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"Dieterchens Weg" und der "Sommer der Puppen"

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Prof. Dietrich Ratzke signiert sein Buch für Bettina und Harald Schmitt. © Mai

Buchhandlung der Kirchengemeinde Wehrheim und Weltladen stellen interessante Lesestoff vor

Wehrheim -Familiengeschichten sind Zeitgeschichte. "Schon deshalb lohnt es sich, eine Biografie zu schreiben", ermunterte Professor Dietrich Ratzke die rund 40 Besucher im evangelischen Gemeindehaus. Die Buchhandlung der Kirchengemeinde und der Weltladen hatten zum zweiten Mal zu einer Lesung und Buchvorstellung eingeladen, und nicht nur Ratzke fand, dass diese Veranstaltung eine Bereicherung für die Kulturszene ist. Er lebt seit 50 Jahren in Wehrheim und hat es vom Flüchtlingsjungen aus Danzig zum Chef vom Dienst und Generalbevollmächtigten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gebracht. Der Autor erzählt in "Dieterchens Weg", wie viel Mut und Unterstützung vor allem seiner Mutter, aber auch Glück er hatte, um diesen an kaum einer Stelle geraden Weg durch die Wirtschaftswunderjahre zu gehen. Er ist damit nur ein Beispiel für viele Menschen, die die Chancen, aber auch die Herausforderungen dieser Zeit genutzt haben.

Sich an Ereignisse der Vergangenheit zu erinnern, sei schwierig, so Ratzke. Zu vieles sei in dieser Zeit geschehen. Aber es sei gut, sich im Alter - er ist 83 - zurück zu erinnern. Allerdings suchten dabei auch die negativen Erinnerungen ihren Weg. Als Journalist sei er es gewohnt, gut zu recherchieren, so dass auch Ereignisse, die im Dunklen lagen, zutage getreten seien.

"Serge", das zweite von den Literatur-Kennerinnen Anita Djafari und Monika Wendler vorgestellte Buch der Autorin Yasmina Reza, ist zwar auch eine Familien-Geschichte, aber einer ganz anderen Art - und gewöhnungsbedürftig, wie Djafari zugab. "Wer bereit ist, sich auf die Autorin einzulassen, wird es nicht bereuen." In "Serge" lässt die Autorin dessen Bruder Jean von drei Geschwistern, zu denen auch noch Nana, die Jüngste gehört, erzählen. Die jüdisch-ungarische Herkunft war nie ein Thema in der Familie und die Geschwister entfremden sich nach dem Tod der Mutter immer mehr.

Yasmina Reza erzählt in eigenwilligen Dialogen und mit bösartigem Humor eine "Kuddelmuddelkiste", wie Djafari den Plot nannte, von der Suche nach den Wurzeln, die nicht alle wirklich finden möchten. Mit einer gemeinsamen Reise nach Auschwitz zwingt eine Enkelin die Geschwister, Zeit miteinander zu verbringen, und es entstehen für die Autorin typische Dialoge, auf die sich der Leser einlassen muss.

Als "leicht erzählte Feierabend-Lektüre", bezeichnete Anita Djafari das Buch von Monika Held: "Der Sommer der Puppen". Dennoch taucht es ebenfalls tief in die Geheimnisse einer früheren Generation ein. Und startet mit einer Reise, welche die Protagonistin Pia eher widerwillig unternimmt. Sie folgt dem Hilferuf ihrer erkrankten Mutter, in der ausgebuchten Sommerzeit deren Pension an der Nordseeküste zu führen. Dabei entdeckt sie ihre Mutter, zu der sie bis dahin kaum Kontakt hatte, und deren Geschichte neu. Bisher ungestellte Fragen finden eine Antwort. "Das Buch zeigt, dass es sich lohnt, inneren Widerstand zu überwinden. Wer das schafft wird belohnt", so Djafari. Die nächste Buchvorstellung und Lesung findet am Donnerstag, 6. Oktober, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus statt. mai

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