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»Die Stimme« zu Gast

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Mit einer faszinierenden Stimme gesegnet: Christian Brückner liest in Usingen Glossen von Umberto Eco. © Red

Usingen . Weltberühmt wurde Umberto Eco mit seinem Roman »Der Name der Rose«. Doch der italienische Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph und Medienwissenschaftler war auch ein exzellenter Beobachter, hat in zahlreichen Glossen mit scharfer Feder die Absurditäten des Alltags in all ihrer Komik beleuchtet. Kein geringerer als Deutschlands erfolgreichster Sprecher, der Schauspieler Christian Brückner und deutsche Stimme von Robert de Niro, bereitete den Besuchern in der Usinger Hugenottenkirche mit der Lesung von Ecos pointierten Texten viel Vergnügen, stimmte aber gleichermaßen nachdenklich.

Rosemarie Altenhofer vom künstlerischen Beirat des Kulturkreises Usinger Land hatte Brückner von Berlin nach Usingen geholt und wünschte den Besuchern, dass sie die Widrigkeiten in der Welt für eine Weile vergessen mögen. Sie versprach: »Christian Brückner verleiht mit seiner Stimme und besonderen Lesart Ecos weniger bekannte Glossen einen zusätzlichen Reiz.«

Glossen von Umberto Eco

Neugierig machte der Titel der Lesung »Wie man mit einem Lachs verreist«. Doch bis die Zuhörer erfuhren, wie es einem bei einem solchen zugegebenermaßen eher seltenen Vorhaben ergehen kann, las Brückner zunächst andere Kurztexte von Eco. Dessen satirische, (selbst-)ironische, und kritisch-hintergründige Beiträge wurden in den 1980er und 1990er Jahren in der Zeitung »Espresso« und einige auch in der »Zeit« veröffentlicht.

Mit einer banalen Situation, die jeder kennen dürfte, eröffnete Brückner die Lesung und skizzierte, »Wie man auf bekannte Gesichter reagiert«. Denn, so Ecos Erkenntnis: »Ein Gesicht am falschen Ort erzeugt Verwirrung.« Wenn es sich dann um einen bekannten Schauspieler handelt, werden das Imaginäre und das Reale, wie es die Massenmedien vermitteln, miteinander verwoben. Nahtlos war der Übergang zum nächsten Text. Der handelte davon »wie man mit Taxifahrern umgeht«, das kann in Italien, New York, Paris oder Deutschland sehr unterschiedlich sein. »Überall gibt es aber ein unfehlbares Mittel um einen Taxifahrer zu erkennen. Es ist immer derjenige, der nicht herausgeben kann.«

Verblüffende Überlegungen hatte Eco angestellt darüber, »wie man über Tiere spricht«. Zwei Kinder, die im Central Park in ein Wasserbecken gesprungen sind und von einem Bären gefressen wurden, waren aus seiner Sicht Opfer eines unglücklichen Bewusstseins. Sie wussten nicht, dass der Bär alles andere als ein niedliches Kuscheltier ist.

Mit man mit einem Lachs verreist…

Vom über etwas sprechen wechselte Brückner zum miteinander sprechen und einer schon absurden Situation. Wenn nämlich ein Fußballfan, weil sie aus Ecos Sicht alle so sind, darauf beharrt, dass sein Gesprächspartner im Zug auch ein Fußballfan ist, und genauso mit ihm spricht. Dabei nimmt er nicht zur Kenntnis, dass sein Gegenüber mit Fußball gar nichts am Hut hat, weil dieser nämlich Blockflöte spielt. Dann kam endlich die Auflösung, wie man einen Lachs auf Reisen im Hotelzimmer vor dem Verderb bewahrt. Dies ist nicht nur schier unmöglich, sondern treibt auch die Rechnung für alkoholische Getränke, die man, um Platz für den Lachs zu haben, immer wieder aus dem Hotelkühlschrank entfernt, in astronomische Höhen. Und die Kinder des Reisenden folgern dann daraus: »Er soll nicht soviel trinken.«

Leichte Kost war der Beitrag »Wie man im Flugzeug speist«. Die Serviette zu klein, statt kompakter gibt es schmutzige Speisen mit viel Soße, und viel zu häufig Erbsen. Diese sollte man mit der Gabel nicht aufpiksen sondern auflesen, bevor der Kaffee in der viel zu breiten Tasse serviert wird, weshalb das Getränk dann doch häufig im Schoß landet. Mit kritischem Augenzwinkern nahm Brückner mit Ecos Worten die Benutzer von Mobiltelefonen aufs Korn. Mobiltelefone können zwar unabdingbar sein aus beruflichen Gründen oder für Ehebrecher, können aber auch zum Machtsymbol werden, wenn man zeigen will, wie begehrt man ist.

Bloß nicht zu genau sein

Zum Abschluss gab Brückner Tipps, »wie man vermeidet, genau zu sein«. Das Wort »genau« ist ein Ausdruck der Zustimmung, doch es gibt jede Menge Alternativ-Bejahungen. Mit »Sie haben es getroffen« provozierte Brückner ein Unisono-«Genau« aus dem Publikum. Dem war nach gelungenen eineinhalb Stunden nichts mehr hinzuzufügen.

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