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Ein König auf dem OP-Tisch

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In den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg hatte man sich auf den prominenten Patienten eingestellt. © Red

Bad Homburg. Es wirkt sanft, wenn Fallschirmspringer nach dem Flug wieder Kontakt zur Erde aufnehmen. Auf Dauer belastet der Aufprall aber gehörig die Wirbelsäule. Jordaniens König Abdullah II. hat während seines Dienstes in einer Eliteeinheit der Armee viele Sprünge absolviert. Jetzt waren seine Rückenschmerzen so stark geworden, dass ihm sein behandelnder Arzt geraten hat, sich unters Messer zu legen - in Bad Homburg.

Der Arzt des 60-Jährigen war vor zehn Jahren mal Schüler des Wirbelsäulen-Spezialisten Dr. Daniel Rosenthal gewesen. Rosenthal und seine von der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft zertifizierte Neurochirurgische Praxisgemeinschaft auf dem hiesigen Klinik-Campus haben Belegbetten in den Hochtaunus-Kliniken, wo der royale Patient im vergangenen Monat behandelt wurde.

»Der König hatte Probleme mit der Brustwirbelsäule - das ist genau mein Spezialgebiet«, erklärt Rosenthal. Das Fallschirmspringen sei - anders, als in verschiedenen Medien schon zu lesen war - nur einer der Faktoren gewesen. Der Homburger Mediziner wandte bei dem royalen Rücken eine OP-Technik im Schlüssellochverfahren an, mit der er seit 25 Jahren schon vielen Menschen an den Hochtaunus-Kliniken geholfen habe, wie er sagt. Bei solchen OPs kann unter anderem eine Bandscheibe herausgenommen und der betreffende Teil der Wirbelsäule versteift werden.

Komplette Station abgeriegelt

König Abdullah litt zwar unter einem Allerwelts-Gebrechen, sein Aufenthalt im Krankenhaus war aber kein gewöhnlicher. Wegen der Sicherheitsanforderungen bekam der prominente Gast eine ganze Station für sich und seine Begleitung - Leibarzt und viel Security. »Da kam uns zupass, dass in der Klinik gerade eine Station im Haus umzog und ohnehin leer war«, berichtet Rosenthal.

Eine der vier Suiten, die die Klinik für solvente Patienten vorhält (siehe Info-Box), habe sich aus Platz- und Sicherheitsgründen für den Jordanier nicht angeboten. Die Station im zweiten Stock hingegen konnte nach außen komplett abgeriegelt werden. Nur das Pflegepersonal durfte rein - das klinikeigene, weil es die entsprechende Fachkenntnis hat.

Zuvor dürften sich noch die Sprengstoff-Spürhunde durch die Räume geschnuppert haben - das ist laut Klinik-Chefin Dr. Julia Hefty bei solch hochrangigen Patienten üblich. Und auch, dass die Krankenkost von den Sicherheitsleuten geprüft werde - das Essen des Taunus-Menüservices dürfte Abdullah also eher nicht auf dem Teller gehabt haben. Feldberg-Blick hatte der Gast aus Jordanien allerdings nicht - die Security bevorzugte einen Raum mit möglichst wenig Zugang von außen.

Die OP am 12. April sei gut verlaufen, erklärt Neurochirurg Rosenthal. An Karfreitag wurde der Patient entlassen; er blieb noch ein paar Nächte in einem edlen Frankfurter Hotel, bevor er wieder nach Hause flog.

Einen Tag zur Vorbereitung

Der Jordanier war nicht der erste prominente Patient in den Hochtaunus-Kliniken, erzählt Hefty, die aber keine Namen nennen möchte. Auch Rosenthal beruft sich auf die ärztliche Schweigepflicht, berichtet aber, schon einige bekanntere Personen »aus Europa und Russland« auf dem OP-Tisch gehabt zu haben.

Das »Steigenberger«-Hotel hatte ebenfalls mit dem König und seiner Entourage Kontakt. Abdullah war mit dem Privatjet aus der jordanischen Hauptstadt Amman nach Frankfurt geflogen. Vom Flughafen ging es nach Bad Homburg auf die Promenade - die Limousinendichte vorm Hotel war nicht unbemerkt geblieben.

Die 15 Herren - Abdullah und sein engster Stab - bewohnten jeder allein ein geräumiges Zimmer - zwölf Suiten und drei Juniorsuiten hat das erste Haus am Platz. »Der König hatte Blick auf die schöne Häuserfront der Promenade«, sagt Hoteldirektor Michael Kain. Tag und Nacht habe jemand das Zimmer des Königs bewacht. Im Frühstücksraum waren er und seine Begleiter nicht anzutreffen: Gespeist wurde oben; Butler und Koch waren aus Jordanien ohnehin mit angereist.

Das »Steigenberger« hatte erst einen Tag vor Abdullahs Ankunft vom Besuch des Herrschers erfahren. Er war der erste Prominente für die Edel-Herberge seit Beginn der Corona-Krise. Auch Kaiserin Sisi von Österreich stieg mal in »Ritters Parkhotel« ab, wie es damals noch hieß, und später natürlich Rock’n’Roll-Legende Elvis Presley.

Zuletzt weilten 2004 sechs Prinzessinnen und Prinzen aus dem saudi-arabischen Königshaus in der Nobel-Herberge - sie hatten eine ganze Etage gemietet, sollen mit 300 Koffern gekommen und mit 400 wieder abgeflogen sein, hieß es damals. Sie besuchten die Kurklinik Dr. Baumstark und das Wellnesscenter »Kur Royal« - wo sie sich ganz europäisch gegeben haben sollen.

Konnten sich vor 100 Jahren vor allem Könige (Rama V. von Thailand, King Edward VII. von Großbritannien) und betuchte Briten oder Russen eine Kur in Bad Homburg leisten, so sind es heute auch Menschen aus der Mittelschicht, erzählt Kurdirektor Holger Reuter. Die Kurstadt wirbt für sich auf Gesundheitsmessen in aller Welt, in vielen Ländern gibt es Vermittler. Über das Medical Network Rhein-Main wird der ganze Raum Frankfurt beworben - und viele der dort vernetzten Mediziner sitzen in Bad Homburg.

»Wir sind medizinisch breit aufgestellt«, sagt Reuter. Die moderne Klinik mit angeschlossenem Ärztezentrum und dem Neuroneum, »das Schlaganfallpatienten mit einem revolutionären System behandelt«, dann die vier Kurkliniken, die alle Indikationen von der Orthopädie bis zur Psychosomatik (»leider ein großer Zukunftsmarkt«) abdecken. Manche Araber ließen sich auch wegen Adipositas (Fettsucht) behandeln.

Corona hat dem Medizintourismus allerdings einen Dämpfer verpasst, und der Markt mit Russland sei »zum Erliegen gekommen«, berichtet der Bad Homburger Kurdirektor. Aber er hat eine chinesische Mitarbeiterin, die künftig wieder ihre Fühler ausstrecken wird. Und sollte der jordanische König mit seiner operierten Wirbelsäule Reha-Bedarf haben, »so hätten wir für ihn auch das passende Angebot«.

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Abdullah II. bin al-Hussein König von Jordanien © DPA Deutsche Presseagentur

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