Überlegungen, Kommunen im Usinger Land sowie im Vordertaunus und dem Taunuskamm mittels eines gemeinsamen Wasserbeschaffungsverbandes zu bündeln, um gegenüber Großstädten wie Frankfurt mehr Gewicht bei Verhandlungen in eine Waagschale werfen zu können. Ein entsprechendes Konzept werde gerade erarbeitet.

Auch wenn die Niederschlagswerte in diesem Winter an dritthöchster Stelle in den vergangenen zehn Jahren gelegen hätten, so sei der Grundwasserspiegel immer noch so tief abgesunken, dass die Probleme mit der Wasserversorgung nach wie vor nicht gelöst seien. »Unser erklärtes Ziel war es, Grundwasser und Speicherbrunnen in den Wintermonaten zu schonen - und das ist uns zwar gut gelungen«, betonte Bürgermeister Gregor Sommer. Zugleich sei dies nur eine Momentaufnahme, weswegen man über das Thema Trinkwasser immer wieder reden müsse. Denn der Bezug von Wasser aus dem hessischen Ried sowie aus dem Vogelsbergkreis könne nicht weiter erhöht werden. Deswegen müssten sich Gedanken gemacht werden, ob es lohne, Wasser von irgendwo anders dazuzukaufen oder aber selbst auf die eine oder andere Art und Weise zu gewinnen. Denn Wasser werde auch immer teurer.

Gemeinde Wehrheim debattiert um drei Richtungen für die Zukunft

Der Wasserbeschaffungsverband sowie die Gemeinde Wehrheim wollen sich nun in drei verschiedene Richtungen orientieren, die Wasser für den Hochtaunuskreis künftig generieren könnten.

Eine Maßnahme sei die Planung einer möglichen vierten Klärstufe. Sie soll das Wasser soweit aufbereiten, dass es zumindest Brauchwasserqualität haben soll. Doch damit wäre nicht Schluss. »Für uns würde es sich tatsächlich nur lohnen, wenn das Wasser auch bis zur Trinkwasserqualität aufgearbeitet werden könnte. Denn nur das so aufbereitete Wasser kann in das bereits vorhandene Netz eingespeist werden. Für alles andere müssten wir ein zweites Brauchwassernetz legen - mit immensen Kosten«, betont der Vorsitzende des ULFA, Ingmar Rega (FDP). Dies ist jedoch Zukunftsmusik.

Entsprechende Aufbereitungsanlagen, die das Wasser mit UV bestrahlen und chloren, sind in Deutschland noch nicht zugelassen, in anderen Ländern mit großem Wasserengpass jedoch bereits im Einsatz. »Zudem muss hier auch eine Veränderung in den Köpfen stattfinden. Denn sicherlich kostet es zunächst Überwindung, Wasser zu trinken, das eigentlich in der Toilette gelandet ist«, gibt auch Ausschussmitglied Norbert Hartmann (CDU) zu. Allerdings würde nicht alles auf diese Art zurückgewonnene Wasser überhaupt als Trinkwasser eingesetzt werden. Lediglich 10 Prozent würden in das vorhandene Trinkwassernetz eingespeist. Der Rest diene dazu, den in den Sommermonaten gesunkenen Pegel der Usa auszugleichen und die Fauna und Flora im Bachlauf zu erhalten.

Neue Bohrungen für mehr Grundwasser sind kein Thema

Die Reaktivierung alter Brunnen, stellte Sommer klar, sei zwar in die Überlegungen einbezogen worden, habe sich jedoch als nicht praktikabel herausgestellt. Die Wahrscheinlichkeit, bei Bohrungen auf neue Wasseradern zu stoßen, sei denkbar gering.

Um Wasser zu sparen stellte Andreas Bloching, der für die Stadt Kronberg arbeitet, eine dort eingeführte Wasserampel vor. »Diese Ampel zeigt genau an, wenn es eng wird mit dem Trinkwasser.« Wunder könne man damit zwar nicht vollbringen, jedoch in den Menschen ein wenig mehr das Bewusstsein über das Vorhandenseins von Trinkwasser fördern. Zudem hätte eine solche Ampel auch eine soziale Kontrollfunktion. Da so für jedermann ersichtlich sei, ob man gerade Wasser sparen müsse oder nicht, wisse jeder, auch die Nachbarn, ob der Rasen gerade überhaupt gesprengt werden dürfe oder nicht. Sommer kündigte an, diesen Punkt auch für Wehrheim prüfen lassen zu wollen.

Ein weiterer Punkt, der die Gemeinde in puncto Wassersparen sicherlich voranbringe seien die geplanten digitalen Wasserzähler. »So können wir sofort erkennen, an welchem Endverbraucher beispielsweise große Mengen wegfließen und gegebenenfalls gegensteuern«, sind sich Sommer und der Umweltbeauftragte der Gemeinde, Martin Ringwald, einig. Ein Erfolg sei auch, dass großen Wasserverlusten mittlerweile um einiges besser nachgegangen werden könnte. Somit könnten Lecks im Wassernetz viel schneller aufgedeckt und behoben werden. Denn jeder gesparte Tropfen Wasser sei ein Gewinn für die Gemeinde.

Schutz vor Sturzfluten und Hochwasser durch Renaturierungsprojekt

Doch nicht nur das Trinkwasser beschäftigte die Mitglieder des Ausschusses, sondern auch das Thema Sturzregen und Hochwasser. Förster Björn Neugebauer berichtete von einem Renaturierungsprojekt in Obernhain, bei dem ein Entwässerungsgraben oberhalb der Tennishalle in einen kurvigen Bachlauf mit drei Tümpeln umgeformt worden ist. Quarzitquader wurden zusätzlich verbaut, um die Fließgeschwindigkeit des unter bestimmten Umständen rauschenden Gewässers zu senken und das Mäandrieren des kleinen Flüsschens zu fördern. Die Ränder sollen künftig noch mit kleineren Gehölzen bepflanzt werden, sodass Wasser besser zurückgehalten werden kann. Der Wasserabfluss, sei so deutlich verlangsamt worden.

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