1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Die Armut wächst auch im Taunus

Erstellt:

Von: Gerrit Mai

Kommentare

Dr. Tobias Krohmer (von links), Eugenie Riffel, Claire Schäfer, und Stefanie Limberg stehen dafür ein, dass Caritas und Diakonie das Kirchensteuerplus an Menschen weitergeben, die durch allgemeine Preissteigerungen und hohe Energiekosten in Not geraten.
Dr. Tobias Krohmer (von links), Eugenie Riffel, Claire Schäfer, und Stefanie Limberg stehen dafür ein, dass Caritas und Diakonie das Kirchensteuerplus an Menschen weitergeben, die durch allgemeine Preissteigerungen und hohe Energiekosten in Not geraten. © Gerrit Mai

Caritas und Diakonie unterstützen verstärkt Bedürftige - Neuer Notfallfonds

Hochtaunus -Caritas und Diakonie seien, „wie die Jungfrau zum Kind“, zu Mehreinnahmen gekommen, schmunzelte Dr. Tobias Krohmer, Referent für Gesellschaftliche Verantwortung des evangelischen Dekanats Hochtaunus. Beide christlichen Sozialverbände hatten indes geahnt, dass die Versteuerung der Energiepreispauschale von 300 Euro, die die Bundesregierung im vergangenen Jahr ausgezahlt hat, ein Kirchensteuerplus bedeuten würde. Daher sei den beiden kirchlichen Sozialverbänden Caritas (katholisch) und Diakonie (evangelisch) auch schnell klar gewesen, wo das Geld zum Einsatz kommt: „Es muss dort ankommen, wo es hingehört, zur Existenzsicherung für Menschen, die durch Inflation und Energiepreiserhöhung in Not geraten sind“, versicherte Dr. Tobias Krohmer im Pressegespräch, das beide gemeinsam organisiert hatten. Er ist zuständig für die Tafel, hinter der noch weitere Sozialverbände des Kreises stehen.

Mehr Geld für die Tafel

Insgesamt hatte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau vier Millionen Euro aus dem Topf erhalten, dem katholischen Bistum Limburg - beide jeweils für den Hochtaunuskreis zuständig - waren zwei Millionen Euro zugeflossen. Auf die Regionen verteilt, habe die Diakonie Hochtaunus 67 000 Euro für Soforthilfe erhalten, die Caritas hatte mit den ihr zugeflossenen 60 000 Euro einen Notfallfonds Energiehilfe gegründet, und die Tafel erhielt 208 000 Euro zusätzlich. Sie brauche das Geld dringend, sagte Krohmer. Schon durch die aus der Ukraine Geflüchteten sei sukzessive eine Warteliste entstanden, die durch Energiekrise und Inflation auf 260 Haushalte angewachsen sei. Aktuell würden im Kreis bereits 680 Haushalte betreut.

Von dem Geld werde ein zusätzliches Beratungsangebot, eingebettet in ein Kochprojekt, etabliert. Die Helferinnen kochen von Februar an freitags für Klienten der Warteliste eine warme Mahlzeit. „Ein niederschwelliges Angebot, um ins Gespräch zu kommen und bei Bedarf eine detaillierte Beratung zu vereinbaren“, erläuterte Krohmer.

Die Caritas habe bei ihrer Arbeit, sprich bei den Pflegediensten, der Schwangeren- oder allgemeinen Sozialberatung festgestellt, dass sich auch im Hochtaunuskreis die Armut verstärkt hat, und hat mit dem Geld einen Notfallfonds als finanzielle Soforthilfe in Einzelfällen aufgelegt, berichtete Eugenie Riffel, Vorsitzende des Caritasverbands Hochtaunus. Für Einzelpersonen seien 150 Euro vorgesehen, Haushalte erhielten je nach Größe bis zu 1500 Euro, ergänzte Bezirksreferent Fabian Bocklage.

Das Hilfsangebot der Diakonie richte sich an alle Menschen im Hochtaunuskreis gleich welchen Glaubens, die finanziell nicht mehr über die Runden kommen, sagte die Leiterin des Diakonischen Werks Hochtaunus, Stefanie Limberg. Das seien vermehrt Menschen und Familien, die bisher keine finanzielle Not hatten. Da es für diese ungewohnt sei, Hilfe zu erbitten, gebe es keine Hürden für ein Erstgespräch und zudem aufsuchende Beratung, sprich, Mitarbeiter kommen ins Haus. Das sei vor allem für Ältere wichtig, sagte Limberg. Erste Anlaufstelle bei der Diakonie ist die allgemeine Lebensberatung, aber informiert seien alle Mitarbeiter. Es warte auch kein Gang durch die Instanzen auf die Klienten, sondern kompetente Informationen über Förderungs- und Unterstützungsmöglichkeiten von Ämtern und anderen Organisationen sowie Hilfe bei der Antragstellung.

Dass Caritas und Diakonie zusammenarbeiten, sei nicht neu, versicherten Eugenie Riffel und Stefanie Limberg, die gemeinsame Präsentation sei indes dem Wunsch geschuldet, möglichst alle Menschen im Kreis zu erreichen, damit niemand mit seinen finanziellen Problemen durchs Raster falle. „Beratung und Hilfe von Menschen, die in Not geraten sind, ist unser beider ureigenste christliche Aufgabe“, sagte Limberg. Kostenfrei, ohne große Hürden sowie nachhaltig und langfristig soll die Hilfe sein.

Bei der Caritas können Termine unter Telefon (0 61 72) 59 76 02 10 oder per E-Mail: an die Adresse beratung@Caritas-hochtaunus.de vereinbart werden, bei der Diakonie telefonisch unter (0 61 72) 59 76 60 oder an dw@diakonie-htk.de.

Auch interessant

Kommentare