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Biogemüse-Verkäufer Erwin verkauft jede Woche für ?Querbeet? Ware auf dem Waisenhausplatz ? egal bei welchem Wetter.

Minusgrade

Marktbeschicker und Handwerker wappnen sich gegen die kalten Temperaturen

Die aktuellen Minusgrade stellen die Arbeit vieler Berufszweige auf eine harte Probe. Gerade Handwerkern und Gemüsehändlern macht die Kälte zu schaffen. Doch auch Friedhofsgärtner haben derzeit Probleme bei der Ausübung ihrer Tätigkeit.

Ein Heizlüfter rauscht in der Ecke des Zelts und hält die klirrende Kälte von draußen fern. Große Gucklöcher in den Zeltplanen geben den Blick auf die von Frost bedeckte Straße frei. Was nach einem gemütlichen Campingausflug im Winter klingt, ist die Szenerie, die sich derzeit auf dem Homburger Wochenmarkt abspielt. Die Lüfter laufen auch nicht etwa (nur) für die fröstelnden Kunden – sondern für die Ware. „Vor allem Südfrüchte müssen geschützt werden, sonst sind die hin“, erklärt ein Verkäufer am Obst- und Gemüsestand von Querbeet, den alle nur Erwin nennen. Der Reichelsheimer Anbieter verkauft dienstags und freitags seine regionale Bio-Ware auf dem Waisenhausplatz.

So wie die Gemüsehändler auf dem Wochenmarkt haben es auch viele andere Berufszweige derzeit nicht leicht. Die Kältewelle schränkt vor allem Handwerker in der Ausübung ihrer Arbeit stark ein. Denn wenn draußen eisige Temperaturen herrschen, können sie sich meist nicht in ein beheiztes Büro retten. Die 1600 Bauarbeiter im Hochtaunuskreis haben daher derzeit einen buchstäblich frostigen Job.

Unfallgefahr steigt

Die Gewerkschaft IG BAU rät daher Maurern oder Dachdeckern, den entsprechenden Arbeitsschutz für den Winter ernst zu nehmen. „Dunkelheit auf der Baustelle, rutschiger Gerüstbelag, Schneetreiben auf dem Dach – in der kalten Jahreszeit steigt die Unfallgefahr“, sagt der zuständige Bezirksvorsitzende Karl-Otto Waas. Er sieht ein erhöhtes Risiko durch die aktuell hohe Auftragslage. „Wer unter Termindruck arbeitet, bei dem kommt der Arbeitsschutz oft zu kurz. Das kann fatale Folgen haben“, warnt Waas.

Für ihn ist daher klar: Gerade Handwerker, die bei den eisigen Temperaturen auf Gerüsten arbeiten, müssen sich gut gegen Kälte, Schnee und Eis schützen. Außer warmer und wasserabweisender Kleidung seien hier vor allem Sicherheitsschuhe mit gutem Profil, Thermo-Handschuhe und eine Wintermütze unter dem Helm ein Muss.

„Es gibt definitiv Einschränkungen durch das Wetter“, sagt auch eine Mitarbeiterin der Bad Homburger Dachdeckerfirma Löw AG. „Zurzeit fahren die Handwerker morgens oft auf die Baustelle und merken dann, dass die geplante Arbeit gar nicht möglich ist.“ Viele Materialien könnten erst ab fünf Grad Plus verarbeitet werden. Zudem seien die Dächer oft gefroren. „Notfälle, die nicht warten können, werden dann natürlich trotzdem bearbeitet“, berichtet die Löw-Mitarbeiterin. Dafür müssten die Dachfläche aufwendig enteist und das Wasser abgesaugt werden. Gegen die Kälte behelfen sich die Handwerker zwischendurch mit Tee, zudem hat der Firmen-Lkw eine Standheizung, mit der sich die Mitarbeiter immer mal aufwärmen.

Bohrer auf dem Friedhof

Für Handwerker, die an der frischen Luft tätig sind, gibt es die Option „winterfrei“. Dafür sammeln die Arbeiter über das Jahr bis zu 150 Überstunden an, um diese Zeit dann in den extrem kalten Tagen des Winters abzufeiern. Zudem bekommen sie ein sogenanntes „Schlechtwettergeld“.

Auch auf dem Friedhof ist die Arbeit derzeit schwierig. Die Laubarbeiten sind kaum möglich, da die Blätter am Boden festgefroren sind. Ein zentrales Problem zeigt sich jedoch beim Aushub von Gräbern. „Gerade Graburnen sind derzeit schwierig, weil das relativ kleine Löcher sind und der Boden gefroren ist“, sagt Dieter Baier, Abteilungsleiter des Betriebshofs. Für die 70 Zentimeter tiefen Grablöcher kommt dann ein Erdbohrer zum Einsatz. Obwohl die Arbeit auf dem Friedhof durch das eisige Wetter schwieriger und langwieriger ist, konnte bisher trotzdem jede Bestattung stattfinden.

Gemüsehändler Erwin von Querbeet sieht die Wetterlage derzeit noch gelassen. „Sechs bis acht Grad minus gehen noch. Ab minus fünf Grad wird es schwierig, auch für die Kunden“, sagt der Verkäufer. Salat zum Beispiel gefriere wegen seiner Feuchte oft beim anschließenden Marktbummel nach dem Einkauf in der Tüte, erzählt er. Erst ab minus acht Grad bleiben die Verkäufer von Querbeet mit ihrem Stand zu Hause.

von MARAH NAUMANN

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