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Oberursel, Klinik Hohe Mark

Gesundheit

Chef-Arzt der Klinik Hohe Mark zieht Bilanz: „Depression kann jeden treffen“

Seit gut einem halben Jahr ist Dr. Markus Steffens Chefarzt an der Klinik Hohe Mark. Jetzt zieht er Zwischenbilanz und sagt, was er vorhat.

Grün ist es auf dem Gelände der Klinik Hohe Mark. Weiträumige Rasenflächen liegen zwischen den Klinikgebäuden, im Hintergrund sind die dicht bewachsenen Hänge des Taunus zu erkennen. „Wunderschön“ sei die Klinik, findet Dr. Markus Steffens. Seit dem 1. Juni dieses Jahres ist der Mediziner Chefarzt der Abteilung Allgemeine Psychiatrie, Psychotherapie, Sozialpsychiatrie und Suchtmedizin an der Klinik Hohe Mark. Die malerische Lage und der gute Zustand der Gebäude hätten die Entscheidung, von der Rheinhessen-Fachklinik Alzey nach Oberursel zu wechseln maßgeblich beeinflusst, erklärt Steffens.

Sein Zwischenfazit nach einem guten halben Jahr fällt positiv aus. „Ich wurde warmherzig empfangen. Das therapeutische Milieu ist auf jeder Station hoch, es herrscht eine wohlwollende Atmosphäre. Das spüren die Patienten. Sie werden gerne hier behandelt“, meint der Mediziner und sagt: „Das ist nicht in jeder Klinik der Fall.“

Dr. Markus Steffens

Der 49-Jährige kann auf eine lange berufliche Vita mit Stationen in psychiatrischen Kliniken in Frankfurt, Rockenhausen, Kaiserslautern und Alzey zurückblicken. Auch in der Forschung ist Steffens eine anerkannte Größe. Seit 2017 hat er eine Stiftungsprofessur an der Katholischen Hochschule Mainz inne. Dort forscht und lehrt Steffens zu Fragen des kommunalen, psychiatrischen Versorgungsbedarfs mit den Schwerpunkten Resilienz, Prävention sowie Risiko- und Schutzfaktoren bei psychischen Störungen.

Tausende Patienten

„Durch Dr. Steffens haben wir eine Expertise bekommen, die wir vorher nicht hatten“, sagt der Leiter der Kommunikationsabteilung der Klinik, Gottfried Cramer. Die Verantwortlichen hoffen, bestehende Therapieangebote erweitern und spezialisieren zu können. Zurzeit werden am Oberurseler und Frankfurter Standort der Klinik jährlich mehr als 2000 Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen stationär behandelt. Hinzu kommen mehr als 7500 ambulante Patienten.

Die Klinik umkrempeln will Steffens nicht. „Ich habe eine sehr gut geführte Abteilung vorgefunden und will lediglich meine Schwerpunkte einbringen sowie an der ein oder anderen Stelle feilen“, kündigt er an. In der Psychotherapie wolle er stärker auf die Aspekte Familie und Arbeit eingehen.

Dazu gehört die im Dezember 2016 eingerichtete Mutter-Kind-Station. Hier werden Mütter, die im Zuge der Geburt psychisch erkrankt sind, gemeinsam mit ihrem Kind behandelt. Diesen Monat endete die zweijährige Projektphase, die Station geht in den Regelbetrieb über. „Ziel ist außer der Behandlung der Mütter vor allem, die Bindung zwischen Mutter und Neugeborenem aufrechtzuerhalten“, erklärt Steffens.

Emotionale Bindung zählt

Viele Risikofaktoren, die im Erwachsenenalter den Ausbruch psychischer Krankheiten wie Depressionen begünstigten, seien auf das Kindesalter zurückzuführen. „Wenn sich Kinder geborgen fühlen und eine emotionale Bindung zur Mutter aufbauen, beugt dies späteren psychischen Erkrankungen vor“, sagt der Mediziner.

Die Entwicklung gehe dahin, die Psychotherapie frühzeitig einzusetzen und den Fokus auf individuelle Schutzfaktoren wie ein behütetes Familienumfeld und kommunale Resilienzen, etwa wie gut eine Person in lokale Strukturen eingebunden ist, zu setzen. Man dürfe nicht warten, bis eine schwere Erkrankung eingesetzt habe. Zugleich wehrt sich Steffens gegen eine Stigmatisierung der Betroffenen und sagt: „Eine Depression kann jeden treffen.“ Im Gegensatz zu physischen Verletzungen treffe sie ins Zentrum des Wohlbefindens. Frühzeitig erkannt, seien Depressionen jedoch gut behandelbar.

Von Florian Neuroth

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