1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Ein Hauch von Hollywood

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

ualoka_weilrod_jonnycash_4c
Film ab: Bernd Thielemann (hinten, von links). Willi Schwerdhöfer, Tanja Guckes, Dieter H. Krewer, und Reinhard Dehn vom Musiktheater »nurCash« haben ihr Stück verfilmt und hoffen jetzt auf den ersten Live-Auftritt nach über zweijähriger Corona-Pause. Gabi Schmid (vorne) bedient die Klappe, um die Einstellungen für die späterer Bearbeitung zu kennzeichnen. © Red

Weilrod-Riedelbach. Johnny Cash und seine Begleitband »Tennessee Three« steigen nacheinander aus dem Bus, bereit für ihren Auftritt. Erwartet werden sie von Kamerafrau und Reporter mit Mikro. Die Szene spielt sich aber nicht in Nashville oder sonst wo auf der Welt ab, wo das Publikum schon sehnsüchtig wartet, sondern in Riedelbach.

Im Februar wäre Country-Ikone Johnny Cash 90 Jahre alt geworden. Spätestens jetzt wird es Zeit, dass auch das heimische Musiktheater »nurCash« endlich wieder einmal sein Stück mit Songs von Johnny Cash und Szenen zur Zeitgeschichte aus den USA zwischen 1955 und 2003 auf die Bühne bringt. Nach der gelungenen Premiere von »Mr. President - I walk the line« im November 2019 im Landgasthof Saalburg war für mehr als zwei lange Jahre Auftrittspause wegen der Pandemie.

Das bereits ausgebuchte Konzert im Rosenhang-Museum in Weilburg wurde zweimal verschoben und findet jetzt am 23. und 24. Juni statt. Zwischenzeitlich hatte das Ensemble etwas den Glauben an Auftritte verloren und beschlossen, das Stück zu verfilmen. Ein gestreamtes Live-Konzert aus dem Museum wäre zu schwierig gewesen. Derzeit laufen die Dreharbeiten im und um den Probenraum und verleihen Riedelbach einen Hauch von Hollywood.

Original-Zitaten der Zeitgeschichte

Trotz der pandemiebedingten insgesamt halbjährigen Probenpause, und obwohl ein Teil der Besetzung gewechselt hat, ist das fünfköpfige Ensemble bestens vorbereitet. Gitarrist und Sänger Dieter Krewer ist wegen seiner optischen und stimmlichen Ähnlichkeit mit Johnny Cash die Rolle der Country-Legende auf den Leib geschrieben. Sängerin Tanja Guckes stellt Cashs Ehefrau June Carter dar, übersetzt die Songtexte ins Deutsche und ist für die Moderation zuständig.

Drehbuchschreiber, Regisseur und Gitarrist Reinhard Dehn sowie Bassist Bernd Thielemann, der direkt nach der Uraufführung neu eingestiegen ist, melden sich im Wechsel mit Original-Zitaten aus Reden und Presseerklärungen der US-Präsidenten zu Wort, die während Cashs Schaffenszeit im Amt waren. Und dann ist da noch Schlagzeuger Willi Schwerdhöfer, der erst seit etwas über einem Jahr dabei ist, und Ausschnitte zur Zeitgeschichte aus der »New York Times« vorliest.

»Es dürfte kaum ein Stück geben, dass so oft geprobt wurde«, ist sich Dehn sicher. Außerdem habe die Gruppe die auftrittsfreie Zeit genutzt um ihre Show und einzelne Songs weiterzuentwickeln. Abweichend von den Originalen ist Tanja Guckes in mehr Lieder eingebunden. Die Musik von Cash und die Botschaften seiner Songs sowie die Kommentare der Präsidenten sind beinahe zeitlos.

Persönlicher Kontakt

Keiner weiß das so gut wie Krewer, der die Country-Legende in Amerika zweimal live erlebt hat und einmal auch mit ihm in dessen Haus in Hendersonville, unweit von Nashville im südlichen US-Bundesstaat Tennessee gesprochen hat.

Obwohl am weitesten vom Original entfernt, geht die Version von »Drive on«, die die Musiker von »nurCash« einstudiert haben, unter die Haut. Wenn dann Dehn aus einem Telefonat zwischen Präsident Richard Nixon und Außenminister Henry Kissinger zitiert, dass Nixon die Menschen in Vietnam egal sind, sieht man Bilder des aktuellen Kriegs in der Ukraine vor Augen.

Eingebaut ist auch eine von Ronald Reagan überlieferte Tonprobe bei offenem Mikrofon. Am 11. August 1984 verkündete der Präsident: »Liebe Amerikaner, es ist mir ein Vergnügen, Ihnen heute mitzuteilen, dass ich ein Gesetz unterzeichnet habe, das Russland für vogelfrei erklärt. Wir beginnen mit der Bombardierung in fünf Minuten.«

Rund zwei Stunden dauert die Zeitreise von »nurCash«, die gerade verfilmt wird. Die Ensemblemitglieder hoffen, dass die DVD in Countryclubs gezeigt wird und wollen sie auch an das Johnny-Cash-Museum in Nashville schicken. Eine Kurzversion wollen sie darüber hinaus nutzen, um für Engagements für ihr Bühnenstück die Werbetrommel zu rühren. Karten für den Auftritt in der Event-Location Rosenhang in Weilburg kann man zum Preis von 24 Euro per E-Mail an nur-cash@mail.de bestellen. Sie sind auch im Museum an der Kasse erhältlich. Bereits 2019 gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.

Auch interessant

Kommentare