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"Es läuft alles viel reibungsloser"

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Zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine bekommen am Montag Hilfe im Café Olé. Unter ihnen sind auch Iryna Langen (Dritte von rechts) und ihre Schwester Ruslana Hats (Dritte von links). FOTOs: Friedrich © Inka Friedrich

Anträge von Flüchtlingen aus der Ukraine werden schnell bearbeitet

Usinger Land -Noch im letzten Winter war bei der Ausländerbehörde im Landkreis Land unter. Damals berichtete diese Zeitung von überdurchschnittlich langen Bearbeitungszeiten. Die Schlange der Anträge war so groß, dass noch Anfang Februar Sonderschichten geschoben wurden, um die Stapel abzuarbeiten.

Kaum war der Rückstand durch Wochenendarbeit eingeschmolzen, so rollte eine Flüchtlingswelle über den Hochtaunuskreis hinweg. Zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine sind seit Beginn des Krieges im Hochtaunuskreis angekommen, haben sich mittlerweile hier registriert sowie Fördergelder beantragt. Doch einen Antragsstau gibt es nicht, stattdessen erwartet die Menschen eine vergleichsweise zügige Bearbeitung der notwendigen Unterlagen - zumindest in der Ausländerbehörde.

"Mein Eindruck ist, dass der Kreis bei der Bewältigung dieser Krise tatsächlich Unglaubliches geleistet hat", sagt Karin Mansouri, Flüchtlingskoordinatorin der Stadtverwaltung Usingen. Gerade im Vergleich zum Jahr 2015 sei der Unterschied bei den Bearbeitungs- und Bewilligungszeiten deutlich zu spüren. "Binnen kürzester Zeit mussten 2500 Menschen neu erfasst und zugeordnet werden. Das ist eine immense Leistung", findet sie. Früher seien Wartezeiten von 15 Monaten für das Kindergeld mitunter normal gewesen. Nun könne man dies sofort beantragen. Dies gelte jedoch ausschließlich für Flüchtlinge aus der Ukraine.

Elektronische Übersetzungshilfe

Was sich als problematisch herausstellt, erklärt Mansouri, sei, dass die Unterlagen bislang noch nicht in kyrillisch zu bekommen seien: "Darum müssen wir alles zuerst übersetzen und dann in Deutsch ausfüllen." Natürlich kommt es bei jeder Behörde einmal vor, dass etwas fehle oder falsch ausgefüllt sei - denn nicht jede Kommune habe jemanden, der die Flüchtlinge hauptamtlich unterstützt, wie beispielsweise in Usingen. "Dann versuchen wir, möglichst unbürokratisch weiterzuhelfen", sagt Mansouri. Auch wenn das bedeute, manch fehlende Unterlage selbst über den Kopierer zu ziehen.

Ihre Hilfestellung, sich im deutschen Behördendschungel zurechtzufinden, wird übrigens gut angenommen: Am Montag im Usinger Café Olé, dem inoffiziellen Treffpunkt für geflüchtete Ukrainer, hatten zahlreiche Hilfesuchende Formulare fürs Jobcenter mitgebracht, die Mansouri mit Hilfe einer Handy-App ins Kyrillische übersetzte.

Auf Nachfrage bestätigen auch die Geflüchteten, dass der Umgang mit Behörden im Hochtaunuskreis überwiegend problemlos verläuft. Nur vereinzelt seien Unregelmäßigkeiten aufgetreten, beispielsweise weil jemand noch auf eine ausstehende Mietzahlung oder aber auf das Kindergeld vom Amt wartete. Selbst wenn die Flüchtlinge psychologische Betreuung benötigen, kann Mansouri sie an entsprechende Stellen weitervermitteln. Viele von ihnen leiden bis heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, suchen immer noch Schutz bei lauten Geräuschen oder Hubschrauberlärm.

"Man hat uns bislang aber wirklich großartig unterstützt", berichtet Ruslana Hats, die mit ihrer Mutter bei ihrer Schwester Iryna Langen Zuflucht gefunden hat, Sie wünscht sich lediglich mehr Sprachkurse. "Leider sind die Kurse in Usingen alle bereits bis zum Rand ausgebucht", sagt Langen. Sie wollen es nun in umliegenden Gemeinden versuchen, damit ihre Schwester möglichst schnell einen Job finden kann.

Prozesse haben sich vereinfacht

Dass die Abläufe in Bad Homburg nun wesentlich reibungsloser vonstatten gehen, bestätigt auch Daria Steiner, die sich in Schmitten für Geflüchtete aus der Ukraine engagiert. "Aus meiner Sicht läuft die Bearbeitung recht schnell, gerade angesichts der großen Menge an Menschen, die Schutz gesucht haben", sagt die gebürtige Ukrainerin.

Damals, als sie selbst vor zwölf Jahren eingebürgert wurde, sei der ganze Prozess viel umständlicher gewesen und die Behörden hätten viel langsamer reagiert. "In der Anfangszeit war alles noch recht chaotisch, weil so viele Menschen kamen. Mittlerweile ist alles recht schnell geregelt", sagt Steiner, die sich momentan um eine Einbürgerung ihrer Mutter bemüht.

Was Steiner aus ihrer Sicht verbesserungsfähig findet, ist der Zugang zu Online-Formularen. "Ich denke, damit könnte sich die Behörde eine ganze Menge vereinfachen, gerade wenn einige Dokumente digital leichter zugänglich wären und dies den Flüchtlingen besser kommuniziert werden würde." Da man bei der Ausländerbehörde auch wieder ohne Termin vorbeischauen könne, seien die meisten Probleme jedoch schnell besprochen.

Seit dem 1. Juni besteht für alle ukrainischen Flüchtlinge Anspruch auf "Arbeitslosenhilfe". Insgesamt 1500 Menschen hätten sich bisher beim Jobcenter angemeldet, erklärt die Pressestelle des Kreises. 1250 Anträge seien bereits bearbeitet worden. Die Bearbeitungszeit beträgt durchschnittlich fünf Tage.

Aktuell gebe es im Ausländeramt wegen der nahenden Urlaubszeit eine große Anzahl an Anfragen, da Reisewillige eine Übergangsbescheinigung für die Wiedereinreise nach Deutschland benötigen. Diese aktuellen Reiseanfragen würden priorisiert behandelt, ebenso Termine zur Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis, so die Pressestelle..

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Flüchtlingskoordinatorin Karin Mansouri (rechts) hilft bei der Bearbeitung von Anträgen aus dem Jobcenter. Wichtig ist vor allem die Übersetzungs-App auf dem Handy. Mit ihr kann sie die Fragen in den Schreiben leicht ins Kyrillische übersetzen. © Inka Friedrich

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