Wie in Gonzenheim müssen in den kommenden beiden Jahren in zahlreichen evangelischen Kirchengemeinden im Hochtaunuskreis Pfarrstellen neu besetzt werden.
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Wie in Gonzenheim müssen in den kommenden beiden Jahren in zahlreichen evangelischen Kirchengemeinden im Hochtaunuskreis Pfarrstellen neu besetzt werden.

Kirchen im Taunus

Die schwierige Suche nach dem Personal

  • vonMatthias Pieren
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Fehlender Theologen-Nachwuchs und Kürzungen bereiten Kirchengemeinden Sorge

Hochtaunus -Wenn es nur so einfach wäre . . . Dann könnte man jungen Menschen in der beruflichen Orientierung das Berufsbild von Pfarrerinnen und Pfarrern - und damit das Studium der Theologie - als absolut zukunftssicher ans Herz legen. Eine Jobgarantie wäre - die persönliche Eignung vorausgesetzt - so gut wie sicher.

Doch es gibt schlichtweg zu wenige junge Menschen, die diesen Beruf ergreifen und vor allem leben wollen. Über mögliche Gründe, weshalb es aktuell so schwierig ist, ausreichend Fachkräfte für die Arbeit in den Gemeinden zu finden, soll hier nicht spekuliert werden. Tatsache ist: Der Mangel an Personal für Kanzel, Seelsorge und viele weitere Aufgaben innerhalb einer Kirchengemeinde bereitet den fast 40 evangelischen Kirchengemeinden des Hochtaunuskreises zunehmend Sorge.

Im Dekanat Hochtaunus, zu dem 32 Kirchengemeinden im Hochtaunuskreis gehören, sind derzeit einzelne Gemeinden bereits "pfarrerlos". Die Kirchenvorstände anderer Gemeinden werden sich bald auf die anspruchsvolle Personalsuche begeben müssen. Im Usinger Land ist zum Beispiel die halbe Pfarrstelle der Kirchengemeinde Rod am Berg seit bald drei Jahren nicht besetzt - wohl weil sie zuvor von einer 100-Prozent-Stelle auf eine halbe Stelle gestutzt wurde.

Manche Stellen schon lange unbesetzt

In Bad Homburg-Gonzenheim wurde die Nachfolgeregelung für den im Juni in Ruhestand gehenden Pfarrer Ulrich Bergner in der Woche vor Ostern bereits geklärt. Die zweite Pfarrstelle, eine 50-Prozent-Stelle, ist hingegen nach nunmehr einem Jahr immer noch nicht neu vergeben. In der Steinbacher St. Georgsgemeinde ist bereits seit geraumer Zeit die Stelle des ausgeschiedenen Pfarrer Werner Böck unbesetzt.

"Die Ausschreibung für diese 50-Prozent-Stelle neben Pfarrer Herbert Lüdtke ist abgeschlossen. Wir gehen davon aus, dass die Stelle bis zum Sommer besetzt sein wird", sagt Dekan Michael Tönges-Braungart. Und: "In der Christuskirchengemeinde in Bad Homburg wird Pfarrer Dr. Wilhelm Meng Mitte 2022 in Ruhestand gehen." Aufgrund der kleinen Gemeindegröße (aktuell 773 Mitglieder) wird diese Pfarrstelle in der Christuskirchengemeinde dann nur noch als halbe Stelle ausgeschrieben.

Ein ähnlich schmerzhafter Einschnitt wird bis Ende 2022 auf die Heilig-Geist-Gemeinde in Oberursel zukommen. "Aufgrund der sinkenden Mitgliederzahlen werden dort die derzeit 1,5 Pfarrstellen auf eine Pfarrstelle gekürzt", teilt der Dekan weiter mit.

Im Usinger Land wird Pfarrerin Beate Usener-Eichner im Sommer pensioniert. Die beiden derzeit eigenständigen Kirchengemeinden Hausen-Arnsbach und Westerfeld werden dann - wohl noch vor dem angestrebten Zusammenschluss - auch deren Nachfolge zu klären haben. Usener-Eichner leitete die Gemeinden bislang in Personalunion.

