Die Firma Eventpanther mit Sitz in Wehrheim hat sich in der Corona-Krise verändert und mit Streaming-Veranstaltungen ein neues Standbein aufgebaut, indem eine neue Firma gegründet wurde. Im Hintergrund sieht man eine riesige Leinwand mit lauter kleinen Desktop-Bildschirmen. Das Foto wurde in einem der beiden neuen Studios der Wehrheimer Eventpanther aufgenommen.
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Die Firma Eventpanther mit Sitz in Wehrheim hat sich in der Corona-Krise verändert und mit Streaming-Veranstaltungen ein neues Standbein aufgebaut, indem eine neue Firma gegründet wurde. Im Hintergrund sieht man eine riesige Leinwand mit lauter kleinen Desktop-Bildschirmen. Das Foto wurde in einem der beiden neuen Studios der Wehrheimer Eventpanther aufgenommen.

Usinger Land

Die Krise in der Event-Branche dauert noch an

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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Spektrum im Usinger Land reicht von aufgebrauchten Ersparnissen bis zu Firmenneugründung

Usinger Land -Konzerte, Hochzeiten oder Gartenpartys, aber auch Versammlungen und Diskussionen - das sind nur fünf von vielen weiteren Beispielen für Veranstaltungen, auf denen Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft arbeiten. Viele von ihnen sind selbstständig. "Wir sind die ersten, die ihre Arbeit einstellen, und wir werden die letzten sein, die wieder beginnen dürfen." So fasst Uwe Sander, Inhaber von "Dancezone 24" mit Sitz in Hausen-Arnsbach, die prekäre Lage seiner Branche zusammen. Und so sehen es auch andere Unternehmer im Usinger Land.

Sander ist zwar nicht auf die Einkünfte angewiesen, weil er Partys und Feste nur im Nebenerwerb veranstaltet. Doch trotz stetig sinkender Inzidenz ist es noch nicht wieder so wie vor Corona. Er habe bisher noch keine Buchung.

Ähnlich unbefriedigend ist die Situation für Patrick Möbs (Musik Non Stop) aus Pfaffenwiesbach. Er spürt: "Die Krise ist für uns noch nicht vorbei." Möbs hat ein Kleingewerbe und ist finanziell nicht auf die Einnahmen angewiesen. Allerdings habe er kurz vor Corona in neue Ausrüstung investiert, und dieses verstaube nun im Lager. "Ich hatte es bisher bei keiner Veranstaltung dabei", sagt Möbs.

Der Einbruch kam im März 2020

Die Flaute dauert schon über ein Jahr an, der Knick kam bei allen befragten Unternehmern der Branche im Usinger Land zwischen März und Mai 2020. "Aufträge wurden direkt abgesagt oder erst verschoben und dann abgesagt", so Möbs. "Wann es für mich weitergeht kann, ich zurzeit nicht sagen."

Den Veranstalter IS Eventtechnik (IS ist die Kurzform für "Icestorm") mit Sitz in Eschbach gibt es schon seit über zehn Jahren. "Mir geht es trotz Corona verhältnismäßig gut, weil ich das nur nebenberuflich mache", sagt Inhaber Michael Ruß. Und weiter: "Doch auch bei mir ist der Umsatz seit Mitte Mai 2020 eingebrochen".

Keine Laurentiuskerb, Hochzeiten und Partys. Allerdings gab es 2020 eine Ausnahme: Ruß wurde für Beschallung und Beleuchtung auf einer Versammlung der CDU Hochtaunus mit rund 150 Teilnehmern in Usingen gebucht. Und auch bei zwei Seminaren, die als Livestream im Internet angeboten wurden, arbeitete Ruß als Freier mit, betreute Licht- und Tontechnik. "Aber ich habe schnell gemerkt, dass Streaming wesentlich komplizierter ist als man denkt. Pegel, Bild und Ton verantworten, das wäre für einen Mann alleine zu viel."

Fast alle Rücklagen sind aufgebraucht

Alexander Schmidt ist Inhaber von "Alexander Schmidt Event Service" in Neu-Anspach. Er arbeite noch in der Firma des Schwiegervaters, "aber dieses Glück hat eben nicht jeder", sagt Schmidt, dessen Lebensgefährtin Opernsängerin ist.

Er habe finanzielle Corona-Soforthilfen des Bundes beantragt. "Diese kamen recht zügig, allerdings waren sie niemals ausreichend, um den normalen Lebensbedarf eines Selbstständigen zu decken. Ergo habe ich nahezu meine ganzen Ersparnisse aus einem sehr guten Jahr 2019 aufgebraucht", so Schmidt. Der Verweis der Regierung an seine Branche, Arbeitslosengeld II zu beantragen, kam für ihn nicht in Frage. "Menschen, die einen guten Job hatten, quasi auf Hartz IV zu verweisen, das werte ich bis heute als blanken Hohn."

Es gibt auch Veranstaltungsfirmen, die sich in der Krise neu ausgerichtet haben, etwa "Taunus Events" aus Schmitten. Sie heißt nun "Henning Radam - Media + Events", und die Medienproduktion hat jetzt einen höheren Stellenwert, sagt Henning Radam.

2020 hagelte es jedoch erstmal Absagen. "Glücklicherweise hatte ich mich schon vorher intensiv mit Medienproduktionen beschäftigt und einige Projekte umgesetzt. Deshalb konnte ich schnell mein Angebot mit Livestreams, Videoproduktionen und der Fotografie an die neue Situation anpassen", berichtet Radam. Die finanzielle Lage sei jedoch immer noch sehr angespannt. "Die Rücklagen, die ich seit meiner Gründung 2016 bilden konnte, sind aufgebraucht. Viele Kunden sind verunsichert und buchen nur sehr kurzfristig. Trotzdem freue ich mich sehr über jede Veranstaltung, das ist eine große Motivation", sagt Radam, der auch die Soforthilfen des Bundes erhalten hat. "Ohne diese Hilfen würde ich heute vielleicht nicht mehr am Markt sein."

Ein bekanntes Veranstaltungsunternehmen heißt "Eventpanther" mit Sitz in Wehrheim. Es hat eine ähnliche Entwicklung wie "Taunus Events" genommen. Inhaber Ben Panther hat in der Krise sogar eine neue Firma gegründet, die sich auf Digital- und Hybrid-Veranstaltungen spezialisiert hat. Sie heißt "Wirkung.digital".

"Vor Corona waren wir eine Eventagentur im Seminarbereich, das hat gut funktioniert", so Panther. Er habe 2020 volle Bücher gehabt, die Auftragslage sei jedoch auch im März 2020 auf Null geschrumpft.

Panther ging neue Wege, es hat sich gelohnt. "Es gibt im Bereich Digitalisierung in der Veranstaltungsbranche kein Zurück mehr in die Zeit vor Corona. Streaming wird nicht mehr verschwinden, Veranstaltungen werden zum Teil vor Ort und zum Teil online angeboten, viele Kunden sagen, dass Pflichtveranstaltungen für Mitarbeiter nur noch online stattfinden werden."

Er hat 2020 in Wehrheim zwei Studios für Streaming eingerichtet. Für die Digital-Agentur wurden Programmierer und Projektmanager eingestellt. Mittlerweile hat Panther zwölf Mitarbeiter, Jens Schlangenotto ist zweiter Geschäftsführer von Wirkung.digital. Und was ist mit Eventpanther? "Den Namen gibt's nicht mehr lange, weil wir mit einer Firma aus dem Raum Würzburg fusionieren wollen." Die Eventpanther heißen künftig Wirkung.live. Von Nina Fachinger

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