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Entscheidung noch einmal vertagt

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Wehrheim (sai). Auch im Bau- und Verkehrsausschuss wurde der Prüfantrag zur Errichtung einer Waldbestattungsfläche in Wehrheim kontrovers diskutiert, wenngleich auch mit deutlich weniger Schärfe als im Umwelt-, Land- und Forstwirtschaftsausschuss (wir berichteten). Dass die Diskussion im Bauausschuss schon von vorneherein stärker auf die Suche nach Kompromissen ausgerichtet war, lag sicherlich an den im Umweltausschuss bereits vorgelegten und dort schon ansatzweise beleuchteten Alternativvorschlägen.

Zumindest bezog sich Ausschussvorsitzender Dr. Torsten Kunz (Grüne) bei seiner Einleitung zu diesem Tagesordnungspunkt auf die Diskussionsergebnisse des Umweltausschusses zwei Tage zuvor und schlug vor, die verschiedenen Alternativen zu vergleichen. Weil es bei einigen Ausschussmitgliedern, insbesondere aus den Reihen der CDU und FDP, große Bedenken bezüglich der hohen Investitionssumme zur Errichtung einer Waldbestattungsfläche gibt, wurde der Vorschlag aus dem Umweltausschuss, auf den inzwischen auf allen Friedhöfen entstandenen Freiflächen sogenannte Friedhofsgärten anzulegen, wo ebenfalls unter einem Baum die Urnen beigesetzt werden können, begrüßt. Dr. Teja Müller (CDU) nannte diesen Vorschlag zielführend, wollte aber, bevor man sich endgültig für eine Variante beziehungsweise für den zur Abstimmung stehenden Antrag entscheidet, erst noch die Ausarbeitung des »Friedhofsgarten-Vorschlags« abwarten, um dann abschließend über das Thema zu diskutieren.

Gemeinde könnte Geld verloren gehen

In diesem Zusammenhang wiederholte Andrea Pfäfflin (SPD), die als Vertretung des Ausschussmitglieds Dr. Sybille Winkelhaus (SPD) an der Sitzung teilnahm, ihren Vorschlag, den »Naturfriedhof Merzhausen« zu besichtigen und sich vom Usinger Bürgermeister und dem zuständigen Revierförster die Sachlage inklusive Kosten und Einnahmen erläutern zu lassen. Denn die Nachfrage nach Waldbestattungen steige kontinuierlich, sie habe von Revierförster Karl-Matthias Groß erfahren, dass der Naturfriedhof sogar erweitert werden solle.

Bei dem berechtigtem Blick auf die Investitionssumme und die Kosten für den Unterhalt einer Waldbestattungsfläche sollte man auch die Einnahmenseite berücksichtigen, plädierte sie. Ein Blick auf die Friedhofssatzung der Stadt Usingen zeige, dass auch für den Naturfriedhof Entgelte erhoben werden. So werden beispielsweise für den Erwerb des Nutzungsrechts an einem »Wahlbaum« 3500 Euro, für den Erwerb des Nutzungsrechst an einem »Prachtbaum« 4500 Euro fällig. Diese Zahlen nannte Pfäfflin zwar nicht im Einzelnen, doch betonte sie, dass kalkulatorisch solche Einnahmen der Gemeinde Wehrheim verloren gehen würden, wenn sich die Menschen nicht in einem Wehrheimer Waldfriedhof bestatten lassen könnten. Wer sich in einem Wald bestatten lassen wolle, sei für das Begräbnisangebot auf einem Friedhof sowieso »verloren«, argumentierte sie.

Auch Lydia Saul (Grüne) sah dies so und widersprach dem Vorstoß Wolfgang Bachmanns (CDU), ein anonymes Rasengrab auf dem Friedhof komme dem Wunsch nach einem Waldgrab sehr nahe. Die Intension und die Philosophie hinter dem Wunsch vieler Menschen nach der letzten Ruhestätte in einem Wald seien ganz andere, als der Wunsch, seinen Angehörigen mit einer Grabpflege nicht zur Last fallen zu wollen, waren sich Saul und Pfäfflin einig.

Wie sich im Laufe der Debatte herausstellte, sind die Ausschussmitglieder gar nicht grundsätzlich abgeneigt, eine Waldbestattungsfläche zu errichten, allerdings steht vor allem die schlechte Haushaltslage dem Wunsch entgegen. »Ohne dass ich das eine gegen das andere ausspielen möchte: Aber mit den rund 160 000 Euro für eine Waldbestattungsfläche könnte man doch erst einmal dringendere Anliegen verwirklichen, wie etwa die Skateranlage zu ertüchtigen oder endlich die Multifunktionsanlage in Obernhain zu bauen. Beide Investitionen werden schon seit Jahren ständig verschoben, und wir sind den Kindern und Jugendlichen es auch langsam schuldig, dass wir nicht immer nur versprechen, etwas für sie zu tun - und dann geben wir das Geld stattdessen für eine weitere Bestattungsform aus«, erklärte Andreas Bloching (FDP), warum er Prioritäten setzen will.

Austausch mit dem Usinger Magistrat?

CDU-Politiker Müller schlug daher vor, dem Gemeindevorstand nahezulegen, im Rahmen des interkommunalen Austauschs sich mit dem Usinger Magistrat zu beraten. »Offenbar gibt es in diesem Gremium einen Richtungskonsens, die Frage ist nur, wann welche Vorschläge wie umgesetzt werden können«, fasst Kunz zusammen und verzichtete schließlich gänzlich auf das Durchführen einer Abstimmung.

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