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Dem antiken Volk zwischen Arno und Tiber ganz nah

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Sybille Hofmann - hier mit einer antiken Kanne - ist von den Etruskern begeistert, vor allem von den etruskischen Frauen. © Red

Usingen (fms). Hessen hat ein Kelten-Jahr ausgerufen und das umfasst die Zeitspanne von rund 800 vor Chr. bis ins letzte Jahrhundert vor Christi Geburt. Und diese Zeitspanne gilt auch für die Kultur der Etrusker, die letztlich im römischen Reich aufgingen. Das antike Etrurien fällt auf die Regionen Umbrien, Latium und die Toskana mit so bekannten Städten wie Arezzo, Cortona, Perugia, Orvieto, Chiusi, Volterra und andere.

Bei all diesen Namen schnalzen Kulturkenner mit der Zunge, aber um die Sehenswürdigkeiten komplett zu sehen und zu bereisen, bräuchte man schon mehr als einen Sommerurlaub und viel Platz auf der Speicherkarte.

Sybille Hofmann und Ehegatte Andreas Hofmann, seines Zeichen Vorsitzender des Geschichtsvereins Usingen, gingen auf Reisen, und schossen so viele Fotos, dass sie gleich gedruckte und digitale Alben füllten. Sie folgten den Spuren der Etrusker, auf die sich Sybille Hofmann begeistert, allerdings waren. Die Fotos, die Sybille Hofmann jetzt in einem Vortrag zeigte, waren keine touristischen Schnappschüsse, sondern sie dokumentierten, was sie von den Etruskern noch aufspüren konnten. Viele Museen stand daher auf der Reiseroute, die sie akribisch ausgearbeitet hatte und ihre Etrusker-Begeisterung färbte auch auf den Gatten ab, allerdings konnte der zu guter Letzt keine Nekropolen und Grabkammern sehen, wie er den Zuhörern augenzwinkernd verriet.

Der Vortrag in der Hugenottenkirche war gut besucht und Anschauungsmaterial hatten Hofmanns auch dabei, so, zwar nicht im Original, eine etruskische Kanne und Bücher zum Thema. Eindrucksvoll waren die ausgewählten Bilder der Präsentation, welche die Referentin mit Sachkenntnis erläuterte. Beispielsweise die in Tuff gehauenen Grabanlagen in Norchia.

Kunstvolle Sarkophage

Die kunstvollen Sarkophage allerdings findet man nur in Museen und nicht nur in denen auf etruskischem Boden, sondern auch in Rom, Paris und London. Auch von diesen Spitzenobjekten zeigte Hofmann Abbildungen, wie beispielsweise den Ehegatten-Sarkophag aus der Banditaccia-Nekropole von Cerveteri. Dieser zeigt besonders gut die künstlerische Nähe der etruskischen Kunst zu Griechenland insbesondere zum archaischen Stil. Die Etrusker müssen eine optimistische Vorstellung vom Jenseits gehabt haben, denn auf Grabmalereien sind auch Bankett-Szenen dargestellt. Bekannt ist auch, dass die Etrusker schon zu Lebzeiten in vollen Zügen genossen, was da Leben zu bieten hatte, und, was Hofmann besonders hervorhob: auch die etruskischen Frauen waren dem üppigen, um nicht zu sagen frivolen Leben durchaus zugetan.

Und dass sie eine Schwäche für schönen Schmuck hatten, lässt sich an den kunstfertigen Schmuckstücken ablesen, von denen Hofmann zahlreiche Objekte zeigte. »Das könnte doch glatt eine Frisur aus den 1950er Jahren sein«, merkte sie zur Figur einer Frau in halb liegender Pose an, und dass die Frauen eitel waren, verriet eine weitere Halbliegende mit einem Spiegel-Set auf den Knien. Mit der Abbildung dieser Skulptur führte die Referentin die Zuhörer zunächst aufs Glatteis, denn zunächst gab sie den Spiegel als Laptop aus, und einem solchen ähnelte er tatsächlich.

Später klärte sie auf und erklärte noch viele Details zur Geschichte der Etrusker, ihrer Herkunft und Sprache, Grabsitte, der Götterwelt und nicht zuletzt von Waffen und Helmen, sodass ein umfassendes Bild des Volkes zwischen Arno und Tiber entstand, unterhaltsam vorgetragen, wobei die Schauplätze an denen Hofmanns verweilten ganz sicher Lust weckten, selbst einmal den Spuren der Etrusker im mittleren Italien zu folgen, so zum ältesten etruskischen Stadttor, der Porta all’Arco in Volterra. Für die Toskana erübrigt sich jede Werbung, denn die hat über die Archäologie hinaus Kultur vom Feinsten zu bieten, inklusive des Weines, den auch die Etrusker schon zu schätzen wussten.

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