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Einmal Star in der Manege

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ualoka_schmitten_zirkus__4c © Birgit Schweitzer

Schmitten-Niederreifenberg . Auf dem Parkplatz der Grundschule Reifenberg stand in der vergangenen Woche ein großes rotes Zirkuszelt. Eine Woche lang schnupperten die Reifenberger Schülerinnen und Schüler Zirkusluft. Sie wurden zu Akrobaten, Clowns, Zauberern, Jongleuren oder Fakiren des Projektzirkus Klecks.

Nachdem fleißige Elternhände mit der Zirkusfamilie von Jan und Ninia Sperlich das Zelt am Sonntag aufgebaut hatten, ging es am Montag mit einer kleinen Vorführung los. Die Zirkusleute stellten den Kindern die jeweiligen einzustudierenden Nummern vor, für die die Kinder in Gruppen eingeteilt wurden. Denn das Konzept des Projekts ist so einfach wie professionell: Die Show ist bereits durchgeplant und -choreografiert und wird den Kindern im Laufe einer Woche durch die Zirkusakrobaten und -pädagogen antrainiert. Die Lehrerinnen der Schule waren unterstützend dabei.

Zirkuszelt wird zum Klassenzimmer

Auf diese Weise wurde am Dienstag das Zirkuszelt zum Klassenzimmer: In der Mitte der Manege übte die Trapezgruppe. Sina kann bereits einen Spagat und darf ihn hoch oben am Trapez präsentieren. Den anderen zeigte Jamie Sperlich einfachere Posen, die aber genauso akrobatisch aussehen. Die Tüchertanzgruppe übte mit Ninia ihre Choreografie und eine Mädchengruppe »dressierte« handzahme Tauben. Am Rand der Manege übte Justine Sperlich derweil mit den Kindern am Schwebebalken, der Vorstufe zum Seiltanzen. »Hier ist Körperspannung ganz wichtig«, erklärte sie. Die Zauberer warteten derweil auf ihren Einsatz, und die Piratengruppe trainierte mit Zirkusschwiegersohn Gino Weidauer für den Schwerttrick. In einer großen Metallkugel saß ein Kind und die Kugel wurde mit Klingen durchlöchert - ob das wirklich gut geht?

Währenddessen jonglierten in der Turnhalle Akrobaten mit Joey Sperlich und lernten Hula-Hoop, aber nicht nur an der Hüfte, sondern auch am Hals und mit mehreren Ringen. »Ihr habt gut mitgemacht, konzentriert und diszipliniert. Das wird eine super Vorstellung!«, lobte er. Die Fakire probten derweil nebenan ihren Showablauf mit Adriano. Sie laufen nicht nur auf Nägeln, sondern hantieren sogar mit Feuer. Zirkusdirektor Jan Sperlich hatte es höchstpersönlich übernommen, die Clownnummern einzustudieren. Die Kinder hatten ihren Text schon fast auswendig parat und spielten witzige Sketche. Hier waren auch ansonsten schüchterne Kinder ganz in ihrem Element.

Jede Woche in einer anderen Stadt

Doch nicht nur das sei ein positiver Effekt einer solchen Projektwoche. »Es wird neben der motorischen die soziale Kompetenz gefördert, denn Zirkus bedeutet Zusammenarbeit, Disziplin und Verantwortung für sich und andere«, erklärte Jan Sperlich. Seine Zirkusfamilie ist das ganze Jahr über mit dem Projektzirkus auf Tour: »Jede Woche sind wir in einer anderen Stadt.« Sie reisten aus Stralsund in den Taunus an, wo sie auf dem Schulhof mit ihren Wohnwagen ihr Quartier eingenommen hatten. Schulleiterin Anke Gamer hatte als Lehrkraft an einer anderen Schule einmal ein Zirkusprojekt kennengelernt, das den Kindern und dem Kollegium wahnsinnigen Spaß gemacht habe, und war so auf die Idee einer Zirkusprojektwoche gekommen. »Abgesehen von den Lerneffekten ist es außerdem nach zwei Jahren Einschränkung durch die Corona-Pandemie bitter notwendig, wieder etwas Gemeinsames mit Spaß zu gestalten, in das auch die Familien eingebunden sind«, sagte sie.

Fantasievolle bunte Kostüme und Schminke machen die Show rund. Am Mittwoch war daher Kostümprobe, ehe am Donnerstag die große Generalprobe stattfand. Die Kinder lernten: Zirkusleben besteht aus Üben, Proben und auch aus geduldigem Warten auf den eigenen Einsatz. Ebenfalls das Verbeugen und die Endrunde wurde geübt: Auf den Befehl »Allez«, marschieren die Akrobaten winkend durch die Manege.

Freitag- und Samstagnachmittag war es dann endlich soweit (siehe auch Info-Box). In zwei großen Galavorstellungen führten sie Eltern und Freunden vor, was sie in dieser besonderen Projektwoche gelernt haben. Gleich nach der letzten Vorstellung wurde das Zelt wieder abgebaut und der Zirkus zog weiter - zur nächsten Projektwoche in den Harz. Doch den Reifenberger Grundschulkindern bleibt für immer die Erinnerung an ihr ganz eigenes, besonderes Zirkuserlebnis.

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ualoka_schmitten_zirkus1_4c © Birgit Schweitzer

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