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Kriminell lustig: das neue Stück der Burgspielschar ?Heiße Bräute machen Beute?.

Premiere von „Heiße Bräute machen Beute“

Entwaffnender Humor

Die Premiere von „Heiße Bräute machen Beute“, dem neuen Stück der Burgspielschar, verlief reibungslos und sorgte für fröhliche und ausgelassene Stimmung beim Publikum. Das erfuhr zudem, warum ein abgebrochener Fingernagel das größte Desaster nach einem Banküberfall sein kann.

Von OLIVERA GLIGORIC-FÜRER

Mit der Komödie „Heiße Bräute machen Beute“ von Rolf Solomon holte Regisseur Manfred Fels jugendlich-frischen Pepp auf die Bühne der Alten Schule in Burgholzhausen und landete damit einen großartigen Erfolg. Bei der Premiere am Wochenende überzeugten die Schauspieler der Burgspielschar und hinterließen ein prächtig amüsiertes Publikum. Besser noch, die glanzvolle Leistung der Schauspieler zeigte, dass durchaus auch sinnbefreite Stücke ein losgelöstes Lachen nach sich ziehen können.

Denn streng betrachtet, mangelte es bei „Heiße Bräute machen Beute“ an fundiertem Inhalt. Nach einer weitreichenden Botschaft suchte der Zuschauer vergebens. Einer Sitcom gleich fiel ein Witz nach dem anderen, während die Schauspieler sich den rasant wechselnden Situationen anpassten.

Dem schauspielerischen Können der Darsteller und auch Fels’ Blick für all die Details ist es zu verdanken, dass das Stück nicht ins Alberne kippte, sondern die Gratwanderung meisterhaft bewältigt wurde. Die drei Hauptdarstellerinnen Elena Schunk, Lea Friedmann und Franzi Kunkel gehen völlig in ihren Rollen auf. So glaubt der Zuschauer einer aufgetakelten Kunkel in der Rolle der attraktiven und bauernschlauen Hedwig gerne, dass das Schlimmste an diesem Banküberfall der abgebrochene Fingernagel ist. Bei Friedmann hingegen, sie spielt Lisbeth, reicht der Blick in die kullerrunden Augen, die von pinkfarbenen Lidern in Szene gesetzt werden. Ganz klar, sie spielt die frustrierte Naive, die noch nicht einmal in der Lage ist, ein geeignetes Fluchtauto zu organisieren.

Eine ganz schöne Herausforderung für die nüchterne und strukturierte Vivienne (gespielt von Schunk): Umgeben von so viel Dummheit, muss sie stets den kühlen Kopf bewahren. Elena Schunk legt dabei einen Marathon hin, sie ist nonstop auf der Bühne und hält so auch für den Zuschauer die Fäden in der Hand. Sie setzt ihren Mann Erwin (Yannik Sänger) charmant außer Gefecht, dem Ahnungslosen braucht sie, seine Ohrläppchen massierend, nur „mon petit écureuil“ (mein kleines Eichhörnchen) entgegenzusäuseln, schon schmilzt er dahin wie Butter in der Sonne. Bei der überaus neugierigen Nachbarin Frau Nickel (Gabi Kunkel) gestaltet sich das schwieriger, doch auch das bekommt Vivienne alias Schunk hin.

Lisbeth alias Friedmann umgarnt derweil den Kommissar Stefan Scholz (Jan-Tore Ohlsen), ihr Augenaufschlag legt bei ihm das Gehirn komplett lahm. Bleibt nur noch der italienische Ganove Giuseppe Attolini (Oliver Glaap). Dass die Schauspieler, schließlich handelt es sich hier um eine Laientheatergruppe, niemals aus ihren Rollen fallen, liegt für Fels am guten Training.

Bei ihren Sommerstücken führt seit mehreren Jahren der Frankfurter Theaterpädagoge Georg Bachmann Regie, der besonderen Wert auf die Charakterarbeit legt. Davon scheinen die Akteure allesamt zu profitieren, haben sie ihre Rollen so feingeschliffen, dass jede Geste und jedes Mienenspiel zum gesprochenen Wort passt. Und noch viel mehr, selbst die Akzente und Dialekte sind stimmig. Die gebürtige Pariserin Vivienne alias Schunk parliert ein französisch akzentuiertes Deutsch, Oliver Glaap spricht ein schönes Italo-Deutsch und Hedwig, die im Handumdrehen eine Polin spielen soll, bringt in aller sprachlichen Härte ein osteuropäisch eingefärbtes Deutsch zustande. Dass sie dabei hartgesotten rüberkommt, amüsiert den Zuschauer über alle Maßen. Und nicht zu vergessen: Gabi Kunkel als hessisch babbelnde und neugierige Nachbarin, in der klassischen Kittelschürze, die den Kommissar gerne mit „Expresso oder Latte Matschiato“ verführen möchte, ist das kleine Sahnehäubchen des Stücks.

Weitere Aufführungen: Am kommenden Freitag und Samstag in der Alten Schule Burgholzhausen, Beginn ist um 20 Uhr. Sowie am Freitag und Samstag, 12. und 13. Februar, im Forum Friedrichsdorf. Beginn ist ebenfalls um 20 Uhr.

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