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Die Welt mit österlichen Augen sehen

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Anette Henrich und Sabine Heger vom Kirchenvorstand zeigen schon die neue Osterkerze. Pfarrerin Dr. Kornelia Weber wird zum ersten Mal den Osternachtgottesdienst zelebrieren, dessen Ablauf Wolfgang Eichner (von links) mit entwickelt hat. © Red

Neu-Anspach/Schmitten. Ostergottesdienste gibt es in jeder Gemeinde. Doch die Kirchengemeinde Rod am Berg feiert seit vielen Jahren das Ende der Passionszeit und die Auferstehung auf ganz besondere Weise. Anette Henrich vom Kirchenvorstand freut sich deshalb, dass nach zwei Jahren Corona in diesem Jahr wieder die traditionellen Gottesdiensten stattfinden dürfen.

Beginn ist mit dem Tischabendmahl am Gründonnerstag um 20 Uhr in der Kirche in Rod am Berg. Dort ist nicht nur der Abendmahlstisch gedeckt. »Auf dem Altar liegt dann auch die Dornenkrone«, so Henrich. Und die Gläubigen erhalten Zettel, auf denen sie ihre Ängste, Sorgen und Wünsche aufschreiben können. Die werden dann in einem geschlossenen Umschlag aufbewahrt. An Karfreitag finden Gottesdienste mit anschließendem Abendmahl statt, und zwar um 10 Uhr in Dorfweil und um 15 Uhr in Rod am Berg. In diesen Gottesdiensten schweigen die Glocken und auch die Orgel.

Außergewöhnlich ist dann die Dorfweiler Osternacht. Die Gemeinde trifft sich vor der Kirche um 6 Uhr, wenn es noch dunkel ist. »Wie die Frauen in der Ostergeschichte gehen wir am frühen Morgen gemeinsam zum Friedhof. Auf dem Weg zum Ort der Auferstehung beten wir ›Nimm den Stein weg‹ und bitten Gott, dass er uns den Weg zeigt«, so Henrich.

Gemeinsamer Gang zum Friedhof

Am Friedhof hört die Gemeinde dann angesichts des Todes Jesu die Botschaft von der Auferstehung aus dem Osterevangelium. Die anschließende Christuslitanei zeigt den Herrn als Licht der Welt auf. Im Licht des aufgehenden Ostermorgens werden Fackeln angezündet, die den Weg zur Kirche weisen. Unterwegs macht die Gemeinde Halt am Dorfbrunnen, wo das Wasser des Ostermorgens geschöpft wird. Diesen Brauch und das symbolische »Augenwaschen« hatte vor etlichen Jahren der ehemalige Pfarrer Wolfgang Eichner in den Ablauf der Osternacht aufgenommen. Beim Augenwaschen mit Weihwasser tauchen die Gläubigen ihre Finger in das Osterwasser ein und waschen sich die Augen, ganz nach dem christlichen Sinnbild: Die Menschen sehen nun die Welt mit österlichen Augen. Vor der Kirche wird dann in einem Feuerkorb das Osterfeuer entzündet und in ihm wird der verschlossene Umschlag vom Gründonnerstag verbrannt. Wenn auch die beiden Osterkerzen brennen, die vom Vorjahr und die neue für das Jahr 2022, beginnt die Lichtlitanei. Unterdessen hat Sabine Heger vom Kirchenvorstand schon das Gotteshaus in Weiß eingedeckt und mit Palmzweigen dekoriert. Unter dem Geläut der Glocken geleitet die Gemeinde das Licht der Osterkerze in die Kirche. Beim Einzug spielt zum ersten Osterlied auch wieder die Orgel. An Osterlob und Abendmahl schließt sich die Tauferinnerung an. Nach dem Segen geben sich die Gottesdienstbesucher gegenseitig das Osterlicht weiter. Zum Abschluss findet noch ein gemeinsames Osterfrühstück statt. Für Pfarrerin Dr. Kornelia Weber ist dieser für die Gemeinde traditionelle Osternachtgottesdienst neu. »Die Grundelemente sind gleich, aber jede Gemeinde begeht Ostern etwas anders. Vor allem der Gang zum Friedhof wird eher selten praktiziert«, sagt sie, aber auch, dass sie sich schon auf Ostern freut.

Im Gemeindebrief hat Weber geschrieben: »Jesus als österlicher Gärtner befähigt und bekräftigt uns zum Dienst an Gottes Schöpfung.« Diese Botschaft will sie weitergeben. Ein weiterer Ostergottesdienst mit Abendmahl findet um 10 Uhr in der Kirche in Rod am Berg statt.

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