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Der Sportplatz als Sanierungsfall

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Von: Anke Hillebrecht

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Bad Homburgs Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak zeigt auf dem Bolzplatz am Mühlweg die neue Verfüllung des dortigen Kunstrasens.
Bad Homburgs Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak zeigt auf dem Bolzplatz am Mühlweg die neue Verfüllung des dortigen Kunstrasens. © ANKE HILLEBRECHT

Der Kunstrasen hat im Hitzesommer gelitten. Nun muss ein neuer her. Doch die Hersteller sind oft ausgebucht, weil derzeit so viele Städte und Gemeinden mit dem Problem auf sie zugekommen sind. Und ein neuer Kunstrasen kostet einiges.

Hochtaunus -Kunstrasenplätze machen es möglich, dass die zahlreichen Teams der Sportvereine im Taunus, speziell die Fußballer, auch im Winter trainieren können. Sieht man von der Problematik des sich bei der Nutzung des künstlichen Grüns lösenden Mikroplastiks ab, hat das auch stets gut funktioniert - bis zum vergangenen Sommer, dessen große und längere Hitze das Gummi-Granulat vieler Kunstrasenplätze im Landkreis hat verkleben und verklumpen lassen. In früheren Jahren war das Granulat zumindest nachts wieder abgekühlt.

So traten die Granulat-Brocken an die Oberfläche des Rasens und blieben an den Schuhen der Spielerinnen und Spieler hängen. „Die waren teilweise so groß wie Golfbälle“, erzählt Gerd Böhmig vom Königsteiner Bauamt. Das war nervig und barg auch ein gewisses Verletzungsrisiko. „Auf dem Platz roch es nach verbranntem Gummi“, erzählt eine Bad Homburgerin, die ihren Sohn regelmäßig zum Training nach Königstein fährt. Der Platz nahe dem dortigen Kreisel ist auch betroffen.

Reinigungsgerät von Nachbarverein geliehen

Jetzt wollen viele Kommunen ihre Plätze frühlingsfit machen, doch könnte sich das Problem bei einem erneut heißen Sommer wiederholen - und die Fachfirmen sind ausgebucht. „Wir suchen händeringend nach jemandem, der unsere Plätze professionell reinigt“, so Böhmig. Der besagte Platz des 1. FC Königstein ist einer der am meisten bespielten Fußballplätze im Kreis - „hier trainieren 24 Jugendmannschaften von morgens bis abends.“ Im Sommer liefen immer wieder Ehrenamtliche mit Eimern darüber, um die gröbsten Brocken einzusammeln. Und weil jetzt die Profis auf sich warten lassen, hat sich die Stadt zumindest mal ein Reinigungsgerät befreundeter Vereine aus Schmitten ausgeliehen.

Auch in Oberursel hat man mit maroden Kunstrasenplätzen zu kämpfen. Zwei Anlagen sind vom verklebten Granulat betroffen, in Stierstadt und im Eschbachweg. Der stadteigene „Betrieb und Service Oberursel“ (BSO) stehe in Kontakt mit dem Hersteller, so Sprecherin Nina Kuhn: „Es wurden bereits Proben vom verwendeten Granulat genommen; diese werden aktuell im Labor analysiert.“ In Stierstadt werde geprüft, ob ein Austausch des Granulates auf Kulanz möglich sei. Für den Eschbachweg, die ältere der beiden Anlagen, sei dies keine Option mehr.

Weil derzeit so viele Städte und Gemeinden mit dem Problem auf die Herstellerfirma zugekommen sind, hat diese nun aufgrund der Häufung von Reklamationen eine „Task-Force“ ins Leben gerufen - das erfuhr die Stadt Oberursel, als sie jetzt nachfragte, wann die Plätze repariert werden könnten. „Aufgrund der vielen Reklamationen dort werden wir wohl frühestens in 14 Tagen eine Rückmeldung bekommen, wie weiter verfahren werden kann“, sagte die Rathaus-Sprecherin zu Beginn dieser Woche.

