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Die ganz große Tour: Ehepaar fährt über 500 Kilometer mit dem Rad nach Usingen

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Von: Christina Jung

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Dieter Schüler (links) und seine Frau Bärbel (rechts) sind mit den Fahrrädern von Bremerhaven nach Usingen gefahren. Schwiegersohn Andreas, Tochter Manuela und Enkel Tim freuen sich über den Familienbesuch aus dem hohen Norden. © Christina Jung

Ein Familienbesuch mit dem Rad ist umweltfreundlich und schön. Ein Ehepaar aus Bremerhaven hat dafür nun die über 500 Kilometer lange Strecke nach Usingen in Angriff gekommen.

Usingen. »Radfahren ist Träumen mit Füßen«, sagt Dieter Schüler aus Geestland in der Nähe von Bremerhaven. Der 71-Jährige muss es wissen, denn gerade hat er mit seiner Frau Bärbel eine Strecke unter die Reifen genommen, die anderen vielleicht eher den Angstschweiß auf die Stirn getrieben, anstatt sie zum Träumen gebracht hätten. Aber für das Ehepaar war es eine Inspiration: In acht Tagen haben sie den über 500 Kilometer langen Weg zu Tochter, Schwiegersohn und Enkel in Usingen mit ihren E-Bikes geschafft.

Am Donnerstag kamen sie, von Tochter Manuela und Enkel Tim sehnsüchtig erwartet, vor deren Haus im Neubaugebiet Schleichenbach I an. Muskelkater? Fehlanzeige. Regenwetter? Kein einziger Tropfen ist gefallen, während sie unterwegs waren. Verfahren? Jein. Kurz vor dem Ziel, die beiden waren schon in Butzbach im Norden der Wetterau, war die Ausschilderung Richtung Usingen schlecht. So mussten sie einen Busfahrer fragen, ob er ihnen behilflich sein könne, denn die Passanten, die vorbeikamen, konnten nicht aushelfen - was die beiden ziemlich wunderte.

Die Idee kam während der Coronavirus-Pandemie

Die Idee, die Tochter und ihre Familie zu besuchen, gedieh während der Coronavirus-Pandemie. Das Ehepaar Schüler, begeisterte Radfahrer und oft mit befreundeten Ehepaaren unterwegs, hatte mehr Zeit als üblich. Und auf einmal war die Idee da - hinunter vom Norden in die Mitte der Republik mit dem Fahrrad zu fahren. Rückzugs wollte man ursprünglich den Zug nehmen, doch schon bald war davon keine Rede mehr: Am gestrigen Dienstag wollten sie wieder gen Heimat fahren. Eine andere Strecke als bei der Anreise, aber immer mit genauem Blick auf Höhenmeter und Radwegeverfügbarkeit sowie täglich machbare Etappen. Dabei soll auch wieder genug Zeit bleiben, um sich Sehenswürdigkeiten anzuschauen, mittags eine Kleinigkeit zu essen und sich erholen.

Die Nächte wurden auf der Fahrt Richtung Hessen übrigens in Hotels oder Pensionen verbracht. Schüler achtete dabei darauf, dass man auch mit Radfahrerkluft willkommen ist und die Akkus der E-Bikes aufgeladen werden konnten. Dabei schaute das Ehepaar auch auf das Preis-Leistungsverhältnis. Einmal, so Schüler, habe man ein Hotel angesteuert, wo die Nacht exorbitant teuer gewesen sei. »Wir konnten uns das leisten«, sagt der ehemalige Sparkassenleiter, »aber es hat uns widerstrebt, uns über den Tisch ziehen zu lassen«. Also fuhren sie noch einige Kilometer weiter, um in einem ehemaligen Kloster unterzukommen. Dies sei eine einmalige Erfahrung gewesen - »und wir waren unserem Ziel für den nächsten Tag auch noch einen ganzen Schritt näher gekommen«.

Beim Packen auf Sparflamme: Jedes Kilogramm Belastung zählt

An beiden Fahrrädern waren sowohl Satteltaschen sowie auf dem Gepäckträger ein Fahrradkoffer angebracht. Das war ausreichend Stauraum für alles, was sie benötigten. »Meine Frau kann toll platzsparend packen«, sagt Dieter Schüler. Das war wichtig, denn trotz E-Bike war jedes Kilogramm mehr eine Belastung.

Mit Usingen verbinden die beiden hauptsächlich die Heimat ihrer Tochter und ihrer Familie. Natürlich sei man regelmäßig zu Gast und freue sich, alle drei zu sehen. Doch normalerweise kommen sie mit dem Zug in die ehemalige Residenzstadt im Taunus. Dort unternehmen sie dann so einiges mit der Familie: Lochmühle, Hessenpark, Saalburg, um nur ein paar prominente Beispiele zu nennen, werden besucht. Gemeinsam Zeit zu verbringen, macht Spaß und für Enkel Tim ist es ein Fest, wenn Opa und Oma da sind.

In diesem Fall war aber der Weg eindeutig das Ziel. Lustig fand das Ehepaar die Reaktionen ihrer Mitmenschen auf das Projekt. »Die haben uns für verrückt erklärt«, erzählt Dieter Schüler. Und seine Frau Bärbel ergänzt, dass auch bei den täglichen Touren viele Bauklötze gestaunt hätten, wenn ihnen gesteckt wurde, dass das Paar aus der Nähe von Bremerhaven gestartet ist.

Von Bergen im Taunus und Winden an der Küste

Ermöglicht wurde das Ganze, weil beide topfit sind und gesundheitlich keine Probleme haben. Ob sie es noch einmal machen würden? Da sind die Meinungen eher verhalten. »Wahrscheinlich nicht«, sagt Bärbel Schüler. Es sei zwar eine tolle Reise mit vielen schönen Erlebnissen gewesen, aber ein zweites Mal wolle man wohl nicht in die Pedale treten, um die Familie in Usingen zu besuchen. Da haben sie doch eher vor, wieder mit befreundeten Ehepaaren Radtouren zu machen. Die können dann ruhig so gestaltet werden, dass man mit den Rädern im Schlepptau wohin fährt, um von dort sternförmig Tagestouren zu veranstalten.

Auf dem Heimweg werden die beiden, wie auch auf dem Hinweg, übrigens bei ihrem Sohn und dessen Familie in Bremen Station machen. Sie hoffen wieder auf gutes Wetter und viele schöne Erlebnisse. Die hügelige Landschaft im Taunus habe ihnen keine Probleme bereitet - und dies, obwohl sie ja eher »Flachlandtiroler« sind. »Dafür haben wir bei uns einen Wind, den andere schon als Sturm bezeichnen würden«, lachen die beiden. Keine Frage: Neben der Freude über dass Erreichte, erfüllt sie ihre Tour auch mit einem klitzekleinen bisschen Stolz.

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