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»Der Taunus ist für alle da«: So lief die Motorrad-Demo auf dem Feldberg

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Von: Matthias Pieren

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Auf dem Weg zur Kundgebung am »Sandplacken«: Der Motorrad-Korso unterwegs auf der Niederstädter Straße in Richtung Oberstedten. © Jens Priedemuth

3000 Biker waren angekündigt, 2000 sollen es laut Veranstalter gewesen sein, die Polizei zählte knapp 900: Am Samstag wurde dennoch auf dem Feldberg gegen die „Lärmpausen“ demonstriert.

Hochtaunuskreis. Die »Freiheit« ist ganz offensichtlich eine entscheidende Schnittmenge zwischen Motorradfahrern und Politikern von FDP, Freien Wählern und der AfD. Zumindest unterstützen einige Vertreter dieser drei im Kreistag vertretenen Parteien die Forderung verschiedener Gruppierungen von Motorradfahrern, gegen die Sperrung einiger Strecken rund um den Großen Feldberg am jeweils zweiten Wochenende des Monats für motorisierte Bikes.

Grundgedanken der Freiheit als Begründung für Demonstration

Bei der bundesweit in der Biker-Szene angekündigten Motorrad-Demonstration auf dem »Sandplacken« n führten sie jeweils in ihren Reden gegen die mögliche Sperrung der zum Feldberg-Plateau führenden Landstraßen für Motorräder Grundgedanken der Freiheit als Hauptargument ins Spiel.

Für Motorradfahrer ist ihr Gefährt ohne Frage der Inbegriff der Freiheit schlechthin. So war es gewiss kein Zufall, dass die Biker-Hymne »Born to wild« aus dem Kinofilm »Easy Rider« gleich mehrmals aus den Lautsprechern am »Sandplacken« erklang, bis der in Bad Homburg gestartete Motorradfahrer-Korso zur Kundgebung eingetroffen war.

»Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wie viele Motorradfreunde sich heute auf den Weg gemacht haben«, sagte der in Bad Homburg lebende Mitorganisator Rainald Mohr vom Bundesverband der Motorradfahrer. »Mit einer Sperrung des Feldberges nur für Motorradfahrer würden Biker in Sippenhaft genommen und diskriminiert.«

Motorrad-Fans aus Bayern und Köln reisen in den Taunus

Mitglieder eines Motorradclubs aus Ostbayern hatten sich bereits um 5 Uhr auf den Weg in den Taunus gemacht. Andere kamen aus Köln oder dem Ruhrgebiet. »Eine Streckensperrung nur für Motorradfahrer ist deren Diskriminierung«, sagte Götz Rinn, der stellvertretende Vorsitzende der FDP in Oberursel und Gründungsmitglied der FDP-Biker. Die CDU habe 1:1 die Argumentation und Formulierung der Motorrad-Hasser der Feldberg-Initiative aufgegriffen. Das sei Klientelpolitik.

»Wir haben alle im Kreistag vertretenen Fraktionen eingeladen«, sagte Organisator Johannes Lösch vom Verein FDP-Biker bei seiner Begrüßung. Die Einladung angenommen hätten aber nur Politiker der FDP, der Freien Wähler und der AfD. Scharf kritisierte er Landrat Ulrich Krebs (CDU).

Scharfe Kritik an Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU)

»Die Analyse-Daten der ersten sogenannten ›Lärmpausen‹ vor drei Jahren waren nicht gerichtsfest«, sagte »John« Lösch. »Deshalb müssen in diesem Jahr erneut Daten erhoben werden und ein zweites Mal Steuergelder in Höhe von 35 000 Euro ausgegeben werden.«

Landrat Ulrich Krebs (CDU) sei zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des mit der Studie beauftragten Instituts Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain (ivm). Als Lösch zu einem generellen Rundumschlag der anderen, nicht anwesenden Kreistagsfraktionen ansetzte, wurde er von seinem Parteikollegen Dr. Stefan Naas gebremst.

»Es geht heute um den Taunus, es geht um den Feldberg - beide sind für alle Verkehrsteilnehmer da«, rief der FDP-Landtagsabgeordnete lautstark. »Niemand darf ausgegrenzt werden, egal ob man mit dem Fahrrad, dem Auto oder dem Motorrad auf den Feldberg fährt. Alle müssen aber auch die Regeln einhalten.«

Vorwurf an die Politik: Kein Dialog mit den Bikern

Es sei im Vorfeld der Erhebungen nie ein Dialog mit Motorradfahrern geführt worden. Zudem stünde das Ergebnis der Datenerhebung schon im Vornherein fest. Der laufende Versuch müsse schleunigst beendet werden, sagte Naas: »Der Taunus muss für alle offen bleiben.«

Als nächster Redner stellte der ebenfalls Motorrad fahrende Kreistagsvorsitzende Renzo Sechi (Freie Wähler) inhaltlich klar, dass die Datenerhebungen - anders als von Lösch behauptet - nicht von der Politik, sondern von der Verkehrsbehörde in Auftrag gegeben worden sei. »Es stört mich, dass es bei der aktuellen Diskussion nur um Motorrad-Lärm geht«, sagte Sechi. »Es müssen Lärmmessungen bei allen Fahrzeugen erfolgen.«

Abschließend begrüßte Frank Bücken (AfD) die Motorradfahrer als »Freunde der Freiheit« und sprach sich für die Installation von Pufferzonen und Lärmdisplays statt Fahrverbote aus. »Ein Motorrad-Verbot würde die Freiheitsrechte beschränken. Ferraris und Porsche dürfen ja auch weiter brettern«, sagte der Vorsitzende der AfD-Kreistagsfraktion und versprach: »Wir bleiben an Eurer Seite.«

Nach Angaben der Organisatoren hatten 2000 Motorradfahrer an der Demo teilgenommen, für 3000 Teilnehmer war die Kundgebung angemeldet. »Wir haben bei der Abfahrt des Korsos in Bad Homburg exakt 882 Motorradfahrer gezählt«, sagte der Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes der Polizeidirektion Bad Homburg, Oliver Link, auf Anfrage mit. Besondere Zwischenfälle gab es keine.

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