In Eschbach „brennt’s“

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Eine zu frühe Übergabe und eine zu frühe Inbetriebnahme macht der Freiwilligen Feuerwehr in Ober-Eschbach zu schaffen. Es gibt noch jede Menge Mängel. Stadtverordnetenvorsteher Holger Fritzel ist jetzt der Kragen geplatzt.

Die Feuerwache in Ober-Eschbach sollte eigentlich ein Vorzeige-Projekt sein. Rund 5,3 Millionen Euro hat der Neubau gekostet. Im November vergangenen Jahres hat die Stadtteil-Wehr ihren neuen Tempel bezogen – da sollte doch Hochstimmung herrschen . . . Leider ist eher das Gegenteil der Fall. Zu groß war und ist die Verärgerung über eine noch immer ellenlange Liste an Mängeln. Schon wird hinter vorgehaltener Hand von „Pfusch am Bau“ gesprochen, in der Feuerwehr rumort es. Stadtverordnetenvorsteher Holger Fritzel (NHU) hatte das Thema auf dem Neujahrsempfang der Stadt mit barschen Worten angeprangert, wollte gar Köpfe rollen sehen. Jetzt hat der Eschbacher noch mal nachgelegt.

„Es kann nicht sein, dass ein neues Haus in einem solch desolaten Zustand ist“, sagt Fritzel. Rund 200 Mängel habe es nach der vermeintlichen Fertigstellung gegeben. Die Liste reichte von Kleinigkeiten wie Kratzern auf der Fensterbank, fehlende Dichtungen oder Türstopper oder nicht entfernte Folien. Doch zum einen machte es die Masse an Kleinigkeiten aus, zum anderen gab und gibt es noch wesentlich gravierendere Mängel.

Fritzel führt beispielsweise die Außenbeleuchtung an. Die Flutlichtstrahler müssen nach Gebrauch 45 Minuten abkühlen, bevor sie erneut angeschaltet werden können. „Kommt es zu zwei Einsätzen innerhalb kurzer Zeit, steht die Wehr im Dunklen.“ Oder die Eingangstüren – um diese zu öffnen brauche man einen Transponder, den ein Feuerwehrmann in der Eile auch mal vergessen könne. Die Möglichkeit, die Tür „auf drück“ zu stellen, gebe es nicht. Besonders ärgerlich sei auch, dass es schlicht und ergreifend an geeigneten Lagermöglichkeiten fehle. Anstatt Material auf Regalen in Lagerräumen zu verstauen, müsse noch immer eine Fahrzeughalle als Lager genutzt werden – weil es keine Regale gibt.

Ärgerlich sei auch, dass die Heizung zwischen den Jahren ausgefallen ist und man an der einen oder anderen Stelle Steckdosen vergessen habe. Und Fritzels „Lieblings-Pferdefuß“ ist die Stiefelwaschanlage, die seit Wochen nicht in Betrieb ist. „Die Handwerker haben an der Anlage immer ihre Speiseimer ausgewaschen, jetzt sind die ohnehin zu engen Rohre mit Zement verstopft.“ Und warum es in der Floriansstube Heizkörper gebe, obwohl eine Fußbodenheizung verlegt wurde, müsse man auch nicht verstehen. All das deckt sich mit Informationen, die die TZ auch aus Ober-Eschbach erhalten hat.

Dennoch ist man bei der Stadt über die Schärfe von Fritzels Kritik verwundert. Denn mittlerweile seien doch die meisten Mängel behoben. Nur noch ein Bruchteil warte auf Bearbeitung. „OB Hetjes war in der Wache, um sich selbst ein Bild zu machen“, erklärt Stadtsprecher Andreas Möring. Daraufhin habe er einen Mitarbeiter des Fachbereichs Katastrophenschutz damit beauftragt, sich ausschließlich um die Behebung vorhandener Mängel zu kümmern. So seien unter anderem die Transponder an den Türen bereits durch Zahlencodes ergänzt worden. Und was die bemängelte Außenbeleuchtung angeht: Es handele sich um die gleichen Lampen, wie sie auch an der großen Wache in der Dietigheimer Straße eingebaut worden seien. Da habe es keine Beschwerden gegeben.

Auch Möring verweist auf das Problem, dass die Wehr im November frühzeitig habe umziehen müssen: „Dadurch waren viele Abläufe noch nicht getestet.“ Und viele Probleme seien dann erst im laufenden Betrieb aufgetaucht. Tatsächlich gibt es zwei Gründe, warum die Übernahme der Wache eher mau abgelaufen ist. Da wäre zum einen der OB-Wahlkampf zu nennen. Ex-OB Michael Korwisi (Grüne) soll im Mai auf einer frühen Übergabe des Neubaus vom Hochbau an den Katastrophenschutz gedrängt haben. Könnte sich ja an der Urne bezahlt machen. Keine gute Idee. Und dann kam die Flüchtlingswelle und mit ihr die Bundeswehr, die bei der Einrichtung und dem Betrieb der Notfallunterkunft in der Frölingstraße half. Um die Soldaten unterzubringen, zog die Eschbacher Wehr frühzeitig aus ihrer alten Wache aus und in den Neubau um. Auch nicht gerade hilfreich.

Der Wehr helfen solche Erklärungen jedoch nur wenig. Im Gegenteil: Die Kameraden seien demotiviert, es „brennt in Ober-Eschbach“, sagt ein Insider im Gespräch mit der TZ. Für Holger Fritzel ist der Neubau die typische Geschichte von der rechten Hand, die nicht weiß, was die linke tut. „Da wurde nicht mitgedacht“, wettert der Stadtverordnetenvorsteher.

Und einer, der es wissen muss, hat noch einen guten Tipp parat: Wer die Toiletten in der Feuerwache aufsucht, sollte besser ein Handy mit Taschenlampen-Funktion dabei haben. „Der Bewegungsmelder lässt einem nicht lange Zeit zu tun, was man gerade mal zu tun hat . . .“

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