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»Die Wildkatze ist im Aufwind«

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Susanne Steib, Katrin Willkomm und Dr. Georg Mittelbach (von links) hatten bei ihren Vorträgen zum Nassauischen Naturkundetag jeweils das Usinger Land im Visier. FOTO: SALTENBERGER © Red

Usingen-Eschbach (fms). Der Nassauische Verein für Naturkunde hatte sich für seinen Naturkundetag thematisch das Usinger Land vorgenommen und sich für die drei Vorträge, moderiert vom Vereinsvorsitzenden Dr. Helmut Arnold, in der Gaststätte »Eschbacher Katz« eingenistet.

Der Usinger Stadtteil ist vor allem durch seine Klippen bekannt, und die waren auch Gegenstand des ersten Fachvortrags. Dr. Georg Mittelbach sprach über die »Geologie und Hydrogeologie im Raum Usingen« und umriss die Herausforderung, sich auf das Wesentliche zu beschränken, aber auch das aktuelle Thema der Wasserknappheit anzusprechen: »300 Millionen Jahre in 30 Minuten.«

Tonschiefer sei das im Hintertaunus vorherrschende Gestein, dessen Charakteristikum seine Schichten und seine Spaltbarkeit ist. Durch Druck komme es in den Schichtungen zu Brüchen und Klüftungen, in die Wasser eindringen könne, in dem Metalle und Mineralien gelöst sind.

»Mehr Brunnen gehen nicht«

Das waren die Voraussetzung, dass sich im Usinger Land einst Bergbau lohnte und sich der Quarzgang bei Eschbach mit seinen markanten Felsen, dem Buchstein und Saienstein bilden konnte. Von diesen Gängen gibt es weitere im Taunus, die parallel zueinander verlaufen, was Mittelbach auf einer Karte zeigte.

»Mehr Brunnen gehen nicht«, erklärte er zu den zahlreichen, ebenfalls eingezeichnete Tiefbrunnen entlang der Gänge und Grundwasserleiter. Aus der Beschaffenheit des Steins und der Grundwasserneubildung resultiert die Ergiebigkeit. »Entscheidend ist, wie viel es im Herbst und Winter regnet«, so der Referent. Neben den Tiefbrunnen im Festgestein gibt es noch Quellen und Schürfungen, die andere Grundwasserleiter erschließen, die aber noch stärker von der Neubildung abhängig sind. Der lokal begrenzten Menge an eigenem Wasser stehe der steigende Verbrauch gegenüber. Mittelbach regte an, alte Anlagen zur Gewinnung von Brauchwasser zu reaktivieren. Die Klippen und ihr Umfeld sahen sich die Teilnehmer des Naturkundetages übrigens auf einer geologisch-botanischen Exkursion am Nachmittag an.

Die Katze spielt in der Geschichte des Usinger Stadtteils eine süffisante Rolle, sollen die listigen Eschbacher dem Landesfürsten doch einst einen Katzen- statt eines Hasenbratens vorgesetzt haben. Ob es sich dabei um eine Wildkatze handelt, lässt die Überlieferung offen, aber ihr wurde bereits in der alten Zeit mit Fallen, Spießen und Hunden nachgestellt, sodass sie vor 100 Jahren fast ausgestorben war. Aber: »Die Wildkatze ist im Aufwind«, lautete die Botschaft von Expertin Susanne Steib vom BUND Hessen, die über das Monitoring der wiedererstarkten Population referierte, die sich von Südwesten her in den waldreichen Mittelgebirgen ausbreitet.

Wildkatze: Zwölf Mäuse pro Tag

Wildkatzen, die sich anhand einiger Merkmale gut von der Hauskatze unterscheiden lassen, bestreichen große Reviere, treffen sich als Einzelgänger nur zur Paarung, jagen von den Waldrändern aus und fangen pro Tag etwa zwölf Mäuse. Straßen sind für die Tiere allerdings Barrieren, weshalb Querungshilfen und grüne Korridore für ihre Verbreitung wichtig sind, hieß es.

In einem dritten Vortrag stellte Katrin Willkomm die Ergebnisse einer Taunus-Flora-Kartierung für Usingen und Umgebung vor. Die Rasterfeld-Kartierung zog sich über 25 Jahre und konnte 1706 Arten, Unterarten und Hybriden verzeichnen. Als wertvolle Waldtypen stellte sie die Buchenwälder, den Eichen-Hainbuchen-Wald, die Erlen-Sumpfwälder, den Bach begleitenden Auenwald sowie den anthropogenen Niederwald vor.

Über eine Drittel der Pflanzenarten haben ihr Hauptvorkommen im Grünland, während intensiv genutztes Agrarland und Fichtenwälder strukturarm seien. Das Usinger Land, so ihre Zusammenfassung, sei reich an Biotopen. Es gelte aber, artenreiches Grünland zu schützen und strukturreiche Wälder zu schaffen.

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