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Vor dem Vortrag über das KZ-Außenlager in Kransberg zeigte Birgit Wehner, Vorsitzende der katholischen Erwachsenenbildung, den Bunker.

Vortrag über das KZ-Außenlager Tannenwald

Ein Denkmal für die Lager-Insassen

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Bernd Vorlaeufer-Germer bleibt auf den Spuren der nationalsozialistischen Verbrechen. Bei einem Vortrag über das KZ-Außenlager Tannenwald in Kransberg kamen neue Informationen zutage. So war einem der zuletzt 42 Häftlinge kurz vor Kriegsende noch die Flucht gelungen. Mit seinen Recherchen will der Lokalhistoriker Opfern, deren Schicksal sich nachvollziehen lässt, ein Denkmal setzen.

Im KZ-Außenlager Tannenwald in Kransberg mussten nachweislich keine Juden, sondern vornehmlich politische Häftlinge Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen verrichten. Doch der 80. Jahrestag der Reichspogromnacht schien Birgit Wehner, der Vorsitzende der katholischen Erwachsenenbildung, geeignet für einen Vortrag von Lokalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer.

„In Zeiten, in denen der Nationalsozialismus wieder näher rückt, dürfen wir nicht vergessen, dass er auch in unserer Gegend ganz nahe war“, sagte Wehner. Sie hatte zum Vortrag in die Pfarrscheune in Kransberg eingeladen und war positiv überrascht, dass so viele Zuhörer sich für das Thema, das aus ihre Sicht in Erinnerung bleiben muss, interessierten. Direkt neben der Pfarrscheune in der Schloßstraße durften die Besucher vor dem Vortrag den Bunker besichtigen.

Er ist einer von drei Bunkern, die am Anfang des Zweiten Weltkriegs von der Organisation Todt, einer paramilitärischen Bautruppe des Dritten Reichs, für die Zivilbevölkerung von Kransberg in die Seitenwände des Wiesbachtals gebaut wurden.

Ein Mal benutzt

Das bei den Sprengarbeiten für den Bunker zum Teil Häuser beschädigt worden waren, hätten die Kransberger in Kauf nehmen müssen, so der Referent. Der wusste, dass dieser Bunker nur ein einziges Mal am Ende des Krieges benutzt worden war, als die Kransberger Ende März 1945 hierher flohen und auf die anrückenden Amerikaner warteten. Da waren die 41 Häftlinge, oberhalb des Schlosses in Holzbaracken untergebracht, auf dem Rückweg zum Konzentrationslager Buchenwald. Wo genau sich in Kransberg das KZ-Außenkommando befand hatte Vorlaeufer-Germer erst 1988 in Erfahrung gebracht mit Hilfe von Kransbergern und dem ehemaligen KZ-Häftling Gerard Dziemba, den er in Polen ausfindig gemacht hatte.

Das Buchenwald-Außenlager mit dem Tarnnamen Tannenwald hatte Vorlaeufer-Germer in der Nähe von Dornholzhausen gesucht, war dann aber in Archiven in Jerusalem über Luftbildaufnahmen und in Gesprächen mit Zeitzeugen auf Kransberg gestoßen. Hier hatten die Nationalsozialisten im Schloss eine Nebenanlage des nahe gelegenen Führerhauptquartiers „Adlerhorst“ untergebracht hatten. In der Spätphase des Zweiten Weltkriegs, im Dezember 1944, entstanden außerhalb der Schlossmauern die Baracken für „Tannenwald“ als Ableger des Konzentrationslagers Buchenwald.

Am 7. Dezember 1944 kamen die ersten zehn politischen Häftlinge hierher um einen Fluchttunnel für den Befehlsbunker zwischen dem Schloss und dem Ort zu bauen. Dafür erhöhten die Nazis die Zahl der Häftlinge zwar auf 42, aber der Stollengang wurde nie fertig, sondern in dem steinigen Untergrund nur 32 Meter lang.

Flucht gelungen

Am 29. März 1945 verließen die letzten 30 Gefangenen das Lager. Kurz vorher war einem Ukrainer noch die

Flucht gelungen

. Geholfen hatte ihm Margarete Geiß, ein nach Aussage des Referenten zutiefst christliche Frau und Witwe des früheren Küsters. Als sie dem Flüchtling Kleidung von ihrem verstorbenen Mann gab, brachte sie sich selbst in Lebensgefahr.

Viel mehr Informationen über diesen Lagerinsassen hatte Vorlaeufer-Germer nicht in Erfahrung bringen können. Die Lebensläufe eines deutschen KPD-Mitgliedes, eines lettischen Deserteurs oder des tschechischen Häftlingsarztes hatte der Referent umfassender recherchieren können.

Im Außenlager in Kransberg war kein Insasse gestorben. Weil sie nur relativ kurz dort untergebracht waren und auch von Kransberger Jugendlichen Äpfel und gekochte Kartoffeln zugesteckt bekamen, habe die Vernichtung durch Arbeit bei ihnen nicht funktioniert, so der Referent. „Ich will diesen Menschen mit meiner Arbeit und der Veröffentlichung der Ergebnisse ein Denkmal setzen“, sagte er.

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