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Der Oberhof ist ein beliebter Anziehungspunkt für Menschen jeden Alters.

Eine starke Gemeinschaft

Nach Jahren der Planung steht das Wohnprojekt Oberhof nun in den Startlöchern. Dabei hatte es lange Zeit gar nicht gut ausgesehen um das Vorhaben. Doch wie ist die Resonanz der Menschen? Wird das Projekt von ihnen mehrheitlich unterstützt? Zum traditionellen „Engelsgeflüster“ am 1. Advent begab sich diese Zeitung auf Stimmenfang.

Der Besuch in der ehemaligen Staatsdomäne am 1. Adventssonntag hat in Ober-Erlenbach Tradition. Ob ein kurzer Ausflug mit den Kindern, ein Treffpunkt für Freunde und Bekannte oder das einfache Genießen eines heißen Apfelweins: Der Oberhof verbindet die Einheimischen. Aber ist da nicht noch mehr? Fast hat es den Anschein, dass der Oberhof jedes Jahr neu zum Leben erweckt wird. Seit acht Jahren schon sind sich die Verantwortlichen einig, dass es nicht bei diesem einen Begegnungstag bleiben soll.

Der Verein Lebensraum Oberhof rief das Mehrgenerationen-Wohnprojekt ins Leben, die Genossenschaft unterstützt das Vorhaben tatkräftig. Welchen Rückhalt das Projekt bei den Ober-Erlenbachern genießt, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Genossenschaft, Hans-Georg Preißl: „Allein heute beim Engelsgeflüster kamen sieben oder acht Anfragen an mich wegen einer Wohnung. Die Liste der Interessenten ist in den letzten sechs Jahren auf beinahe 50 gestiegen, und da ist noch lange kein Ende in Sicht.“ Dies zeige eindrucksvoll, wie groß die Liebe der Menschen zu ihrem Ort sei. Preißl: „Die Ober-Erlenbacher versuchen, den Hof am Leben zu erhalten. Mir selbst ist es ebenso wichtig, mich für den Ort einzusetzen.“

Doch nicht nur Einheimische seien an dem Projekt und einer Wohnung dort interessiert, sagt Architektin Antje Riedl. „Ich komme ursprünglich aus Frankfurt, und dort vermissen die Leute Mehrgenerationen-Projekte. Hier kommen die Generationen in Kontakt, die Jüngeren helfen den Älteren und umgekehrt.“ Neben der Stadtbücherei entstünden ein Jugendzentrum, eine Diakonie, eine Arztpraxis, eine Volkshochschule und eine Arbeiterwohlfahrt. „Das ist in der Form einmalig, und wir sind froh, unser Vorhaben endlich in die Tat umsetzen zu dürfen. Wir sind schon auf der Suche nach geeignetem Grund, um das Projekt möglicherweise zu wiederholen, aber natürlich widmen wir uns voll und ganz diesem hier“, sagt Riedl.

Mit welchen Schwierigkeiten der Verein Lebensraum Oberhof zu Beginn zu kämpfen hatte, erzählt die Vorsitzende Helga Gruber: „Als wir vor acht Jahren angefangen haben, hielten es die meisten Leute für ein Hirngespinst. Man glaubte nicht an uns. Viele Hürden wie den Denkmalschutz haben wir bewältigt.“ Es habe auch eine Zeit gegeben, da sei sie kurz davor gewesen, „alles hinzuschmeißen“, sagt Gruber. „Ich bin schon über 70, und das alles kostet wirklich sehr viel Kraft.“ Den ehrenamtlichen Helfern sei es aber zu verdanken, dass das Projekt mit Einsatz und Hartnäckigkeit über all die Jahre am Leben gehalten worden sei.

Wie sehr den Menschen ihr Dorf und der Oberhof am Herzen liegen, erklärt der 53-jährige Ober-Erlenbacher Frank Falkenstein: „Hier herrscht ein großer Zusammenhalt. Das Vereinsleben ist ausgeprägt. Die Menschen lieben Ober-Erlenbach, das Dörfliche. So kommt es, dass die Nachfrage beim Wohnprojekt immer weiter steigt.“

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