Elvis Presley zum 80.

Elvis Presley ? der Karate-King

  • Marc Kolbe
    VonMarc Kolbe
    schließen

Er trainierte Karate in der Turnhalle in der Dorotheenstraße und sonnte sich am Usinger Hattsteinweiher. Elvis Presley, der heute 80 Jahre alt geworden wäre, war auch im Hochtaunus präsent.

Er war der „King of Rock’n’Roll“, der Weiße mit der schwarzen Seele, sie nannten ihn „Elvis the pelvis“. Er eroberte den Olymp, war einer der ersten Weltstars und versank letztlich in seiner Drogen- und Tablettensucht – all das ist hinlänglich bekannt. Die meisten Fans wissen auch, dass Elvis Aaron Presley seinen Militärdienst von 1958 bis 1960 in den Ray Barracks in Friedberg absolvierte und während dieser Zeit in Bad Nauheim lebte. Was aber nur die wenigsten wissen, ist, dass sich Elvis in dieser Zeit auch immer wieder in Bad Homburg aufhielt und in der Kurstadt Karate erlernte und trainierte.

Der mittlerweile verstorbene Usinger Jürgen Seydel hatte im Frühjahr 1957 den ersten Deutschen Karateverein in der Kurstadt gegründet. Einer seiner Trainer war Dietmar Biemel. Der gebürtige Siebenbürger, dessen Familie sich 1950 in Bad Homburg niedergelassen hatte, hatte zuvor schon die 1952 ebenfalls von Seydel gegründete Judo-Schule besucht. Obwohl Biemel seine Karate-Ambitionen schweren Herzens einschränken musste („Ich stand vor der Wahl: Karate oder Abitur“), hielt ihn Seydel immer auf dem Laufenden. Und so erfuhr der damals 18-Jährige im Herbst 1959 als einer der ersten, dass Elvis Presley in die Turnhalle in der Dorotheenstraße kommen würde, um Karate zu trainieren. „Und ich war beim ersten Training dabei“, erinnert sich der 74-Jährige, der seit 1969 in Frankreich lebt.

Der K.o.-Tritt

Vor der Turnhalle parkte seinerzeit eine große amerikanische Limousine, neben der Biemel sein Fahrrad abstellte. „Elvis hatte bereits seinen Karate-Gi schon angezogen und schien mir etwas verschnupft zu sein. Ohne lange ein Taschentuch zu suchen, fand er eine einfachere Lösung mit der rechten Hand, welche er anschließend sorgfältig an seinem Karate-Gi abstreifte, bevor er sie mir dann spontan zur Begrüßung entgegenstreckte. Dies war für mich eine überraschende, aber dennoch nicht übel zu nehmende Geste.“ Nach anfänglichen Sprachproblemen („Ich konnte mit seinem amerikanischen Akzent fast nichts anfangen“) lernten sich der 24-Jährige und der Homburger Schüler besser kennen und trainierten regelmäßig zusammen. „Wir trafen uns samstags in der Dorotheenstraße. Einmal übten wir die Abwehr eines Fußangriffs auf den Brustkorb. Elvis deckte sich nicht richtig und seine beiden Hände waren weit auseinander. Um das zu demonstrieren, setzte ich wieder zu einem Fußangriff an und traf Elvis mitten in den Solarplexus. Er fiel sofort zu Boden und schnappte nach Luft. Ratlos standen wir daneben, ohne ihm helfen zu können. Nach einigen Minuten stand Elvis auf, holte tief Luft und ohne irgendeinen Vorwurf sagte er: ,Let’s go on!‘ Danach konnten wir feststellen, dass sich Elvis sehr gut deckte.“ Im Januar 1960 reisten Seydel und Elvis nach Paris, um dort an einem privaten Lehrgang mit Karatemeister Tetsuji Murakami teilzunehmen. Biemel: „Am 16. Januar 1960 schickte mir Jürgen Seydel eine Ansichtskarte aus Paris – unter anderen mit den Unterschriften von Elvis Presley und Murakami. Nach seiner Rückkehr trafen wir uns noch einige Male in Bad Homburg.“

Das Riesen-Eis

Und so kann sich Biemel auch noch lebhaft daran erinnern, wie er mit Elvis einer Eisdiele in der Louisenstraße gegenüber dem Kurhaus einen Besuch abstattete. „Niemals habe ich in meinem Leben je wieder eine so große Portion Eis mit Schlagsahne gegessen. Elvis wird mir immer als ein sehr bescheidener, offener und sehr freundlicher Mensch in Erinnerung bleiben, der gut zuhören konnte, aber stets auch ein wenig verloren wirkte“, sagt Biemel heute – 56 Jahre nach dem Karatetraining mit Elvis.

Am Rande: Wem der Name Dietmar Biemel etwas sagt, liegt nicht so falsch. Erst im vergangenen Jahr berichtete diese Zeitung über den ehemaligen Bad Homburger. Er ist nämlich mit einer wirklich außergewöhnlichen Geschichte im jüngsten Band „Aus dem Stadtarchiv“ vertreten. 1969 hatte er Bad Homburg gemeinsam mit seiner Frau, einer Französin, verlassen, „um vier, fünf Jahre am Aufbau eines Hoechst-Werkes in Paris mitzuarbeiten – daraus sind jetzt mehr als 45 Jahre geworden“. Und in Frankreich stieß Biemel auf Spuren der Blancs, der Gründer der Homburger Spielbank . . .

(col)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare