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Ein Brauchtum lodert wieder auf

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Die Schaulustigen gingen auf Abstand, sonst wurde es heiß am Rod am Berger Osterfeuer. © Saltenberger

Neu-Anspach/Rod am Berg (fms). Zum ersten Mal nach dreijähriger Corona-Pause begrüßte der Vorsitzende der Rod am Berger Freiwilligen Feuerwehr Matthias Weber die Besucher zum Osterfeuer. Eigentlich Fachleute fürs Feuerlöschen, zündeln die Brandbekämpfer auch selbst gerne einmal, zumindest im Dienste der Tradition.

Das geschah auch diesmal in unmittelbarer Nähe des Feuerwehrgerätehauses, wo am Feldrand eine Pyramide aus Holzscheiten, Brettern und Paletten aufgetürmt war. Von der Aprilsonne bereits gut vorgewärmt und ausgetrocknet, loderten, nachdem der erste Rauchschwall abgezogen war, die Flammen schnell auf, und wer jetzt noch zu nah am brennenden Haufen stand, der ging auch schnell auf Abstand.

Nützlich wärmend oder vernichtend, das Feuer ist eines der vier Elemente und nach der griechischen Mythologie wurde es von Prometheus den Menschen geschenkt, nachdem dieser es den Göttern gestohlen hatte. Ein unschätzbares Geschenk, das zu beherrschen kulturellen Fortschritt erst möglich machte.

In die komplexe Symbolik des Osterbrauchtums ist auch das Feuer eingegangen, hatte aber bereits in vorchristlicher Zeit rituelle Bedeutung, beispielsweise als Opferfeuer, um göttliche Naturmächte gnädig zu stimmen. Der antike Mythos des Phönix, der sich aus der Asche und dem Ei zu neuem Leben erhebt, ist ein Symbol der Unsterblichkeit und Wiedergeburt, was in der christlichen Religion dem Sinnbild der Auferstehung entspricht.

Das Feuer und das Ei sind daher Symbole für Tod und Geburt und als solche in die Osterbräuche eingegangen.

So wird auch das Osterfeuer der Rod am Berger Feuerwehr kirchlich begleitet und noch vor der Zündung des Stapels ein Gottesdienst gefeiert. Auf dem Hof vor dem Gerätehaus war zu diesem Zweck ein Altar aufgebaut, aber da das Spektakel so gut besucht war und die Menschen sich zwischen den Einsatzfahrzeugen drängten, stieg Pfarrerin Konny Weber kurzerhand mit dem Kreuz auf das Dach eines Löschfahrzeugs und zelebrierte dort sitzend den Gottesdienst und erhob sich mit ausgebreiteten Armen zum abschließenden Segen.

Hilfe für die Ukraine-Hilfe

Danach wurde das Feuer entfacht, ein Spektakel, das die meisten aus sicherer Entfernung betrachteten und nicht nur aus sicherer Entfernung, sondern viele auch mit einer Bratwurst im Brötchen oder einem Glas in der Hand. Das Essen und Trinken diente zudem einem guten Zweck, denn der Erlös kommt der Ukraine-Hilfe zugute.

Unter den Gästen waren auch viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, die in Neu-Anspach Aufnahme gefunden haben, auch in Rod am Berg, so im vakanten Pfarrhaus. So mag auch das Osterfeuer ein wenig als Symbol der Hoffnung und des Wiederaufbaus und des Anfangs gedeutet werden, wenn die Waffen nur endlich zum Schweigen gebracht worden sind.

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