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Erinnerung an jüdische Familien

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Wehrheim (sai). Einen Ort der Erinnerung an einst in Wehrheim ansässige jüdische Familien schaffen möchte der »Arbeitskreis gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirchengemeinde Wehrheim«. Zu diesem Zweck hatte sich der Arbeitskreis unter Vorsitz von Uta Heidenfelder-Beeck mit Vertretern des Geschichts- und Heimatvereins, der verschiedenen Parteien Wehrheims und der katholischen Kirchengemeinde getroffen.

Auch Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) und Erster Beigeordneter Dirk Sitzmann (Grüne) nahmen an dem Gespräch teil.

Das Interesse, über das Anliegen nachzudenken, war erkennbar sehr hoch, zumal es solche Ansätze bereits in der Vergangenheit gegeben hatte. »Erste Gespräche dazu gab es bereits etliche Jahre zuvor, damals von einigen Mitgliedern des Kirchenvorstandes der evangelischen Kirchengemeinde Wehrheim angeregt, die aber leider ohne konkrete Ergebnisse blieben«, erinnerte Pfarrer Matthias Laux. Wie Laux bei der Begrüßung darlegte, wurde im Jahr 2021 in ganz Deutschland mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen an »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« erinnert.

Familien aus der Heimat vertrieben

Dieses Jahr des Erinnerns an die reiche jüdische Kultur in Deutschland, die durch den Nationalsozialismus zerstört wurde, gab dem Arbeitskreis Anlass, die Errichtung eines Erinnerungsortes in Wehrheim wieder anzuregen. Denn auch in Wehrheim gab es einige jüdische Familien, die bis 1938 dann ihre Heimat verlassen haben. Die Mitglieder der jüdischen Familien konnten Deutschland rechtzeitig verlassen, sodass niemand zu Tode kam. Auch blieben Kontakte zu Wehrheimer Familien bestehen, was zeigt, dass das Verhältnis untereinander in Wehrheim nicht schlecht war, was der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Stefan Velte, betonte. Dabei stützte er sich auf die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Wehrheims durch Dr. Johanna Koppenhöfer.

Aktuell wird das Thema vom Geschichtsverein verstärkt in den Fokus genommen (wir berichteten), unter anderem durch Publikationen von Olaf Velte. Nichtsdestotrotz konnten die jüdischen Familien aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Situation und des durch den Nationalsozialismus geschürten Hasses nicht in ihrer Heimat bleiben. Die Anwesenden des Treffens tauschten sich interessiert und konstruktiv aus und schon sehr schnell zeichnete sich ab, einen Erinnerungsort in Wehrheim in der Neuen Mitte errichten zu können, was Bürgermeister Gregor Sommer ausdrücklich unterstützte. Ob es sich um eine Stele, einen Gedenkstein oder eine Erinnerungstafel handeln wird, ist noch offen. Der Erinnerungsort solle aber auf dem Marktplatz jederzeit frei zugänglich sein, war man sich einig. Ziel ist es, einen Ort gegen das Vergessen in Wehrheim und einen Ort der Mahnung für Menschlichkeit und Respekt gegenüber unterschiedlichen Kulturen zu entwickeln.

Arbeitsgruppe für Gestaltung

Dann hätte Wehrheim auch einen Ort, wo Menschen sich versammeln könnten, um sich an die Unmenschlichkeit des Holocaust zu erinnern, der zusätzlich auch die Gelegenheit bietet, Mitgefühl und Betroffenheit zu zeigen, wenn Terroranschläge und Kriege, wie aktuell in der Ukraine, geschehen. Um die Arbeit weiter zu verfolgen, wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die Gestaltung und Finanzierungsplan des Gedenkortes ausarbeiten soll. Im Gespräch mit dieser Zeitung zeigt sich Bürgermeister Sommer zuversichtlich, dass Möglichkeiten zur Finanzierung gefunden werden. Dabei sei durchaus denkbar, dass sich auch die Gemeinde Wehrheim mit einbringen werde. »Vonseiten der Verwaltung wird hierzu ein Vorschlag für eine entsprechende Beteiligung unterbreitet werden. Ein Gesamtfinanzierungsrahmen mit weiteren Finanzierungsbeteiligten sollte hier erreicht werden können«, so Sommer gegenüber dieser Zeitung. Zuvor müssten natürlich überhaupt erst einmal mögliche Kosten für eine Stele, einen Gedenkstein oder eine Erinnerungstafel in einer groben Schätzung vorliegen, damit auch über etwaige Finanzierungskonzepte gesprochen werden kann. Es liegt also noch viel Arbeit vor dem Arbeitskreis.

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