1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Die Wunden im Wald des Taunus werden größer

Erstellt:

Von: Thomas Kopp

Kommentare

ualoka_wald_sturm_phk_02_4c
Auf dem Taunushauptkamm entlang des Limes-Erlebnisweges liegen die vom Sturm am vorvergangenen Wochenende umgeworfenen Bäume kreuz und quer. © Red

Dem Wald im Taunus geht es seit Jahren schlecht. Die Stürme der vergangenen Woche haben da ihr Übriges getan. Besonders schlimm ist die Situation in höheren Lagen.

Hochtaunuskreis. Schon die Prognosen hatten nichts Gutes erahnen lassen. Die Ankündigung der Orkanstürme Mitte Februar hatte die Verantwortlichen in den Forstämtern von Hessen Forst sowie in den Stadtförstereien in Alarmbereitschaft versetzt. Zurecht. Die drei aufeinanderfolgenden Sturmtiefs Xandra, Ylenia und Zeynep, die im kurzen Abstand von Westen und Nordwesten kommend auf den Taunus prallten, haben dem Wald nach den bestehenden Narben der jüngsten Dürresommer weitere Wunden zugefügt.

»Wir hatten gehofft, dass wir nach den Schäden durch das Fichtensterben infolge des Borkenkäferbefalls die Schäden einigermaßen im Griff haben«, sagt der Leiter des Forstamtes Königstein (Hessen Forst) Sebastian Gräf. »Das war leider eine Illusion. Durch die neuen Sturmschäden bleibt unsere Belastung weiterhin extrem hoch.«

Im gesamten Forstamtsbezirk, zu dem auch Wälder des Main-Taunus-Kreises zählen, seien zusammen 15 000 Festmeter (FM) Holz vom Sturm geworfenen worden. Alleine auf die Feldberg-Reviere Billtalhöhe, Schmitten und Brombach in den Hochlagen des Taunus entfallen 10 000 FM.

Pflege der Bestände muss wegen Aufräumarbeiten warten

Um diese Zahl einordnen zu können, beziffert Gräf den in den Waldwirtschaftsplan seines Forstamtsbezirkes geplanten gesamten Holzeinschlag von 100 000 FM pro Jahr. »Gerade in den West- und Nordwest-Lagen des Taunushauptkamms, und dort vor allem in den Beständen, die durch das weitflächige Fichtensterben bereits angerissen waren, gibt es weitere Sturmschäden.«

Trotz der enormen, wegen des Fichtensterbens notwendig gewordenen Fällungen, stehen im Staatswald der drei Revierförstereien rund um den Feldberg dennoch weiterhin rund 800 000 bis eine Million Festmeter Fichten.

Nach den vergangenen Extremjahren hätte nun eigentlich die Pflege der Bestände angestanden, die noch nicht von Dürreschäden, Kahlschlägen und Wiederaufforstungen betroffen waren. »Das müssen wir nun nochmals zurückstellen«, bedauert Gräf. Immerhin: »Im von uns betreuten Staatswald im Vordertaunus sowie in den Beständen der Revierförstereien Glashütten, Königstein, Kronberg und Friedrichsdorf gab es lediglich einzelne ›Nesterwürfe‹ im Umfang von wenigen hundert Festmetern.«

Schäden in den vom Forstamt Weilrod betreuten Flächen sind weniger schlimm

Auch die Stadt Bad Homburg vermeldet für ihren Stadtwald vereinzelt umgeworfene Bäume, die über das gesamte Revier vom Hardtwald bis zum Sandplacken verteilt lägen. »Betroffen sind alle Baumarten«, teilt Stadtsprecher Marc Kolbe mit. »Wir müssen die Sturmschäden so rasch wie möglich beseitigen, damit der Borkenkäfer keine erneuten Brutstätten findet.«

Ganz so schlimm wie in den Hochlagen des Taunus sind die Schäden in den vom Forstamt Weilrod betreuten und bewirtschafteten Reviere Weilrod, Grävenwiesbach und Wehrheim derweil nicht. »Die Intensität der Stürme hatten bei uns nicht die Stärke, wie rund um den Feldberg«, teilt Uwe Neun vom Forstamt Weilrod mit. »Leider sind aber vor allem die beim notwendigen Kahlschlag stehen gelassenen Einzelstämme eingemischter Baumarten betroffen.«

Eigentlich hätten diese Kiefern, Lärchen und Douglasien sowie Laubbäume auf den Freiflächen eine Beschattung der Flächen übernehmen sollen. Auch seien diese als Samenbäume für die künftige Naturverjüngung dieser Baumarten stehen gelassen worden. Am meisten betroffen sei die Gemeinde Weilrod. Insgesamt sind nach seinen Schätzungen in diesen drei Revieren 10 000 FM Holz angefallen.

Aber: »Leider zeigt uns die Erfahrung, dass die ersten Schätzungen immer übertroffen wurden, weil viele Waldgebiete erst nach geraumer Zeit zugänglich gemacht werden können, die Wege können nicht alle gleichzeitig geöffnet werden.«

»Das Blödeste, was einem Forstbetrieb passieren konnte«

Auch die in Eigenregie betriebenen beiden Stadtförstereien im Usinger Land vermelden zum Teil hohe Schäden. »Insgesamt sind den Stürmen über 1000 Festmeter (FM) Holz zum Opfer gefallen«, teilt Neu-Anspacher Stadtförster Christoph Waehlert mit. Die größten Verluste vermeldet er bei den Douglasien (450 FM), Fichte (250 FM), Lärche (200 FM), Kiefer (80 FM). Der Rest verteile sich auf Eiche und Buche.

»Die Verteilung der Schäden ist sonderbar, weil sich diese über den gesamten Stadtwald ausgedehnt haben«, erklärt der Förster. »Das heißt fast in jeder Abteilung sind Bäume umgestürzt.« Besonders bitter ist für ihn der größte Flächenwurf in einem Douglasien-Bestand, der erst 2020 als Saatgutbestand anerkannt worden ist.

»Da sich die Schäden über den gesamten Wald erstrecken, wird es bis in den Sommer hinein dauern, bis alle Sturm- und Nesterwürfe fachgerecht aufgearbeitet sind. Wir sind mit den Kapazitäten und den personellen Ressourcen an der Grenze. Die extreme Belastung wird die kommenden Monate andauern.«

Usingens Stadtförster Karl-Matthias Groß vermeldet den Verlust von rund 2500 Bäumen aller Arten, der sich über den gesamten Stadtwald verteile. »Das war das Blödeste, was einem Forstbetrieb in der aktuellen Lage passieren konnte. Die Wälder haben durch die vielen Freiflächen viele Angriffsflächen bekommen. Auf den in den Vorjahren entstandenen Freiflächen haben wir bewusst die tiefer wurzelnden Bäume stehenlassen, die nicht vom Fichtenborkenkäfer befallen wurden«, sagt der Forstmann. »Die oberflächliche Nässe hat die Bäume jetzt anfälliger für Windböen gemacht.

Auch interessant

Kommentare