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Ein Paradies für die Vogelwelt

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Dr. Moritz Leps (rechts) erläutert während der Vogelführung im Hessenpark anhand einer Attrappe den Lebensraum des Buchfinken im ländlichen Raum. © Red

Neu-Anspach (evk). Seit Tagen trällern die Vögel besonders intensiv und zeigen, wie schön der Frühling klingt. Doch wer weiß, welcher Piepmatz zu hören ist und welche Arten gerade zu sehen sind? Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause war Dr. Moritz Leps mit einer Gruppe von Naturfreunden im Freilichtmuseum Hessenpark zur Vogelstimmenführung unterwegs.

»Eigentlich hört man die meisten Vögel früh am Morgen, die ersten fangen um 5 Uhr an zu singen«, erläuterte der Ehrenamtler. »Wir halten uns aber an die Öffnungszeiten im Museum.« Für Vogelstimmen-Neulinge habe das den Vorteil, dass nicht zu viele unterschiedliche Stimmen gleichzeitig erklingen und man sich auf bestimmte Arten konzentrieren könne. Dafür müssten sich Vogelbeobachter mit Störgeräuschen auseinandersetzen.

An Menschen schon gewöhnt

Der Besucherverkehr im Park störe die Vogelwelt jedoch nicht, beantwortete der Experte eine Frage aus der Runde der 20 Teilnehmer. »Arten, die sich hier ansiedeln, sind an die Anwesenheit des Menschen gewöhnt.« Störempfindliche Vögel finde man hier genauso wenig wie in Siedlungsräumen. »Der Hessenpark ist ein Paradies für die klassische Vogelwelt der Dörfer und landwirtschaftlich geprägten Landschaften.« Es gebe zahlreiche Nistplätze. Die Futterbedingungen seien gut, weil im Museum Ackerbau und Viehhaltung biologisch ausgerichtet sind. Außerdem gebe es Teiche und Bäche.

Verschiedene Lebensräume geben im Hessenpark vielen Arten ein Zuhause. »Wenn ein Vogel auf einem First sitzt, ist das ein Hinweis dafür, dass er ein Gebäudebrüter ist«, so der Fachmann. Auf einem Scheunendach in der Baugruppe Mittelhessen zeigte sich der Hausrotschwanz. Der stimmte auch seinen besonders schönen Gesang an. Weil er nur mit Fernglas gut zu erkennen war, zeigte Leps ihn in einem Bestimmungsbuch und erläuterte die Unterschiede zu Gartenrotschwanz und Rotkehlchen.

Nur zu hören, aber nicht zu sehen, war der unscheinbare Zilpzalp. Von ihm hatte Leps ein Holzmodell dabei. Und die Teilnehmer lernten, welche anderen Arten nach ihren Lautäußerungen benannt werden: Kuckuck, Krähe, Rabe, Rebhuhn und auch der Buchfink. Letzterer ruft sein typisches »Pink, pink«, hat aber einen anderen Gesang, der trotz seiner markanten Strophe nur schwer herauszuhören war.

Und was ist der Unterschied zwischen dem Ruf und dem Gesang der Vögel? Beide dienen der Kommunikation. Einfache Rufe sind das ganze Jahr zu hören; darüber nehmen die Tiere Kontakt auf oder warnen sich. Während der Brutzeit im Frühjahr aber balzen die Männchen um ein Weibchen, markieren ihr Revier und verteidigen das Nest.

Der Buchfink ist laut Leps der häufigste Brutvogel in Deutschland. Aber alle Teilnehmer der Führung kannten auch die beiden häufigsten bei uns beheimateten Meisenarten. In der Obstwiese hinter der Kirche aus Kohlgrund turnten die kleineren Blaumeisen in den Zweigen herum.

Gesang bis in die Abendstunden

Aus dem Verborgenen rief eine Kohlmeise einer anderen ihr typisches »Zizibe« zu. Vom Dach eines Reetdaches meldete sich unterdessen der Haussperling als klassischer Kulturfolger mit seinem Tschilpen. Der verwandte Feldsperling ist laut Leps inzwischen nur noch selten anzutreffen.

Sogar einen Gimpel, auch Dompfaff genannt, bekamen die Naturfreunde kurz zu Gesicht, außerdem etliche Stieglitze. Der gut getarnte, aber häufige Baumläufer war den meisten nicht bekannt. Lautstark trällerte der kleine Zaunkönig sein Lied. Und trotz der späten Stunde war auch noch die Amsel zu hören und Mönchsgrasmücke, Wacholderdrossel und Star gaben sich ein Stelldichein.

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