1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Die Taunusbahn der Zukunft

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

ualoka_AlstomProduktion2_4c
Eine der wuchtigen Brennstoffzellen auf dem Weg zur Montage. © Red

Hochtaunuskreis. Es ist die größte Brennstoffzellen-Flotte der Welt, die künftig auch über das Schienennetz des Taunus fahren soll: Der RMV orderte vor rund drei Jahren insgesamt 27 Züge des Typen Coradia-iLint, die mit Wasserstoff betrieben werden und so CO2-emissionsfrei sind. Zwei dieser klimafreundlichen Züge, die von Hersteller Alstom in einem Werk in Salzgitter montiert werden, sind bereits fertig und befinden sich nun im Zulassungsprozess.

Die aktuell im Bau befindlichen Züge werden ab Sommer im Weser-Elbe-Netz (nördlich Bremen) zum Einsatz kommen.

Ab 11. Dezember auf die Schiene

Wenn alles nach Plan läuft - und davon geht man bei Alstom und dem RMV derzeit aus - werden im Anschluss jene Züge gefertigt, die dann rechtzeitig zum Fahrplanwechsel 2022/2023 am 11. Dezember die in die Jahre gekommenen alten Taunusbahnen mit Dieselmotorantrieb (Baujahr 1992) ersetzen sollen.

»Wir reichen die Zulassungsunterlagen für die Züge im Taunus im März ein und gehen davon aus, dass wir im Juni die Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt erhalten«, sagt Dr. Christian Bieniek, Standortleiter des Alstom-Werkes Salzgitter im Gespräch mit dieser Zeitung. »Im März beginnt die Serienproduktion.«

Dann wird ein detailliert durchdachter und bereits gut eingespielter Produktions-Ablauf angestoßen, bei dem neben exakt geplanter Logistik vor allem auch ganz viel Erfahrung erforderlich sein wird. Letztere hat der französische Bahnkonzern wahrlich mehr als genug. Unter anderem wurden auch die aktuellen Triebfahrzeuge der Taunusbahnen vom Typ Coradia Lint41 in Salzgitter gefertigt. »Noch vor der Serienproduktion starten dann die ersten Schwertransporte von unserem Werk im polnischen Kattowitz mit den dort vorgefertigten Rohbauten des Wasserstoff-Zuges«, erläutert Bieniek. »Nach Ankunft im Werk Salzgitter werden die Wagenkästen vom Lkw gehoben und zur Montagehalle transportiert.«

In der Produktionshalle läuft die Fertigung von verschiedensten Baureihen auf sechs parallel verlegten Gleisen zeitgleich. Auf einem dieser Montage-Gleise wird dann bis auf Weiteres die Taunus-Flotte eingegleist.

Dieses Gleis ist in sechs Abschnitte unterteilt, auf dem dann jeweils ein »halbiertes Triebfahrzeug« etwa drei Tage verweilen wird. »In einem Abschnitt werden unter dem Wagenkasten Rohre verlegt, im anderen die Kabel-Landschaft verlegt und in einem weiteren Produktionsschritt die Brennstoffzellen und die Wasserstofftanks auf dem Dach montiert«, so der Standortleiter, der 2020 die Regie für das Werk in Salzgitter übernommen hat. »Zuletzt werden die Sitze eingebaut und es erfolgt der komplette Innenausbau.«

Ist eine Wagenhälfte des später zweigliedrigen Triebfahrzeuges in einem Abschnitt fertig, wird es eine Station weiter transportiert. Die komplette Fertigstellung eines Zugteils dauert in etwa 18 Tage, bis dieser dann am Ende des Gleises angekommen ist. Bis zu drei Züge - bestehend aus je zwei Doppelhälften, also sechs Wagenkästen - werden dort zeitgleich auf drei Montage-Ebenen von insgesamt rund 20 Fachkräften zusammengesetzt.

Brennstoffzellen auf dem Zugdach

Außerhalb der Halle angekommen, werden die Wagenkästen über eine Transferbrücke zur Zugbildung transportiert, wo die vormontierten Wagenkästen dann über Hebeböcke auf die Drehgestelle gesetzt, final eingestellt und montiert werden. Fertig montiert sind sie als Zugverband erstmals fahrtüchtig. In einer zweiten, eigens für die Wasserstoff-Zug-Produktion gebauten Halle erfolgt die sogenannte statische Inbetriebnahme mit elektrischen Tests und einem Check der Sicherheitstechnik. Die Wasserstoff-Tanks werden gespült, bevor sie erstmals betankt werden. »Das ist ein überaus wichtiger Moment in der Produktion, bei dem unsere Mitarbeiter einem klaren Prozedere und den Vorgaben einer fest vorgegebenen Checkliste folgen müssen«, so Bieniek. Im Anschluss erfolgt die dynamische Inbetriebnahme auf der werkseigenen, fast anderthalb Kilometer langen Teststrecke. Der klimafreundliche Zug hat also bereits eine lange Reise hinter sich, ehe er letztlich die erste Dienstfahrt im Taunus antritt.

Auch interessant

Kommentare