Eingehüllt in Chormelodien, umgeben von bunten Klangfarben

Dass die Auftritte von „LaCapella“ immer umjubelt sind, ist kein Geheimnis. Aber was die Chöre von Veronika Bauer in der St. Martinskirche ablieferten, raubte den Zuhörern wirklich den Atem.

Von SABINE SCHLICHTE

Veronika Bauer ist ein Phänomen. Wie schafft sie das, die Leiterin von „LaCapella“, innerhalb von nur gut zehn Jahren aus einem ersten kleinen Mädchenchor weitere fünf leistungsstarke und mehrfach ausgezeichnete Chorensembles ins Leben zu rufen? Es muss an ihrer Liebe zur Musik liegen, an ihrem Verständnis für die jeweilige Altersgruppe, an ihrer lockeren Ernsthaftigkeit und ihrem unaufdringlichen, aber genau zeichnenden Dirigat, an ihrer Zielstrebigkeit und dem Eröffnen neuer Klangerfahrungen, dem hartnäckigen Bestehen auf reiner Intonation: Auf jeden Fall erreicht sie die Kinder, bringt ihre besten Seiten – oder Saiten? – zum Schwingen und ermöglicht ihnen im Singen eine ausdrucksstarke Selbst-Erfahrung. Anders kann man sich die Begeisterung der Sänger nicht erklären.

Womit fängt man am Besten an? Nehmen wir das Programm. Unter dem Motto: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“ waren Chorlieder inhaltlich um Sommerfreuden in der Liebe, in der Natur, im Fußball gruppiert, aus Renaissance, Romantik, klassischer Moderne und Pop.

Da sind wir beim zweiten Punkt: Es traten auf die „Vorklasse“, die Jüngsten, eine kleine Schar von Grundschulkindern. Mit klaren Stimmen konnten sie schon die ungewohnten Melodien eines zeitgenössischen Kyries formen und zwitscherten ebenso deutlich in lockerer Höhe zweistimmig „Ihr kleinen Vögelein“. Dann „DieJungs“, die sich zu einem glasklaren Knabenchor gemausert haben, sangen mit ihren hellen Stimmen auswendig und a capella (also unbegleitet), anrührend die englische Ballade vom „Loch Lomond“. Zusammen mit der „Vorklasse“ ließen sie in bester Klangkultur „Sound the Trumpet“ von H. Purcell erschallen.

Die entsprechende Mädchengruppe (10 bis 13 Jahre) nennt sich „nuova“, auch sie bezauberte schon in ihrer klanglich bewegenden Schlichtheit mit dem dreistimmigen Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“. Zusammen mit der „dolce“-Formation, Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren, gestalteten sie das Eingangsstück von Felix Mendelssohn Bartholdy: „Laudate pueri“. Von der Empore tönte der ungetrübte Cantus firmus und fächerte sich dann mit den sich leicht in großer Höhe bewegenden Stimmen zur Mehrstimmigkeit auf – das war wirklich qualitätsvolle Chormusik.

Auch als selbstständiger Mädchenchor bewies „dolce“ seine weit vorangeschrittene Kunstfertigkeit in lebendiger dynamischer Gestaltung und großer Selbstverständlichkeit in der Intonation. Aus ihren Reihen geht sogar schon eine junge Komponistin hervor, Eileen Wokan, die in ihrem Chorlied „Moonlight On Sea“ bewundernswert das hohe Sopransolo sang.

Ja, und dann gibt es noch „DieMänner“, zwölf Jugendliche, immer drei für eine Stimme. Dass sie sich trotz schwierigster Probendisposition zu einem hinreißenden Klangkörper zusammengefunden haben, bewiesen sie mit den „coolen“ Pop-Songs „Haus am See“ und „Wie kann es sein“ von den Wise Guys. Das von jeder Sentimentalität entschlackte Volkslied „Untreue“ sangen sie zum Dahinschmelzen.

Zu guter Letzt: der reibungslose Ablauf, der einer chorischen Inszenierung glich. Ein Chorlied reihte sich an das nächste, die Gruppenwechsel waren überbrückt durch die charmante Moderation. Herausragend war das zweite Chorwerk von H. Nyberg, einem Zeitgenossen. Kaum war der Eingangschor verklungen, standen im Altarraum „DieMänner“, einzeln; davor eine kleine Mädchengruppe von „dolce“, an den Seiten verteilt die übrigen Sängerinnen. Ein tiefer Ton durchzog den Kirchenraum, von der Empore waren Naturlaute wie Wind und Vogelgezwitscher zu hören („nuova“), aus denen sich über dem festen Grundton eine einstimmige Melodie kristallisierte, die das Publikum umhüllte. Eine Bearbeitung von „Geh aus mein Herz“ in immer bunteren Klangfarben, und zum Schluss schlossen sich alle summend in harmonischer Mehrstimmigkeit vor dem Altar zusammen. Beglückend!

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