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Es geht auch ohne Angeklagten: Geldstrafe nach Abriss einer Wehrheimer Scheune

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Justitia-Statue (Symbolbild)
Gericht (Symbolbild) © Daniel Reinhardt / dpa

Ein erster Termin ohne Dolmeterscher und ohne Zeugen, ein weiterer Termin ohne Angeklagten - das Bad Homburger Amtsgericht fällte im Fall eines Scheunenabrisses in Wehrheim dennoch ein Urteil.

Wehrheim. In aller Regel sind Angeklagte dabei, wenn vor Gericht gegen sie verhandelt wird. Es gibt aber Ausnahmen, dann, wenn Angeklagte ihren Rechtsbeistand mit allen Vollmachten ausstatten. Es kann aber auch ohne die Hauptperson verhandelt werden, wenn diese schon einmal aussagte und beim nächsten Termin nicht kann.

Ob der 35-jährige Offenbacher Bauunternehmer nicht kommen konnte oder nur nicht wollte, bleibt sein Geheimnis, nicht einmal der Verteidiger wusste, wo sein Mandant steckte. Der hatte sich vor dem Bad Homburger Amtsgericht wegen des Vorwurfs der gesundheitsgefährdenden Abfallentsorgung zu verantworten.

Asbest-Wellplatten ohne Schutzvorkehrungen abgerissen

Mit seiner inzwischen insolventen Baufirma soll er im Auftrag des Bauherrn, eines 42-jährigen Bad Homburgers, vor etwa zwei Jahren in Wehrheim eine Scheune abgerissen haben. Kein Problem eigentlich, es sei denn, die Scheune ist mit Asbest-Wellplatten gedeckt. Die Entsorgung der Platten erfordert äußerste Sorgfalt und auch eine baubehördliche Genehmigung. Beim Abdecken des Dachs soll es laut Zeugen drunter und drüber gegangen sein, Platten seien heruntergeworfen worden und gesplittert, mit dem Anlegen von Schutzkleidung und Masken sollen sich die beiden Arbeiter teils gar nicht erst aufgehalten haben.

Da der Angeklagte am ersten Prozesstag jegliche Schuld von sich gewiesen hat - ein Mitarbeiter habe alle Details mit dem Bauherrn verhandelt, er selbst will die vereinbarten 18.000 Euro nur abgesegnet haben -, gestaltete sich die Aufklärung schwierig. Der als Zeuge geladene Bauherr hatte es vorgezogen, nicht zu erscheinen, und der Bauarbeiter war als Zeuge unbrauchbar, weil der deutschen Sprache nicht mächtig. Zum zweiten Versuch waren die beiden Zeugen gekommen, der Dolmetscher auch, nur der Angeklagte fehlte.

Das Gericht glaubt dem Bauherren nicht

Bei der Vernehmung des Bauherrn stellten sich beim Gericht erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussage ein. Wenn es konkret wurde und um Namen ging, wurde er schmallippig und blieb vage, auch was die Vertragsgestaltung anbelangte. Da war der Bauarbeiter glaubhafter und auch gesprächiger. Er habe nicht um die Gefährlichkeit des Asbests gewusst, sonst hätte er doch nie seinen Sohn zur Verstärkung mit aufs Dach genommen. Das leuchtete dem Gericht ein. Es glaubte dem 53-jährigen Wölfersheimer, der die Aussage des Bauherrn teilweise als »gelogen« bezeichnete. Ganz aufzuklären war die Angelegenheit aber nicht mehr. Einen weiteren Termin, vielleicht doch wieder mit dem Angeklagten, wollte das Gericht vermeiden und schlug dem Verteidiger vor, die Sache »anders zu beenden«.

Darauf einigte man sich auch in diesem Fall. Da das in großen, eigens dafür hergestellten Kunststoffsäcken verpackte Asbest letzten Endes fachgerecht entsorgt worden ist und auch der Verteidiger einsah, dass seinen Mandanten zumindest eine gewisse Fahrlässigkeit trifft, hatte es mit einer Einstellung des Verfahrens und einer Geldauflage von 1000 Euro sein Bewenden.

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