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Engagieren sich im und für den Diskussionskreis Taunus, einem Verein "von Frauen, für Frauen": Marina Vaupel, Kathrin Metzner und Birgit Eschholz (von links).

Taunusregion

Seit mehr als 50 Jahren engagieren sich im Diskussionskreis Taunus Frauen für Frauen

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Seit 1968 engagieren sich Frauen in der Taunusregion im Diskussionskreis Taunus. 1200 sind es mittlerweile - und es werden immer mehr. Was sie diskutieren? Alles! Denn die Plattform "von Frauen für Frauen" ist ein unglaubliches Netzwerk zur Förderung nicht nur von Bildung, sondern auch von Völkerverständigung und bürgerschaftlichem Engagement.

Hochtaunus - Frauen und Männer ticken einfach anders - und deswegen funktioniert die Sache mit der Kommunikation auch nicht immer. Tatsächlich liegt vieles an der unterschiedlichen Wahrnehmung von Mann und Frau - und nicht daran, dass, sehr salopp gesagt, Mann auf Durchzug schaltet oder Frau zickig ist. Eine, die sich mit dieser Thematik auskennt, ist die Expertin für Beziehungsfragen, Marina Vaupel. Die systemische Therapeutin coacht seit vielen Jahren Männer, Frauen und Familien. Und mitunter lässt sie auch einen Kreis interessierter Frauen bei sich daheim im Wohnzimmer von ihren Erkenntnissen profitieren. Vaupel ist Mitglied im Diskussionskreis Taunus (DT) Bad Homburg, einem Frauenverein, mehr noch, sie ist seit einem halben Jahr dessen Vorsitzende.

Vortrag im Wohnzimmer

Über 1200 Mitglieder hat der 1986 gegründete Verein, der neben der Ortsgruppe Bad Homburg auch die Ortsgruppe Königstein umfasst, inzwischen (siehe Zum Thema). Und, wie der Name schon sagt: Diskutieren ist Programm. Allerdings in ungewöhnlichem Rahmen. Denn der Großteil der Veranstaltungen findet in den Wohnungen und Häusern der Mitglieder statt. So wie Vaupels Diskussionsrunde nach ihrem Vortrag über die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Mann und Frau. "Bei uns Mitglied zu sein, bedeutet nicht nur, die Vielzahl an Aktivitäten und Vorträgen zu konsumieren, sondern auch selbst dafür zu sorgen, dass sie zustande kommen", sagt Birgit Eschholz, Präsidentin der DT-Gruppe Königstein. Und weil eben so viele Frauen aus so vielen Berufsgruppen und auch von so vielen verschiedenen Nationalitäten Teil des Vereins seien, käme da auch viel zusammen: Referate aus den Bereichen Gesundheit und Geschichte, Zeitgeschehen und Astrologie, Literatur und Kunst, Fotografie und Architektur - die Liste ist schier endlos, sagt Kathrin Metzner, Mitglied im DT Bad Homburg. Die Frauen referierten, wenn es sich um ihre eigenen Fachgebiete handelt, selbst in ihren Wohnzimmern oder organisierten Referenten. Auch die über Kontakte. Vaupel zum Beispiel hat einen Cousin, der Soziologieprofessor ist, der demnächst über Künstliche Intelligenz sprechen wird.

Backen fürs Altenheim

Eschholz wiederum hat eine Gesangslehrerin, die sie einmal zu einer "Starry Night" - es handelt sich hierbei um astronomisch-musikalische Interpretationen der Werke von van Gogh - mitgenommen hat, von der Eschholz so begeistert war, dass sie ihren DT-Kolleginnen dieses Erlebnis unbedingt zuteil werden lassen wollte. Nach langer Planung wird es Ende Oktober eine "Starry Night" für den DT geben. Für die ein Wohnzimmer allerdings nicht ausreichend wäre. Weswegen die Veranstaltung denn auch in der Stadthalle Kronberg stattfindet.

Für solche besonderen Events greifen die Damen dann auf die Mitgliedskasse zurück, aus der heraus solche Veranstaltungen bezahlt werden. 100 Euro pro Jahr beträgt die Mitgliedsgebühr.

Weil die Frauen aber eben einen Großteil der Vorträge, Referate, Ausflüge und Treffen selbst und übers eigene Netzwerk unentgeltlich organisieren, bleibt eben auch Geld für solche besonderen Events - und auch, um sich sozial zu engagieren. So unterstützen die DT-Frauen unter anderem die Arche-Kinderbetreuungseinrichtung in Frankfurt und Dialyse-Patienten im Clementine-Kinderhospital in Frankfurt. Dabei geht es aber um mehr als "nur" ums Geldgeben. Die DTlerinnen fungieren in Teilen nämlich selbst als Hausaufgabenbetreuerinnen und Vorleserinnen auf der Dialysestation. Und eines machen sie auch noch: Sie backen jede Woche Kuchen für das Altenheim St. Raphael in Königstein.

Wer sich für eine Mitgliedschaft im DT interessiert, wendet sich schriftlich an den Verein: stv-vorsitzende-hg@diskussionskreis-taunus.de

von Sabine Münstermann

INFO

Im September 1947 erging demnach in Bad Homburg ein erster Aufruf zur Konstituierung einer weiblichen Interessenvertretung, aus der dann 1949 der Deutsche Frauenring entstand, heißt es auf der Homepage des Diskussionskreises Taunus. 1967 wurde Erika Altwein im Ortsring Bad Homburg dessen zweite Vorsitzende. Ihr Wunsch war es, durch zeitbezogene Themen, Beschäftigung mit aktueller Literatur und durch soziales Engagement den Verein auch für junge Mitglieder interessant zu gestalten. Durch private Kontakte zu Amerikanerinnen, die im Hochtaunuskreis wohnten, lernte sie die Organisation der "Junior League" aus den USA kennen. Die Grundidee der "Junior League", junge Frauen durch Kontakte und gemeinsame Aktivitäten aus der häuslichen Isolation zu führen, setzte sie durch Gründung einer Gruppe für deutsche und ausländische Mitbürgerinnen im Frauenverein um. Das neue Konzept basierte auf den Säulen Internationale Kontakte, aktuelle Themen und einem Aufnahmealter bis 45 Jahre. Am 24. Oktober 1968 fand dazu ein erstes Treffen statt. Diese neue Gruppe nannte der Frauenring: "Diskussionskreis junger Frauen". Die Idee von Erika Altwein fand sehr schnell großen Anklang, und zwar nicht nur in Bad Homburg, sondern parallel auch in Königstein. Ein Verein im Verein entstand. Um aber Probleme innerhalb der Vereinsstruktur des Frauenrings zu vermeiden, entschloss sich Erika Altwein, mit den jungen Frauen einen eigenständigen Verein zu gründen. Der "Diskussionskreis Taunus" war geboren. red

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