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Er rannte, wenn es brannte

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Ein Leben für die Feuerwehr: Der Friedrichsdorfer Helmut Reuter fühlt sich in seiner alten Uniform immer noch wohl - und seine Ehefrau Eva ist auch immer noch ein bisschen stolz auf ihren Helmut. © Red

Hochtaunus. Auch wenn die Uniform nicht mehr so richtig sitzt, so ist Helmut Reuter doch immer noch Feuerwehrmann vom Scheitel bis zur Sohle. Und wenn der 82-Jährige ein Martinshorn hört, fragt er sich, wo die Kollegen wohl gerade hinfahren.

Reuter ist Brandbekämpfer der ersten Stunde und eng mit der Genese der Jugendfeuerwehr im Hochtaunus verknüpft. Er hat die Kreisjugendfeuerwehr vor 50 Jahren persönlich aus der Taufe gehoben. Seine eigene Wiege stand im Niedersächsischen, in Schöningen, nahe der Grenze nach Sachsen-Anhalt. Dass Nordlicht hört man noch, die »spitzen Steine« blitzen immer mal wieder bei dem 82-Jährigen auf. Kürzlich ist er mit Ehefrau Eva (81) von Seulberg ins Haus Luise nach Dornholzhausen umgezogen.

Ausgehuniform ist mit umgezogen

Dort fühlen sich die beiden sehr wohl, Reuter bedauert aber, dass er kaum Platz für seine Feuerwehrsachen habe, aber immerhin: Die Ausgehuniform ist mit umgezogen. Dass er die zum Besuch des Reporters noch einmal anzog - Ehrensache. Eins bedauert er aber. Er und seine Frau leben in Zimmer 126, die 112 war leider belegt...

Feuerwehrmann will er natürlich bleiben, immerhin steht für 2023 das 100-jährige Jubiläum der Seulberger Feuerwehr an, das er gemeinsam mit seiner Eva erleben möchte. »Er sagt immer, dass er sich scheiden lässt, wenn ich ihm verbiete, zur Feuerwehr zu gehen«, sagt seine Ehefrau lachend über die leere Drohung, denn sie hat selbst eine eigene Feuerwehrvergangenheit, wenngleich sie nie Mitglied war.

Sein Engagement für die Feuerwehr war Helmut Reuter in die Wiege gelegt worden. Schon sein Vater sei Feuerwehrmann gewesen, »da ist der Funke gleich übergesprungen«, erzählt er. Wo und wann immer es möglich war, hat er ihn zu Übungen begleitet. Mit 13 Jahren sei er dann endlich offiziell Feuerwehrmann geworden. So begeistert wie Reuter war, so leicht fiel es ihm auch, Jungs in seinem Alter um sich zu scharen und ihnen zu vermitteln, dass es nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, außer vielleicht Sport, gab - nämlich die Feuerwehr. Insofern hat Reuter bereits in Schöningen seine erste Jugendfeuerwehr gegründet.

Bald nach dem Umzug in den Taunus, er hatte »bei der PIV« als Maschinenbauer Arbeit gefunden, sollte auch schon die zweite folgen. Ein Kollege vermittelte ihm in Seulberg eine Wohnung, denn Eva war nachgekommen, durfte aber bei dem »möblierten Herren« nicht übernachten, deshalb pressierte es mit der Wohnung. Längst war er Mitglied der Einsatzabteilung der Wehr Bad Homburg Mitte. Nach dem Umzug nach Seulberg fand Reuter auch dort seinen Platz bei den Brandbekämpfern, zuletzt war er stellvertretender Wehrführer.

Nachwuchs liegt ihm am Herzen

Dass er ein Händchen dafür hatte, die Jugend für die Feuerwehr zu begeistern, hatte sich in »Sellwich« schnell herumgesprochen. Bei der Nachwuchsförderung darf sich die Feuerwehr Seulberg als Trendsetter fühlen. Bereits 1966 hatte Reuter seine Truppe beisammen und Seulberg hatte als Erster der späteren Friedrichsdorfer Stadtteile eine eigene Jugendwehr. Heute sind schon die Enkel der damaligen Erstausstattung dabei, als Mitglieder der Kinderfeuerwehr. Die Saat ist aufgegangen, worauf Reuter stolz ist.

Auch dass ihn gerade der heute 69-jährige Kurt Reith im Heim besucht hat, freute ihn, »der Kurt war damals bei den Ersten…«. Als 1972 die Gründung der Kreisjugendfeuerwehr Hochtaunus anstand, wurde nicht lange nach Fittichen, unter denen der Nachwuchs im Löschen, Retten, Bergen unterwiesen werden soll, gesucht, es waren die von Helmut Reuter. Der Posten des Kreisjugendfeuerwehrwartes schien wie für ihn gemacht.

Im Schlafanzug am Funktisch

Er war immer vorne mit dabei, wenn es galt, den Nachwuchs bei der Stange zu halten, und sei es auch nur, dass man sie zur Schlauchpflege nach den Einsätzen der »Großen« zusammenrief. »Eigentlich waren sie immer Feuer und Flamme und die meisten konnten es gar nicht abwarten, bis sie in die Einsatzabteilung übernommen wurden, wobei das auch immer von der Familie unterstützt werden musste«, sagt Reuter, der weiß, wie es ist, wenn die Familie hinter einem steht. Seine Frau habe ihn immer unterstützt und nachdem sie ins neue Gerätehaus umgezogen waren, hat sie sogar den Sirenenknopf gedrückt und am Funktisch gesessen - manchmal im Schlafanzug. »Unsere Tochter hat einmal gefragt, warum ich Papa sieze, ich habe ihr gesagt, dass das die Funksprache ist«, erzählt sie.

Einmal hat Eva Reuter sogar Schlimmes verhindert: Es brannte, und sie hat’s zuerst gemerkt. Die Feuerwehr war schnell zu Stelle, denn sie war ja im Grunde schon da: beim Brand im Gerätehaus.

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