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Personalmangel in Kitas: Kommunen kämpfen um Erzieherinnen

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Von: Matthias Pieren

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Bleibt zum Spielen mit den Kleinen noch genug Zeit? In vielen Kitas mangelt es an Fachpersonal. Auch im Hochtaunus suchen Kommunen teils händeringend nach Erzieherinnen und Erziehern.
Bleibt zum Spielen mit den Kleinen noch genug Zeit? In vielen Kitas mangelt es an Fachpersonal. Auch im Hochtaunus suchen Kommunen teils händeringend nach Erzieherinnen und Erziehern. © picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Fehlendes Personal in Kitas führt im Hochtaunus zu Gruppenschließungen. Kommunen versuchen nun mit Anreizen dagegenzuhalten.

Hochtaunus – Komplettschließungen von Kindertagesstätten wegen Personalmangels - wie sie in der Kita Schatzinsel in Oberursel-Bommersheim unumgänglich war - oder die Notrufe aus Königstein, wo im Frühjahr gleich 58 Plätze in konfessionellen Kitas geschlossen werden mussten, sind nur die Spitze des Eisberges.

Und dabei sind gut ausgebildete pädagogische Fachkräfte ganz entscheidend für das Wohl, die Förderung und Entwicklung der Kinder in Kitas. Doch die Träger von Kindertagesstätten schaffen es derzeit nicht, alle benötigten Stellen zu besetzen.

Wie angespannt die Situation ist, zeigt das Ergebnis einer Umfrage dieser Zeitung unter Städten und Kommunen im Hochtaunuskreis. Neben den kommunalen Kitas suchen auch private und kirchliche Einrichtungen händeringend nach Erzieherinnen - und nach wie vor sind es vor allem Frauen, die diesen Beruf ausüben.

Hochtaunus: In Kitas fehlt das Personal – Kritische Situation in Oberursel

Absolut kritisch ist die Personalsituation in den städtischen Kitas in Oberursel, wo aktuell 12,8 Prozent der notwendigen Stellen nicht besetzt sind. Entsprechend einem klar vorgegebenen Sollstellenplan - der die Gruppengröße, die Betreuungsdauer der angemeldeten Kinder, den individuellen Integrations- und sprachlichen Förderbedarf der Kinder berücksichtigt - muss die Stadt Oberursel für die städtischen 751 Kita-Plätze rein rechnerisch insgesamt 109 Vollzeitstellen bereithalten.

Doch hochgerechnet sind gleich 14 dieser Vollzeitstellen, die sich de facto auf weit mehr Teilzeitstellen verteilen, derzeit nicht besetzt. Auch in Kronberg liegt durch die aktuell offenen vier Vollzeitstellen die Quote der nicht besetzten Posten mit 9,76 Prozent sehr hoch - mit allen Konsequenzen und Mehrbelastungen für das Kita-Personal.

In den 16 städtischen Kitas in Bad Homburg (insgesamt gibt es 42 Einrichtungen) liegt dieser Quotient bei 4,3 Prozent. In Schmitten sind es 5,55 Prozent, und in Steinbach sucht man für 6,58 Prozent aller vorzuhaltenden Stellen Fachpersonal, in Usingen sind es 7,63 Prozent.

Kita-Personal gesucht: Jobticket oder Radleasing als Anreize

Wehrheim ist hingegen in der glücklichen Lage, dass alle Stellen in gemeindlichen Kitas besetzt sind, in Friedrichsdorf wird das ab September der Fall sein. In Neu-Anspach und Grävenwiesbach hat man die Kitas komplett in kirchliche oder private Trägerschaft (VzF) gegeben.

Tatsache ist aber: Bei der Suche nach fehlendem Personal konkurrieren alle Träger um die eigentlich gar nicht verfügbaren Erzieherinnen. Da die Bezahlung einheitlich über Tarifverträge geregelt ist, versuchen Städte und Kommunen, mit besonderen Konditionen Personal zu locken. Unbefristete Beschäftigungsverhältnisse, Weiterbildungsmöglichkeiten, Supervision sowie klar definierte Vor- und Nachbereitungszeit sind längst die Regel. Ebenso sind zusätzliche RMV-Jobtickets als Gratis-Fahrausweis im ÖPNV keine Seltenheit.

"Mitarbeitende können Betriebssportangebote wahrnehmen und erhalten eine Vergünstigung im Fitnessstudio, im Seedammbad sowie beim Erwerb eines Elektrorads", zählt die Stadtverwaltung Bad Homburg ihre Boni auf. "Einen weiteren Anreiz bieten jährliche Leistungsentgeltvereinbarungen. Nach Erreichung vereinbarter Ziele wird Ende Juli eine Prämie ausgezahlt, die sich nach der erreichten Anzahl der Punkte richtet."

„Mitarbeitende bestmöglich unterstützen“: Kommunen suchen Kita-Personal

In Kronberg hat man die Gruppengröße von 25 auf 23 Kinder heruntergesetzt, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. "Die Stadt Kronberg ist behilflich bei der Wohnungssuche und garantiert den Erzieherinnen ein Betreuungsplatzangebot in städtischen Kindertagesstätten", teilt Stadtsprecher Andreas Bloching mit. "Unsere Mitarbeiterinnen erhalten zudem kostenfreie Gesundheitskurse sowie vergünstigte Konditionen in Kronberger Fitnessstudios."

Die Stadt Oberursel bietet ein zusätzliches Kleidergeld in Höhe von 30 Euro pro Monat. Zudem plant man in der Brunnenstadt ab kommendem Jahr, Nachwuchs für die Kitas zu gewinnen, indem die Stadt die Schulgebühren übernimmt und eine monatliche Vergütung von 300 Euro während der Ausbildung bezahlt - was normalerweise erst im letzten Ausbildungsjahr der Fall ist.

Auch die Stadt Steinbach bietet persönliche Zulagen von bis zu 100 Euro an und lockt mit Leasing-Angeboten für Fahrräder. "Als Träger sehen wir unsere Aufgabe darin, die Mitarbeitenden in unseren Einrichtungen bestmöglich zu unterstützen und ihnen die Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, bei denen keine Abstriche in der pädagogischen Arbeit gemacht werden müssen", teilt die Stadt Friedrichsdorf mit. Dazu gehöre auch, dem Personal Vor- und Nachbereitungszeiten zu gewähren, das über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehe. "Zudem finden Fachkräfte bei uns eine offene, wertschätzende Teamkultur, die ihnen Raum für Entwicklung und zum Experimentieren bietet", wirbt die Stadt. "Wir fördern unsere Mitarbeiter individuell durch vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten." (Matthias Pieren)

Da die Kita-Plätze ausgelastet sind, will eine Stadt im Wetteraukreis eine Übergangs-Kita einrichten.

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