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Drei Mal Spannung

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Gunnar Graf (von links), Monika Wendler und Anita Djafari, hier beim Start der neuen Lesungsreihe, stellen gemeinsam regelmäßig Bücher vor und lesen Passagen daraus. © Ingrid Schmah-Albert

Wehrheim (sai). Das Interesse an der Auftaktveranstaltung zur neuen Büchervorstellungs- und Lesungsreihe der evangelischen Buchhandlung in Kooperation des Weltladens war am Mittwochabend groß, ist aber sicherlich noch ausbaufähig - zumindest von den Besucherzahlen her. Das Orga-Team um Monika Wendler, Gunnar Graf und Anita Djafari, die auch die Lesung übernommen hatten, zeigte sich zufrieden mit dem Start - und das Publikum war fasziniert von der Art der Lesung.

Denn es war keine Autorenlesung wie man es sonst kennt, sondern eine Lesungs-Reihe mit Buchvorstellungen aus jeweils drei ganz unterschiedlichen Büchern. Sehr lebendig, unterhaltsam und abwechslungsreich, weil die Passagen abwechselnd von Djafari und Graf vorgelesen wurden. Vor allem aber auch, weil die jeweilige Vorstellung des Buches, gespickt mit vielen Hintergrundinformationen zu Inhalt, Thema, Handlung und Protagonisten die Zuhörerschaft »mitnahm«.

Geradezu bedrückend aktuell

Wie geradezu bedrückend aktuell manche Bücher waren, zeigte sich gleich beim ersten Buch »Hundepark« der preisgekrönten finnischen Autorin Sofi Oksanen. Sie beschreibt die unmenschliche Behandlung der ukrainischen Frauen, die sich aus Hoffnung auf eine bessere Zukunft in einem »westlichen« Land für eine der unzähligen Heiratsagenturen auf den »Brautmarkt« werfen oder sich aus purer Geldnot als Leihmütter verdingen. Es handle sich um eine richtige Fruchtbarkeitsindustrie, bei der die jungen Frauen ihre Eizellen und ihre Gebärmütter zur Leih-Austragung von Babys zur Verfügung stellten, berichtete Djafari von den tatsächlichen Umständen in der Ukraine vor dem Krieg dort. Seit in Thailand und China solche Leihmutterschaften verboten wurden, habe die Ukraine einen weiteren Nachfrageschub erlebt, zumal hier »weiße« Babys zur Welt gebracht werden, wie Djafari ebenfalls anmerkte.

Nun seit Kriegsbeginn seien wieder die Frauen mit ihren Babys, an denen sie keinerlei Rechte haben, die Leidtragenden, weil die inzwischen geborenen Babys nicht abgeholt werden könnten oder bei einer Flucht der Leihmutter mit dem Neugeborenen zum Beispiel nach Polen, das Baby einen polnischen Pass erhalte und somit die Übergabe und die Rechte an die Auftraggeber-Eltern nahezu unmöglich wird.

»Als wir vor Weihnachten die Bücherauswahl getroffen hatten, konnten wir nicht im Geringsten ahnen, dass tatsächlich die Ukraine überfallen werden würde. Zwischenzeitlich waren wir skeptisch, ob wir dieses Buch angesichts des Kriegs überhaupt vorstellen sollten, doch nun sind wir froh, dass wir es gemacht haben, denn es ist jetzt noch wichtiger geworden, den Blick auf die ausbeuterischen Zustände und die Situation der ukrainischen Frauen zu lenken«, so Wendler gegenüber dieser Zeitung.

Auch die beiden anderen Büchervorstellungen kamen sehr gut an. »Nach Mitternacht« von Irmgard Keun gehört zu der Reihe »Frankfurt liest ein Buch - 2. bis 15. Mai«. Die Autorin schildert durch die Augen ihrer Erzählerin 48 Stunden des Alltags im nationalsozialistischen Deutschland, in Frankfurt 1936.

Ebenfalls in die Zeit zu Beginn des Nationalsozialismus führt das Buch »Februar 33«, das als Sachbuch ausgewiesen ist, von Autor Uwe Wittstock aber eher wie Erzählungen wirken, die die Ereignisse und Atmosphäre dieser Zeit beschreiben.

Bis unter die Haut

Sehr eindringlich und mit etlichen Hintergrundinformationen versehen, ließen Djafari, Wendler und Graf die Protagonisten und die in den Bücherpassagen beschriebenen Inhalte vor dem geistigen Auge der Zuhörerschaft lebendig werden und machten somit große Lust, diese vorgestellten Bücher selbst lesen zu wollen.

Damit war ein wichtiger Aspekt der neuen Lesungsreihe erfüllt, denn mit dem neuen regelmäßigen Angebot (einmal im Quartal) möchte das Team den Menschen eine kleine Auswahl an besonderer Literatur auch außerhalb der üblichen Bestsellerlisten näherbringen, die sowohl einen thematisch aktuellen Bezug haben als auch einen besonderen gesellschaftlichen Aspekt behandeln oder auch »nur« Freude und Bereicherung schenken.

Der nächste Termin der Buchvorstellung findet am 7. Juli, 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus statt.

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