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Ein Ort zum Trauern um ein Tier

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Bürgermeister Götz Esser (vorn, von links) und CremPet-Geschäftsführer Adrian Schmitt führen gemeinsam mit Revierförster Michael Knebel (hinten, von links) und Hauptamtsleiter Jürgen Baum vor Ort im "Harmoniewald" letzte Abstimmungsgespräche. © SCHNEIDER

Weg für Vorzeigeprojekt Harmoniewald ist frei - Letzte Gespräche

Weilrod -Deutschlands erste Waldbestattungsanlage für kremierte Haustiere kann in Betrieb gehen. Die Weilroder Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause einstimmig den Vertragsentwurf und die Satzung, mit der sich die Gemeinde und das Usinger Tierkrematorium CremPet auf den Betrieb des etwa eineinhalb Hektar großen Waldtierfriedhofs geeinigt hatten, verabschiedet. Damit ist der Weg für dieses Vorzeigeprojekt frei. Wenn die Satzung veröffentlicht ist, was in den nächsten Tagen der Fall sein wird, steht der ersten Bestattung eines verstorbenen Haustiers durch seine Besitzer nichts mehr im Wege.

Zu letzten Abstimmungsgesprächen haben sich Bürgermeister Götz Esser (FWG) und der Geschäftsführer von CremPet, Adrian Schmitt, gemeinsam mit Revierförster Michael Knebel und Hauptamtsleiter Jürgen Baum im Wald bei Mauloff getroffen. Der neue Tierfriedhof liegt unterhalb der Rennstraße an der Verbindungsstraße zwischen Mauloff und der B 275 rechts in Richtung Mauloff, schräg gegenüber des Aussiedlerhofes Seel. In Kürze werden Hinweisschilder aufgestellt.

Als Begräbnisstätten stehen 150 Bäume zur Verfügung, 50 von ihnen sind alte Eichen, 100 wurden nach der Rodung der von Borkenkäfern befallenen Bäume nachgepflanzt. Auch sie stehen bereits als Bestattungsbäume zur Verfügung, worin Esser und Schmitt einen besonderen Charme sehen. Bäume würden so nach dem Tod eines Tieres zum Symbol neuen Lebens. Auch sehr charmant: Teil des etwa als "Acht" verlaufenden Wegesystems ist der "Streunerweg". Hier können Tierliebhaber, die keine eigene Urnenbestattung für ihr Tier unter einem Baum wünschen, die Asche des Vierbeiners zerstreuen, und: "Wir übernehmen für die regionalen Tierärzte die Kremierung eingeschläferter Tiere. Auch denen bereiten wir durch das Ausstreuen der Asche am Streunerweg einen würdigen Abschied, und die Eigentümer haben einen Ort zum Trauern", sagt Schmitt. Das Zerstreuen der zu Staub zermahlenen Asche sei vollkommen unschädlich für die Natur, "das ist alles organisches Material", sagt Schmitt.

Bestattet werden die Tiere in leicht verrottbaren Urnen. Das Asche-Volumen für einen Hund mittlerer Größe, etwa einem Retriever, liege bei rund eineinhalb Litern.

Pachtvertrag

über mehrere Jahre

In der Urnenbestattung, die der Idee der Waldbestattung im Friedwald entspricht, liegt der grundlegende Unterschied des Harmoniewaldes zu normalen Tierfriedhöfen, auf denen die kompletten Körper der Tiere bestattet werden. Die Urnen werden in Löchern zu Füßen der Bäume etwa zwei Spaten tief bestattet und verrotten binnen längstens eines Jahres. An die verstorbenen Tiere erinnert nur ein kleines Schildchen am Baum mit dem Namen.

Im Eingangsbereich wird es, wiederum ähnlich dem Friedwald für Menschen bei Altweilnau, einen Andachtsplatz geben, außerdem einen Wegeplan mit den Nummern der Bestattungsbäume, unter denen bis zu vier Urnen Platz finden. Die Tierbesitzer schließen mit CremPet einen Pachtvertrag für die Grabstätte über zunächst einige Jahre ab, der aber auch verlängert werden kann.

Bürgermeister Götz Esser, der die Idee für den "Harmoniewald" hatte, fand in dem Usinger Tierkrematorium spontan und begeisterten Zuspruch. "Für Weilrod ist es ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, dessen Prinzip wir uns als Marke haben schützen lassen", sagte er. Darüber hinaus könnte es den Tourismus und das Gastronomiegeschäft fördern, dann wenn die Hinterbliebenen der bestatteten Tiere ihre Lieblinge posthum besuchen oder andere Kommunen ihrem Interesse an einer solchen Waldbestattungsanlage nachgehen.

Für Adrian Schmitt und CremPet ist es in erster Linie ein positiver Imagefaktor, der auch auf der Homepage des Unternehmens beworben werden soll. "Zurück zur Natur" sei die damit verfolgte Haltung. Schmitt äußerte Esser gegenüber Anerkennung für sein Durchhaltevermögen. Bei CremPet habe er zwar offene Türen eingerannt, aber nach außen hin nicht weniger als acht verschiedene Behörden ins Boot holen müssen.

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