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Die Welle vor der Herbstwelle

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Schon jetzt hohe Corona-Belastung in Kliniken - Impfzentren bleiben bereit

Hochtaunus -Wie, du hattest die Seuche noch nicht? Verwunderte Blicke im Freundeskreis. Die Schockiertheit, mit der man zu Beginn der Corona-Pandemie die Nachricht aufnahm, dass sich ein naher Mensch mit Covid-19 angesteckt hatte, wandelte sich in Zurkenntnisnahme, und inzwischen ist man eher die Ausnahme, wenn man bisher davongekommen ist. Ein Thema ist Corona allerdings nach wie vor bei jedem Fest, jedem Zweiertreffen - betrifft es doch alle und ist die Gefahr längst nicht gebannt. Die Inzidenz ist seit Ende Mai am Steigen (siehe auch Box), und immer wieder werden neue Erkenntnisse zu Folgen der Erkrankung bekannt.

Während in Geschäften oder in Menschenmengen der Mund-Nasen-Schutz "out" zu sein scheint, füllen sich die Krankenhäuser derzeit wieder mit Covid-Patienten. Zwischen 18 und 22 Personen mit dem Virus lagen in den vergangenen Tagen gleichzeitig auf der Infektionsstation der Hochtaunus-Kliniken - eine "hohe Normalbelastung", wie Klinik-Geschäftsführerin Dr. Julia Hefty sagt. Zwar sind es nur Einzelne, denen es so schlecht geht, dass sie auf Intensiv behandelt, teils auch beatmet werden müssen. Doch auch die Patienten auf der Normalstation seien "ordentlich krank". Viele haben Symptome, die sie zunächst nicht mit Covid in Verbindung gebracht haben - neurologische etwa, und das äußerst variantenreich, wie Hefty berichtet: "Die Betroffenen klagen über Schwindel oder eine Halbseitenlähmung." Dass die Patienten um Luft ringen, komme nicht mehr so oft vor wie zu Beginn der Pandemie.

Viele Kranke

in Kliniken

Nicht selten haben Menschen auch keine Symptome, werden aus einem anderen Grund stationär aufgenommen, und beim Coronatest stellte sich heraus, dass sie zudem positiv sind. Das kann das gebrochene Bein sein, aber auch eine bevorstehende Niederkunft.

Somit tragen viele "Gesunde" draußen das Virus in sich und stecken unwissentlich andere damit an. Die derzeit grassierende Corona-Subvariante Omikron BA.5 ist hochansteckend. Seit gestern kosten Bürgertests in den Testzentren Geld, was vermutlich dazu führen wird, dass sich weniger Menschen "einfach mal so zur Sicherheit" vor einem Treffen testen lassen.

Viele Krankenhäuser beklagen gerade auch einen hohen Krankenstand bei ihrem Personal - auch die Hochtaunus-Kliniken. Hefty spricht von einem Personalnotstand. "Unsere Mitarbeiter stecken sich in hohem Maße mit Covid an." Für Ärztinnen und Pfleger gelte in der Regel nicht, dass sie, wie es ja theoretisch erlaubt ist, nach fünf Tagen wieder arbeiten kann. "Meist dauert es mindestens 10, oft 15 Tage, bis der Test negativ ist", erklärt die Klinik-Chefin. Erst dann darf die oder der betreffende Beschäftigte wieder "an den Patienten".

Gegen eine Ansteckung sind gerade die wenigsten gefeit: Denn bei den meisten liegt die dritte, die "Booster"-Impfung ein gutes halbes Jahr zurück. So sind laut Hefty unter den Coronapatienten auch solche, die drei Mal geimpft sind. "Und nun haben wir das Problem, dass viele über 70-Jährige bereits im Januar oder Februar ihre vierte Impfung erhalten haben und deren Wirkung allmählich nachlässt", merkt sie an. Also sind viele der Schwächsten der Gesellschaft nicht mehr ausreichend geschützt.

Die kreiseigenen Impfzentren haben bisher, Stand Donnerstag, 6246 Viert-impfungen verabreicht, die niedergelassenen Hausarztpraxen im Kreis weitere 5585 - wobei auch Menschen von außerhalb hier herkommen können. Für Menschen die 70 oder älter sind, wird diese erneute Auffrischung empfohlen.

Kreis rechnet mit

weiterer Welle

Die Impfzentren in Bad Homburg, Königstein und Usingen sind zwar nach wie vor offen - das will die Bundesregierung so -, aber, so Hefty, "bei weitem nicht ausgelastet". Pro Tag lassen sich derzeit zwischen 30 und 150 Personen einen Piks geben - in Spitzenzeiten waren das mehr als 3000 täglich. Besonders mau ist die Nachfrage in Usingen. Wer sich impfen lassen möchte, kann spontan ohne Terminvereinbarung hingehen (Näheres auf www.hochtaunus-kliniken.de/impfzentrum-hochtaunus). "Wir halten die Impfzentren auf Sparflamme offen und könnten von heute auf morgen wieder 3000 Impfungen pro Tag absolvieren", so die Klinikchefin. Im September wird mit einem neuen Impfstoff gerechnet, der auch vor Omikron schützen soll.

Auch für die mobilen Impfteams, die zum Beispiel von Pflegeheimen angefordert werden, gibt es zurzeit nicht viel zu tun. Sie werden auch in den Sommerferien unterwegs sein, wie die Klinikchefin ankündigt.

Auch im Gesundheitsamt des Kreises ist man alarmiert ob der steigenden Inzidenz und den hohen Fallzahlen. "Unter Berücksichtigung der rasant ansteigenden Zahlen in einigen europäischen Ländern ist es wahrscheinlich, dass auch uns eine weitere Corona-Welle erreichen wird", heißt es aus dem Landratsamt. Man sei entsprechend sensibilisiert und erarbeite auf Bundes- und Landesebene "Vorgehensweisen, um eine solche Welle zu bewältigen". Aktuell seien 51 Schüler in zwölf Einrichtungen als coronapositiv gemeldet - doch nicht alle Corona-bedingten Krankheitsfälle würden tatsächlich der Schule gemeldet. Deshalb könnten es auch mehr sein.

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