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Es bleibt beim Quadratmeterpreis von 150 Euro

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Jäger + Höser forderten 80 Euro - Haupt- und Finanzausschuss in Neu-Anspach diskutiert über Gewerbegebiete

Neu-Anspach -Es war ein langer Sitzungsabend in Neu-Anspach. Noch um 23.30 Uhr wurde im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) der Kleeblattstadt heftig diskutiert. Doch worum ging es dabei? Vornehmlich um zwei Gewerbegebiete, die für reichlich Zündstoff sorgten.

Auf einem davon, dem Gelände "In der Us", wollte sich eigentlich das Unternehmen Bauzentrum Jäger + Höser vergrößern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Firma war im Jahr 2018 ein Vorkaufsrecht eingeräumt worden, denn das Grundstück, auf dem Edeka nun baut, gehörte ursprünglich zum Eigentum der Hösers. Auf dem unbebauten Areal an der Usa sollte ein Materiallager der Baustofffirma errichtet werden, während am bisherigen Standort ein Verwaltungsgebäude entstehen sollte.

Der Bau des Supermarktes hatte sich jedoch immer weiter verzögert. In der Zwischenzeit haben Baumaßnahmen von HessenMobil, steigende Materialpreise sowie die schwierige Erschließung den Rückkaufpreis des Grundstücks stark steigen lassen.

Um die anfallenden Kosten zu decken, hat die Stadtverwaltung einen Verkaufspreis von 150 Euro pro Quadratmeter für das Gelände festgesetzt. Der Magistrat, so Bürgermeister Thomas Pauli (SPD), hatte sich sogar für 180 Euro pro Quadratmeter ausgesprochen.

Zu viel, erklärte der Geschäftsführer des Unternehmens, Julian Höser. Er betonte, dass er beim Verkauf des Grundstücks von ganz anderen Voraussetzungen ausgegangen war. Ihm sei damals von einer Mitarbeiterin der Verwaltung ein "ortsüblicher Rückkaufpreis" von etwa 80 Euro zugesichert, allerdings nicht vertraglich festgehalten worden. "Der geforderte Preis liegt weit außerhalb einer Standortrealisierung für uns", sagte Höser. Er betonte, dass er als gebürtiger Neu-Anspacher gerne mit seinem Unternehmen in der Kleeblattstadt bleiben würde. Geplant sei, zehn bis 15 neue Arbeitsplätze zu errichten (und etwa 25 am bisherigen Standort zu erhalten). Zudem würde die Stadt durch die kommenden Gewerbesteuern das mögliche Defizit aus einem geringeren Verkaufspreis bald wieder erwirtschaftet haben.

Reichlich

Zündstoff

Während die SPD Höser noch so weit entgegengekommen wollte, dass sie sich auf einen Grundstückspreis von 40 Euro plus die Erschließungskosten hätte einigen können und Andreas Moses (NBL) sich für eine "langfristige Sicht auf die Gewerbesteuern" aussprach, lehnte der überwiegende Teil der Ausschussmitglieder eine Verminderung des Kaufpreises ab.

"Wenn wir hier Sonderfälle bauen, dann öffnen wir allen anderen Tür und Tor", sagte Klaus Hoffmann (CDU). Kevin Kulp (SPD) sagte sogar, dass es nicht sein kann, dass die Abgeordneten Gewinne privatisieren und die Stadtkasse das Risiko einer unternehmerischen Entscheidung tragen soll. "Das können wir dem Bürger nicht erklären."

Und so sprachen sich die Ausschussmitglieder mit sieben Stimmen gegen eine Verminderung des Verkaufspreises und für einen Kaufpreis von 150 Euro pro Quadratmeter aus (eine Gegenstimme, eine Enthaltung).

Einvernehmlicher ging es indes bei der Diskussion über die Entwicklung des Gewerbegebiets Wenzenholz zu, ein Gebiet, an dem sowohl die ortsansässige Firma Gudeco als auch Adam Hall Interesse angemeldet haben. Grund dafür war ein Vorschlag vonseiten der beiden Unternehmen. Diese hatten der Stadt angeboten, das Gewerbegebiet selbst zu entwickeln, anstatt (wie durch die Stadt vorgeschlagen) einen Treuhänder mit dieser Aufgabe zu beauftragen. Zu diesem Zweck, so der Vorschlag, soll eine Entwicklungsgesellschaft gegründet werden, so dass es zu einer deutlich schnelleren Entwicklung des Areals kommen kann, als wenn die Stadt selbst dafür sorgen müsste. Bereits im Vorwege hatte die Stadtverwaltung klargestellt, dass sie aufgrund zahlreicher anderer Bauprojekte nicht über die nötigen Personalkapazitäten verfügt, um das Gebiet zeitnah zu erschließen.

Unternehmen entwickeln selbst

Mit dieser Lösung jedoch, ein solches Unterfangen in die Hände von zwei Unternehmen zu legen, die den Neu-Anspachern bereits wohlbekannt ist, fiel einigen Ausschussmitgliedern sichtlich ein Stein vom Herzen - denn die Treuhänder-Alternative hätte ihnen wegen des Risikos schwer im Magen gelegen. An dieser Lösung hatte übrigens Josef Homm vom Arbeitskreis Siedlungsentwicklung einen großen Anteil, denn er hatte zusammen mit den beiden Unternehmen die präsentierte Alternative entwickelt.

Und so sprach sich der HFA einstimmig für diesen Vorschlag aus. Die Ausschussmitglieder verständigten sich jedoch darauf, dass sich die Stadt Neu-Anspach vertraglich ein Mitspracherecht bei der Vergabe der restlichen Flächen auf den Grundstücken zusichern lassen soll, sollte das Land tatsächlich an die beiden Unternehmen verkauft werden. Denn dieses Stück Land ist "für die nächsten 20 Jahre das letzte Gewerbeland, welches die Stadt Neu-Anspach zu vergeben hat", sagte Moses.

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