Bad Homburg hat da mehr Glück. Auch auf dem Bolzplatz an der Sandelmühle in der Kurstadt war das Problem im Sommer 2022 entdeckt worden. „Da das eigentliche Kunstrasengewebe mit den Kunststoffhalmen noch recht neu war, konnte hier noch rechtzeitig die Notbremse gezogen werden“, berichtet Sportdezernent Dr. Oliver Jedynak (CDU). So sei das Granulat aus dem etwas mehr als 2000 Quadratmeter großen Platz kürzlich herausgebürstet und entsorgt worden. Dann wurde der Rasen intensiv gereinigt.

Hohe Kosten für gebeutelte Kommunen

Mittlerweile wurde frisches Material zum Verfüllen geliefert und eingebaut. „Um nicht im nächsten Hitzesommer die gleichen Schwierigkeiten zu bekommen, fiel die Wahl des Füllmaterials auf Quarzsand“, so Jedynak. Rund 20 Tonnen Sand mussten für den Platz angeliefert werden. Dieses Material sei umweltfreundlicher, die Sportler müssen sich aber etwas umstellen, betont Jedynak, zu dessen Dezernat im Bad Homburger Rathaus auch das Thema Nachhaltigkeit gehört.

Im Königsteiner Bauamt hat man ebenfalls Bedenken, den Platz einfach neu mit Kunststoff-Granulat verfüllen zu lassen. „Das kann im nächsten Sommer ja genauso wieder passieren“, meint Böhmig mit Blick auf die Temperaturen. Auch wenn die Dicke der Gummi-Tragschicht inzwischen abgenommen habe.

Dieses Jahr wird der alte Belag ohnehin noch bleiben. Denn die Sanierung des Sportplatzes - Böhmig rechnet mit Kosten von 400 000 Euro für die 6200 Quadratmeter große Anlage einschließlich Entsorgung - wurde vom Königsteiner Stadtparlament für den diesjährigen Haushalt nicht genehmigt. Böhmig hat den Betrag fürs kommende Jahr angemeldet - und würde dies auch 2025 wiederholen. „Der Politik ist bekannt, dass ein Kunstrasenplatz nach zwölf Jahren verschlissen ist.“ Aber der alte Belag sei noch vier Zentimeter dick und habe nach wie vor Federkraft.

In Oberursel weiß man noch nicht, welche Kosten auf die Stadt zukommen werden. Für die Anlage in Stierstadt lägen die Laborergebnisse noch nicht vor, berichtet Sprecherin Nina Kuhn. Und „auf der Anlage im Eschbachweg lässt sich aktuell noch nicht einschätzen, wie viel Pflegedurchgänge notwendig sind, um die Verklebungen aufzubrechen und abzusammeln“. Witterungsbedingt hätten die Arbeiten noch nicht begonnen werden können.

Bad Homburg kostet das Herausbürsten des Gummi-Granulats im Mühlweg rund 28 000 Euro. Richtig teuer wird aber die noch anstehende Sanierung der Kunstrasenplätze in Ober-Erlenbach. Dort verklumpte im Sommer ebenfalls Granulat. Allerdings haben die Plätze laut Stadt ohnehin das Ende ihrer Nutzungsdauer (10 bis 15 Jahre) erreicht und sind, auch ohne Klumpen, mit der Sanierung dran. Hier rechnet die Stadt mit Kosten von 500 000 Euro. Der Posten werde in den aktuellen Doppelhaushalt eingestellt, sagt Rathaus-Sprecher Marc Kolbe - ob er wegen des Sparzwangs bewilligt wird, ist ungewiss.

Sandplätze: weniger weich, aber besser für die Umwelt

Ein Kunstrasen ist praktisch ein Teppich aus Plastik-Halmen. Als Dämmschicht dient besagtes Gummi-Granulat, das sich nun als nicht hitzeresistent herausgestellt hat. Es wird teils aus alten Autoreifen hergestellt, manchmal aber auch aus neu hergestellten Gummi-Kügelchen wie das EPDM-Granulat in Bad Homburg. Darunter befindet sich eine Füllschicht aus Quarzsand. Wenn statt des Gummi-Granulats nur mit Sand verfüllt wird, hat der Platz einen schlechteren Kraftabbau, also schlechtere Dämpfungseigenschaften als Plätze, die zweischichtig mit Sand und Gummi-Granulat verfüllt sind. Wird auf das Granulat verzichtet, gelangt über den Abrieb an den Schuhen, den Wind und die Entwässerung des Platzes auch wesentlich weniger Mikroplastik in die Umwelt

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