Die beiden Notfallsanitäter Nicolai Friederici und Jörg Janata gehören zur ersten Motorradstaffel der Malteser im Taunus.
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Die beiden Notfallsanitäter Nicolai Friederici und Jörg Janata gehören zur ersten Motorradstaffel der Malteser im Taunus.

Helfer auf zwei Rädern

Erste Rettungs-Motorradstaffel am Feldberg

Biker des Malteser Hilfsdiensts sind für den Einsatz im Taunus gerüstet, stehen aber auch für Großveranstaltungen parat.

Taunus -Die stattliche Erscheinung der beiden 95 PS starken BMW-Motorräder vom Typ F 850 GS wird durch die leuchtend orangegelbe Signalfarbe sowie die Blaulichter nochmals verstärkt. Ohne Frage: Das ausgefallene Design macht die beiden ersten Einsatz-Maschinen der neuen Malteser-Motorradstaffel in Hessen zu einem echten Hingucker. Kein Wunder, dass die beiden Enduros, die von der bayerischen Zweirad-Schmiede eigentlich als geländegängige Reise-Maschinen in der Biker-Szene beworben werden, auch der Redaktion dieser Zeitung auffielen, als sie von zwei Malteser-Notfallsanitätern durch den Taunus gesteuert wurden.

Noch bevor die Männer ihre Maschinen im Zusammenhang mit dem von ihnen erarbeiteten Konzept "Motorradstaffel Main-Taunus-Kreis" offiziell präsentiert haben, kamen sie gerne der TZ-Anfrage nach einem Treffen auf dem Großen Feldberg nach. Künftig sollen die Maschinen samt Notfallsanitäter von der Leitstelle des Main-Taunus-Kreises in Hofheim im Zuge der Alarm- und Ausrücke-Ordnung des Nachbarkreises angefordert werden können.

Bei Engstellen klar im Vorteil

"Wir könnten als Teil des Katastrophenschutz-Betreuungszuges künftig aber auch von der Leitstelle des Hochtaunuskreises oder anderer Landkreise im Rahmen der Amtshilfe bei entsprechendem Bedarf angefordert werden", erläutert Nicolai Friederici, ehrenamtlicher Leiter der Motorraddienste der Malteser im Main-Taunus-Kreis. "Ebenso können wir für einzelne Sanitätsdienste in anderen Landkreisen eingeplant werden."

Planbare Einsätze sind für den 28-Jährige beispielsweise Sanitätsdienste im Rahmen des Weiltalmarathons, beim Aktionstag "autofreies Weiltal", den Rosenmontagszügen aber auch bei Großveranstaltungen wie dem Frankfurt-Marathon oder dem JP-Morgan-Lauf.

"Der Einsatz ist gerade bei Veranstaltungen mit vielen Menschen optimal, die sich über eine größere Distanz in die Länge ziehen, wo nicht überall Sanitäter stationiert sind", sagt der hauptberufliche Notfallsanitäter. "Das Motorrad könnten wir im Notfall durch die Menge steuern. Vor Ort wäre somit eine schnelle Lagemeldung und eine professionelle Ersteinschätzung möglich, bevor andere Rettungswagen vor Ort sind."

Zwar waren die Enduro-Maschinen bereits im März vergangenen Jahres komplett medizinisch - auch mit einem Defibrillator - und mit jenem auffälligen Design ausgestattet. Die offizielle Einweihungsfeier war für Anfang April 2020 terminiert, musste im ersten Shutdown jedoch abgesagt werden. "Noch gab es keine geplanten Einsätze. Doch wir hatten schon vereinzelte Einsätze, als wir während Bewegungs- und Testfahrten Notrufe aufgegriffen hatten, deren Einsatzgebiete in der Nähe der Fahrer war", schildert Notfallsanitäter Jörg Janata. "So konnten wir im Wald einen kollabierten Wanderer versorgen, bis die Rettungs- und Einsatzwagen eintrafen."

Aufgrund persönlicher Kontakte und Gespräche der Malteser-Notfallsanitäter mit der DRK-Bergwacht auf dem Großen Feldberg können sich Friederici und Janata durchaus auch Einsätze in schwer zugänglichem Gelände der Feldberg-Region im Hochtaunuskreis vorstellen.

Die Idee für die Anschaffung von Motorrädern hatte Nicolai Friederici vor einigen Jahren, als er mit einem Kollegen im Rettungswagen zu einem Einsatz gerufen wurde. "Wir wurden nach Bremthal gerufen, wo irgendwo am Wasserköpfchen ein Ausflügler verunglückt war", berichtet er. "Es gab drei mögliche Wege, aber nur einer war mit unserem Rettungswagen befahrbar. Wir wussten nicht, wo genau der Verunfallte zu versorgen war. Damals wurde mir klar: Mit einer Enduro hätte ich die Gegend besser absuchen können."

Während die Forstwege im Hochtaunuskreis von den Landstraßen aus offen zugänglich sind, müssen die Einsatz- und Rettungskräfte der Malteser im Main-Taunus-Kreis stets eine Schranke öffnen, um einen auf dem Forstweg verunglückten Ausflügler im Wald aufzufinden.

Zwar sollte die Besatzung des Rettungswagens stets die entsprechenden Schlüssel Schranken dabei haben. Doch verrostete Schlösser machen eine Durchfahrt manchmal unmöglich. Mit dem Motorrad könne man schnell und problemlos neben den Schranken auf die Forstwege in den Wald gelangen.

von Matthias Pieren

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