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Ein Instrument, das alle anderen ersetzen kann

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Akkordeonspieler Alexandre Bytchkov begeistert rund 65 Zuhörer in Altweilnau mit seiner Darbietung. © Sabine Neugebauer

Weilrod-Altweilnau (sng). Orgelgewaltig ertönte am späten Sonntagnachmittag die Toccata und Fuge in d-Moll von Johann Sebastian Bach in der evangelischen Kirche von Altweilnau. Doch es war kein Orgelspieler am Werk, sondern Akkordeonvirtuose Alexandre Bytchkov. Auf Einladung des Kultur- und Förderkreises Burg Altweilnau (KFK) war der in St. Petersburg geborene, seit langem in Mainz lebende Musiker in den Taunus gekommen, um sein Können zu zeigen.

Erlös geht an die Ukraine-Hilfe

Das wollten sich 65 Zuhörer nicht entgehen lassen. Und sie wurden mit einer außergewöhnlichen Darbietung belohnt. Dazu begrüßte sie der Vereinsvorsitzende Ulrich Graf, für den es erst sein zweites Konzert in seiner Amtszeit war. Er erläuterte auch, dass sich der Vereinsvorstand Gedanken darüber gemacht habe, in dieser Zeit das Konzert eines russischen Künstlers zu veranstalten. Aber da Bytchkovs Frau Ukrainerin sei, deren Familie noch in der Ukraine lebe, habe es außer Frage gestanden. Mit diesem Hintergrund kündigte Graf auch an, die Einnahmen aus diesem Konzert der Ukraine-Hilfe zu spenden. Hierbei wurde zusätzlich zu den Eintrittsgeldern gespendet, sodass schließlich ein Betrag von 900 Euro zusammenkam.

Bytchkov zitierte in seiner Begrüßung Bob Dylan, der einmal gesagt habe, das Akkordeon sei das einzige Instrument, das in der Lage sei, alle anderen Instrumente zu ersetzen. Und diesen Beweis trat der mehrfache Preisträger an. »Wenn man die Augen zu macht, könnte man meinen, da spielt ein ganzes Orchester«, sagte auch Sabine Preußer vom KFK.

Dies kam insbesondere bei den klassischen Stücken zum Tragen, wie bei der Toccata und Vivaldis Concerto Grosso in d-Moll, bei dem man fast die Streicher hören konnte. Dazwischen hatte Bytchkov eine reiche Auswahl an Stücken aus verschiedenen Zeiten und unterschiedlichen Musikrichtungen mitgebracht. Mit dem Stück »Die Jagd« interpretierte er fröhlich und leicht, mit den Pferden galoppierend, einen Zeitgenossen Bachs, Domenico Scarlatti. Etwas schwermütig kam anschließend das Stück »Da eilt die Postkutsche« daher, die Bearbeitung eines alten russischen Lieds durch Yuri Peschkov. Abschied, Aufbruch und fröhliche Ankunft wurden thematisiert. Nach der Romanze von Georgy Sviridov, die tänzerisch daherkam, aber auch die Schwermut bis hin zur Hoffnungslosigkeit durchblicken ließ, wechselte Bytchkov vom Akkordeon mit Konverter zum »normalen« Akkordeon. Die »Zitternden Blätter« vom finnischen Komponisten Paul Norrback wippten mit den Köpfen und Füßen der Zuhörer im Dreivierteltakt.

Zwei leidenschaftliche Tangos und das bekannte »Über den Wolken« von Reinhard Mey mit kleineren musikalischen Einsprengseln leiteten über zu »Tico tico« von Zequinha de Abreu, bei dem der Akkordeonist seine Finger nur so über Tasten und Knöpfe fliegen ließ. »Was wäre ein Akkordeonkonzert ohne französische Musik«, schmunzelte der Dozent am Peter-Cornelius-Konservatorium, Mainz, und intonierte »Shocking Valse« von Claude Thomain. Und bei »Für mich solls rote Rosen regnen« von Hans Hammerschmid summten viele der Zuhörer mit.

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