Zudem wird die Kirchengemeinde in Grävenwiesbach gleich beide Pfarrstellen neu ausschreiben müssen. Pfarrerin Iris Berg-Ebert geht ebenso wie ihr Pfarrer-Kollege Klaus Rüb in den kommenden zwölf Monaten in Pension. In der Evangelischen Landeskirche in Hessen beobachten alle Dekanate den Mitgliederschwund mit Sorge. Kontinuierlich müssen die Pfarrstellen in den jeweiligen Gemeinden neu bemessen und personell eventuell angepasst werden. Die genannte Stellenkürzung in der Heilig-Geist-Gemeinde im Oberurseler Norden ist ein gutes Beispiel. Erklärt werden kann die genannte Kürzung mit dem deutlichen Minus von 22 Prozent bei den Gemeindemitgliedern: 2013 waren es noch 2517, aktuell sind es nur noch 1965.

In der Kirchengemeinde Köppern wurde die Kürzung der einst eineinhalb Pfarrstellen auf nunmehr eine Stelle durch das Ausscheiden von Pfarrerin Ursula Buchberger ohne Probleme bereits im Oktober 2020 vollzogen. Eine überaus schwierige Aufgabe wird die Kirchengemeinde Merzhausen-Lauken (838 Mitglieder) zu lösen haben. Mit der anstehenden Pensionierung von Pfarrer Thomas Hessel in diesem Jahr wird auch diese Stelle halbiert. Im vergangenen Jahr wurde in der benachbarten Kirchengemeinde Weilnau (835 Mitglieder) die Pfarrstelle bereits auf 50 Prozent gekürzt. Denkbar wäre eine volle Pfarrstelle für beide Gemeinden.

In den nächsten Jahren werden viele Pfarrerinnen und Pfarrer pensioniert

Die Evangelische Landeskirche in Hessen und Nassau (EKHN) rechnet bis 2032 mit einer überproportional hohen Anzahl an Pensionierungen. "In der Vergangenheit wurden übermäßig viele Pfarrpersonen einer sogenannten Alterskohorte eingestellt", erläutert Jens-Markus Meier, Pressesprecher des Dekanats Hochtaunus die Gesamt-Situation in der EKHN.

Die zu erwartende Anzahl des "Theologennachwuchses" in diesem Zeitraum gleicht die Pensionierungen demnach nicht aus. Im Dekanat Kronberg will man aber keinesfalls mit einem Pfarrer-Pool für mehrere Gemeinden dem Pfarrermangel begegnen. "Unsere Maxime ist eine klare Zuordnung der Pfarrerinnen und Pfarrer in die jeweilige Gemeinde" sagt dazu Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp.

Auch für die Kirchengemeinden, in denen die erforderliche Mindestanzahl von etwa 1500 Gemeindemitgliedern für eine volle Pfarrstelle unterschritten werde, bemühe sich das Dekanat, mindestens eine halbe Pfarrstelle zu besetzen. "Jeder Christ soll wissen, zu welcher Kirchengemeinde sie oder er gehört und wer die eigene Pfarrerin oder sein Pfarrer ist."

Etwas entspannter, was die Situation der vakanten Pfarrstellen betrifft, sieht die Situation im Dekanat Kronberg (es erstreckt sich über den Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis) aus. In den sechs Hochtaunus-Gemeinden sind derzeit alle Pfarrstellen besetzt. Doch nach Angaben von Pressesprecherin Nora Hechler werden in absehbarer Zeit mit Katharina Stoodt-Neuschäfer (Königstein), Ina Petermann (Oberhöchstadt) und Hans-Joachim Hackel (Kronberg) gleich drei Pfarrerinnen und Pfarrer in Ruhestand gehen.

"Bis Ende 2024 muss eine halbe Stelle in der Kirchengemeinde Schönberg gekürzt werden", so die Pressesprecherin. Ziel der Landeskirche sei es, dass alle Pfarrstellen besetzt werden können. Das Problem innerhalb der Landeskirche sei nicht einmal die Finanzierung, sondern der fehlende Pfarrernachwuchs . Von Matthias Pieren

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