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Die neuen Glocken für die Eschbacher Kirche sind da

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ualoka_tzp_as_glocke4_04_4c_1 © Red

Viele Eschbacher verfolgen am Dienstag ein »Jahrhundertereignis«: die Ankunft der neuen Kirchenglocken. Zu Pfingsten sollen sie eingeläutet werden.

Usingen-Eschbach. Gestern war halb Eschbach schon um 8 Uhr auf den Beinen, um den großen Moment, der als »Jahrhundertereignis« in die Ortsgeschichte eingehen dürfte, nicht zu verpassen: die Ankunft der neuen Glocken. Sogar Kranführer Reiner Gilbert hatte sein Publikum, als er um 7 Uhr mit dem Aufbau des 70-Tonnen-Monstrums, dessen Arm mit 44 Metern den Kirchturm überragte, begann.

Das Interesse am Einbau der neuen Glocken, die in der engen Glockenstube erst mal zurechtgestellt wurden und in den nächsten drei Wochen punktgenau, je zwei übereinander, endmontiert werden, war nicht nur technisch, es war auch ambivalent. Pfarrerin Kerstin Steinmetz zeigte angesichts der vier in der Bachstraße aufgereihten und von Frauen aus dem Kirchenvorstand geschmückten Glocken in ihrer Ansprache Verständnis für jene Eschbacher, die den Glockentausch mit Wehmut verbinden.

Schließlich waren viele von ihnen zum Geläut der alten, nach dem Ersten Weltkrieg als Notlösung beschafften Stahlglocken getauft und getraut worden oder hatten ihre Lieben damit zu Grabe getragen. In Eschbach dürfte niemand leben, der je einen anderen als den etwas scheppernden Klang der Stahlglocken gehört hat.

Als Quartett noch nicht gehört

Steinmetz sagte, die Entscheidung sei aber nach reiflicher Überlegung und im Bemühen, alle Gemeindeglieder mitzunehmen, getroffen worden. In den letzten Monaten der Turmsanierung seien die Glocken ganz verstummt, und nun freue man sich doch auf die neuen Bronzeglocken, die, so hofft die Pfarrerin, zu Pfingsten offiziell eingeläutet werden sollen.

Auch wenn es Tonproben bis zum Kirchenvorstand und den zur Finanzierung des 200 000 Euro teuren Geläuts durch Spenden und Patenschaften zusammengerufenen »Eschbacher Glockenfreunde« auf CD geschafft haben, so richtig läuten gehört, schon gar nicht als Quartett, hat sie noch niemand.

»Wir sind alle sehr gespannt, wie sie klingen«, sagte auch Jan Hille von den Glockenfreunden. Der Klang der vier 400 bis 1200 Kilo wiegenden Bronzeglocken werde weicher, wohltönender als der der Stahlglocken sein, auch würden sie länger nachhallen, meint Hille. Ganz gespannt ist auch Margot Becker, die ihren 86. Geburtstag gestern auf der Straße verbracht hat: »Für mich waren die alten Glocken noch gut, mal horchen, wie die neuen sich anhören«, sagte sie. Wie bei ihr überwiegt jetzt allenthalben doch die Vorfreude auf den neuen Klang.

Es war schon gegen 9 Uhr, als der Kran die vier neuen Glocken, die bereits ihr hölzernes Joch trugen, vom Laster gehoben und in Reih und Glied auf die Bachstraße gesetzt hatte. Viele, die bereits für die Glocken gespendet oder eine der bislang 30 Patenschaften übernommen haben, nutzten die letzte Gelegenheit, »ihre« Glocken noch einmal in den Arm zu nehmen.

Pfarrerin Steinmetz verstand es im Rahmen der von Erhard Reuter mit der Trompete umrahmten Andacht, den Bogen zwischen dem alten und dem neuen Geläut thematisch zu finden.

Symbol der Ewigkeit

Kirchenglocken wiesen den Menschen den Weg durch den Tag, aber auch durchs ganze Leben, indem sie nicht nur zu verschiedenen Tageszeiten geläutet würden, sondern auch zu den Stationen des Lebens, gewissermaßen bis in alle Ewigkeit. Das Symbol der Ewigkeit findet sich auch auf den Glocken. Sie zeigen geschwungene Linien als Relief. Wenn sie paarweise untereinander hängen, ergeben die Linien das Bild einer für Ewigkeit stehenden »Acht«.

Stück für Stück holten die Monteure die alten Glocken aus dem Turm. Für die größte musste sogar die Schallluke erweitert werden. Im Gegenzug wurde dann eine neue Glocke nach der anderen, die größte zuerst, nach oben gehievt.

Die größte alte Glocke wurde vor der Kirche zur Erinnerung abgestellt. Die anderen drei bleiben auch im Dorf. Andi Schmidt vom »Glockenhof«, Wolfgang Russ, der sie vor seine Schlosserei stellen will, und Armin Becker, der die ehemalige »Polizeiglocke« bekommt, hatten sie sich durch Spenden gesichert.

Zu den Festrednern gehörten auch Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) und Dekan Michael Tönges-Braungart. Beide freuten sich, dabei sein zu können. Wernard stellte der Kirchengemeinde 25 000 Euro aus dem Stadtsäckel als Finanzierungshilfe in Aussicht. Der Dekan sagte, Kirchenglocken hätten unter anderem den Sinn, Momente der Unterbrechung zu schaffen. So signalisierten sie mit ihrem weit schallenden Klang Menschen, die es nicht in die Kirche geschafft hätten, dass es Zeit ist, für einen Moment innezuhalten.

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Pfarrerin Kerstin Steinmetz segnet die neuen Glocken und erläutert ihren geplanten Einsatz: Zu den hohen kirchlichen Festen sollen alle vier im Quartett geläutet werden, zu den normalen Gottesdiensten drei. © Red

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