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Entscheidung über Waldbestattungen in Wehrheim

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Von: Inka Friedrich

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Auch in Wehrheim könnte bald eine Fläche für Waldbestattungen entstehen. Ein passendes Areal wäre ein Waldbestand »Am Wehrholz« in Pfaffenwiesbach. Ob dies jedoch umgesetzt wird, darüber müssen noch die Wehrheimer Gremien entscheiden. © Imago Sportfotodienst GmbH

Die Gemeinde Wehrheim hat einen FDP-Antrag für Waldbestattungen geprüft und nun zur Abstimmung in die Gremien weitergereicht. Wird eine Fläche in einem Ortsteil der Gemeinde dafür ausgewiesen?

Wehrheim. Waldbestattungen, bei denen die Asche Verstorbener unter speziell ausgesuchten Bäumen mitten in der Natur beigesetzt wird, sind immer gefragter, wie man am Friedwald in Weilrod sieht. Und auch in Usingen ist die Waldbestattung mittlerweile die am häufigsten nachgefragte Bestattungsform. Bald könnte eine solche Möglichkeit auch in Wehrheim bestehen. Ein entsprechender Antrag der FDP-Fraktion aus dem letzten September steht nun in der kommenden Sitzungsrunde zur Diskussion (Termine siehe Infobx).

Laut Beschlussvorlage wurden von der Gemeindeverwaltung besonders zwei Standorte geprüft: Der eine Standort »Am Wehrholz« in Pfaffenwiesbach hat sich schließlich als geeigneter herausgestellt als die Alternative im Bereich »Schlink«, die als zu stark frequentiert und aus dem Grund als sehr unruhig gilt - und somit vielleicht nicht die passende Option für einen Friedwald darstellt.

Waldbestattungen nur für Einwohner von Wehrheim geplant

Zudem spielt auch die Art des Baumbestands eine große Rolle. Als Bestattungsbäume eigneten sich vor allem Buchen- und Eichen, die in dem Bereich »Am Wehrholz« zur Verfügung stehen. Für die Auswahl der Bäume bietet sich Hessen Forst als Dienstleister an. Der Landesbetrieb blickt auf eine 15-jährige Erfahrung mit dem Friedwald in Weilrod zurück, die Förster könnten dementsprechend die Kontrolle der entsprechenden Bäume übernehmen.

Bei einer Waldbestattung werden Urnen in einem Radius von zwei Metern rund um den jeweiligen Bestattungsbaum in einer Tiefe von etwa 80 Zentimetern beigesetzt. Zudem ist geplant, dass auf dieser Fläche künftig nur Einwohner der Gemeinde bestattet werden können, da erfahrungsgemäß die Nachfrage nach solchen Flächen auch von außerhalb sehr groß ist. In Rosbach v. d. Höhe beispielsweise sind fast 80 Prozent der entsprechenden Flächen an auswärtige Personen vergeben worden. Dies möchte man in Wehrheim jedoch verhindern.

Bebauungsplanverfahren, Bodengutachten und Verhandlungen mit dem Jagdpächter

Damit in Wehrheim überhaupt eine Waldbestattungsmöglichkeit entstehen kann, müsste zunächst ein vereinfachtes Bebauungsplanverfahren und die Widmung der betreffenden Fläche als Sonderfläche erfolgen.

Zusätzlich müsse in einem Bodengutachten sichergestellt werden, dass der felsige Boden überhaupt für den Abbau einer Urne und deren Asche geeignet wäre. Zudem müsse auf entsprechende Habitatbäume geachtet werden. Der Bereich am Wehrholz hat eine Größe von rund 14 Hektar, von denen zunächst fünf bis sieben Hektar als Waldbestattungsfläche ausgewiesen werden könnten. Sollten sich alle Gremien dafür aussprechen, müsste die entsprechende Waldfläche aus der regulären Beförsterung herausgenommen werden.

Als problematisch könnte sich ein für diesen Bereich bestehender Jagdpachtvertrag herausstellen, der noch eine Laufzeit bis ins Jahr 2032 besitzt und erst kürzlich verhandelt worden sei. »Dies setzt dann eine erneute Verhandlung mit dem Jagdpächter voraus«, heißt es in der Vorlage.

Wohin mit dem Verkehr zum Friedhof im Wald?

Sollte die Gemeinde den Bereich also tatsächlich umwidmen, so ist davon auszugehen, dass deutlich mehr Verkehr durch die Trauergäste entstehen würde. Der bislang bestehende Naturparkplatz »Am Wehrholz« sei jedoch für die Bedürfnisse eines Friedwalds nicht ausreichend, so die Gemeindeverwaltung. Parkflächen müssten nicht zu weit von den Bestattungsflächen entfernt liegen und Zuwegungsmöglichkeiten auch für Rollatoren bieten.

Aus diesem Grund sei es notwendig, den Parkplatz zunächst zu begradigen, zu vergrößern und neu zu befestigen. Zudem liege der Naturparkplatz in einem FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat), welches als besonders schützenswert gilt. Zusätzliche Parkflächen könnten in der Nähe der Bestattungsflächen auf gemeindeeigenen Wiesenflächen eingerichtet werden. Auch hier sei eine Einigung mit den Pächtern notwendig.

Zudem, so betont die Gemeindeverwaltung, sei eine solche Fläche eben mitten im Wald. Das bedeute, dass Kalamitäten oder andere Naturereignisse, wie beispielsweise Stürme, Parasiten wie der Eichenprozessionsspinner oder Starkregenereignisse nicht ausgeschlossen seien und im schlimmsten Fall zum Umstürzen des jeweiligen Bestattungsbaumes führen könnten.

Gemeinde müsste Verwaltung in Eigenregie betreiben

Die Vergabe der Fläche an eine private Organisation, wie die FriedWald GmbH ist übrigens nicht möglich, da diese bereits einen Standort in Weilrod habe und sich die Rechte für das Geschäftsmodell im Umkreis von 50 Kilometern gesichert hat. Aus diesem Grund schlägt die Verwaltung vor, die Waldbestattungsfläche in Form eines gemeindlichen Regiebetriebs zu führen und die bestehende Organisation des Bestattungswesens anzupassen. Dies erfordere jedoch einen Beschluss über eine gesonderte Friedhofssatzung, sowie eine ergänzende Gebührenordnung.

Die Gemeindeverwaltung hat errechnet, dass die Einrichtung einer solchen Waldbestattungsmöglichkeit Kosten um die 93 000 Euro verursache. Die Errichtung einer Parkmöglichkeit würde noch einmal 30 000 Euro kosten, während ein möglicher Gehweg vom Naturparkplatz Wehrholz zur Andachtsfläche mit etwa 40 000 Euro zu Buche schlage. Die Gemeindeverwaltung geht von einem jährlichen Erhaltungsaufwand von etwa 27 000 Euro aus.

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