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Anett Fuchs war die erste Kundin im neuen Drive-in. Gerade reicht ihr Mohan Raja eine große Bügelverschlussflasche. foto: as

Na denn Prost: Hier gibt's Bier am "Drive-in"Einige Restaurants liefern aus, für manche ist aber der Aufwand zu groß

BAD HOMBURG Kronenhof und andere Gastronomen gehen ungewöhnliche Wege

Der "Shutdown" im Zeichen der Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben auch im Hochtaunuskreis praktisch lahmgelegt. In besonderem Maße davon betroffen ist die Gastronomie, der, so sie überhaupt darauf eingerichtet ist, nur der Außer-Haus-Verkauf bleibt. Viele Betriebe haben sich bereits darauf eingestellt, Essen in Warmhalteschachteln - hygienisch verpackt und möglichst jeden Kontakt vermeidend - entweder durchs Fenster zu reichen oder von Bringdiensten vor Haustüren zu stellen.

In der Regel betrifft das nur feste Nahrung. Die rutscht aber nunmal besser, wenn es auch etwas Trinkbares dazu gibt. Im Bad Homburger Brauereigasthof Kronenhof gibt es das seit Kurzem: Am "Drive-in" wird nicht nur leckeres Hessen-Essen zum Mitnehmen, sondern auch Bier angeboten, abgefüllt in schmucken 1-Liter-Bügelverschlussflaschen.

Was Skeptikern vielleicht wie ein pfiffiger Aprilscherz anmutet, ist ein bisher im Kreisgebiet einmaliger Service. Hans-Georg und Christine Wagner ist es im wahrsten Sinne bierernst damit. "Wir waren kürzlich noch im Allgäu-Urlaub und hatten bereits eine Ahnung davon, was uns daheim erwarten würde. Da kam uns die Idee, nicht nur Essen außer Haus zu verkaufen, sondern auch unser Bier", erzählt der Kronenhof-Wirt.

Ob sich Wagners "Kopfkino" zum Bestseller entwickeln wird, weiß er selbst noch nicht, hofft es aber. Ein Großteil der Mannschaft ist seit gestern in Kurzarbeit. "Natürlich erreichen wir damit bei weitem nicht die normalen Umsätze, aber besser als nichts ist es allemal.".

Der Anfang ist gemacht, und als der "KH-Drive-in" seine Pforten öffnete, kam Anett Fuchs, sie reitet bei Kronenhof-Juniorchef Thomas Wagner, mit ihrem Cabrio daher. Bog vor den beiden "weißen Türmen" ("Das sind noch Erinnerungsstücke von den alten Kurparkturnieren") links ab und gab vor der Remise im improvisierten Kiosk bei Manuela Hubenthal ihre Bestellung auf: "Dreimal Schnitzel Pommes, einmal Hacksteak mit Schmorzwiebeln, zweimal Bratwürstchen mit Salzkartoffeln und Sauerkraut, zwei Flaschen Helles." Staunen hinterm Tresen über den Großauftrag gleich zu Beginn. Die Erklärung kam prompt aus dem offenen Wagenfenster: "Wir sind zu sechst, haben alle Mordshunger, heute bleibt daheim die Küche kalt, die Familie wartet schon."

Manuela Hubenthal meldet die Bestellung elektronisch an die Küche weiter und kassiert. Kontaktlos mit dem auf einem Holzbrett angereichten Kartenlesegerät. Bar geht auch, dann aber bitte im Körbchen. Und während Anett Fuchs zur Ausgabe hinüber auf die andere Seite des Hofs rollt, sind sie in der Küche schon dabei, die Bestellung zu kommissionieren. Restaurantschichtleiter Peter Brauers holt derweil zwei Flaschen Helles. Dunkel oder Rauchbier wäre auch da, aber Familie Fuchs steht eher auf "Helles".

Mohan Raja wird die Bestellung nur Minuten später mittels eines von Hans-Georg Wagner selbst gebastelten Schiebers der Kundin, die des schönen Wetters wegen zwischenzeitlich das Dach aufgeklappt hat, hinüberreichen. Für die Bierflaschen hat man sich eine Extralösung einfallen lassen, damit die Flaschen nicht vom Holzbrett fallen: einen langen Stab mit einem Haken vorne dran, an den man den Bügelverschluss hängen kann.

Das "KH Drive-in" ist täglich, auch wochenends, von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Liter Bier kostet 4 Euro, mit Pfand 6,50 Uhr. Und auch das ist kein Aprilscherz .

alexander schneider

Wenn die Restaurants geschlossen sind, müssen sich die Gastwirte, wenn sie nicht ganz auf ihren trotz Corona-Krise weiterlaufenden Kosten sitzenbleiben wollen, etwas einfallen lassen. Für einige Wirte im Hochtaunuskreis ist das der Außer-Haus-Verkauf. Dabei empfiehlt es sich freilich, telefonisch oder per Mail vorzubestellen und zur vereinbarten Zeit am Restaurant vorzufahren. "Einige Kollegen liefern auch aus, gerade wenn es sich bei den Bestellern um ältere Gäste handelt", sagt Thomas Studanski, neuer Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Hochtaunus. Studanski, Wirt im "Alt-Orscheler Brauhaus", bietet in seinem Zweitbetrieb "Waldtraud" an der Hohemark auch Essen zum Mitnehmen an. Für diese Art der Gastronomie eignen sich nach Studanskis Einschätzung aber nur kleinere Betriebe mit kurzen Wegen oder solche, deren Küchenlogistik wie im "Waldtraud" ohnehin schon auf Straßenverkauf eingerichtet sind. "Für große Restaurants und Hotels ist das eher schwierig, der Aufwand wäre zu groß." Die Gäste müssten nur das Verständnis dafür aufbringen, dass es wirklich nur zum Mitnehmen ist und dass nicht die komplette Speisenkarte zur Verfügung steht. Schließlich stehe in den Betrieben momentan nur eine kleine Rumpfmannschaft am Herd, die von einer entsprechend reduzierten Karte kocht. Um über Erfolg oder Misserfolg sprechen zu können, sei die Situation jedoch noch zu frisch, sagt der HoGa-Chef. as

Für eine Brauerei in Mexiko sieht es unterdessen schlecht aus: Die Herstellung von "Corona-Bier" wurde vorerst eingestellt. 

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