Roder Eisenhammer

Familie Moses will das Schmiedhof-Ensemble um einen Fachwerkbau erweitern

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350 Jahre alt ist das Wohnhaus des Roder Eisenhammers bereits. Gerade werden von Reimund und Kathy Moses aus Liebe zur historischen Bausubstanz die Weichen dafür gestellt, dass noch einmal 500 Jahre dazukommen.

Der von den Familien Kilb und Moses mit großer Liebe zum Detail restaurierte „Schmiedhof“ in Rod an der Weil ist eines der schönsten Fachwerkensembles von ganz Weilrod und weit darüber hinaus. Kam man über die Schmiedhofbrücke, störte bisher jedoch ein heruntergekommenes kleines Haus den Postkartenblick: bröckelnder Putz, verrottete Fenster – kein schönes Entree.

Nun kann man sich Nachbarhäuser nicht aussuchen, es sei denn, man kauft sie. Reimund Moses, Schwiegersohn von Rods Chefhistoriker Karl-Otto Kilb, hat 2016 genau das getan. Er erwarb das vermutlich zwischen 1660 und 1680 als Wohngebäude für die Arbeiter des gegenüber betriebenen Eisenhammers errichtete Haus, um es zu retten, Wohnraum zu schaffen und das Schmiedhof-Ensemble zu erweitern. Erst dachte Moses an einen relativ geringen Aufwand. Dass man da falsch liegen kann, wissen Reimund und Kathy Moses heute auch. Angefangen zu haben, haben sie aber nie bereut, zumal es auch Zuschüsse aus dem integrierten kommunalen Entwicklungskonzept (IKEK) gab.

„Wir wussten, dass unter dem maroden Putz Fachwerk war und das wollten wir nach Möglichkeit erhalten“, sagt Moses, der sich beim Bauen auf die Expertise seines Schwiegervaters verlassen konnte. Karl-Otto Kilb: „Als der Putz weg war, wurde klar, dass darunter historisches hessisches Eichenfachwerk lag.“ Deutlich wurde aber auch der schlechte Zustand der alten Balken. Das im Erdgeschoss verbaute Fichtenfachwerk war sogar so marode, dass eine Restaurierung nicht möglich war. „Da das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, wurde beschlossen, das Erdgeschoss massiv aufzumauern und nur im Obergeschoss das Fachwerk zu sanieren“, erzählt Moses beim Rundgang über die Baustelle.

In dem Hasselbacher Experten Uwe Vater („Hessenfachwerk) fand Moses, der generell auf lokale oder regionale Handwerker zugreift, sofort einen Mitstreiter. Vater erkannte, dass etwa 80 Prozent der Balken saniert werden konnten. Stück für Stück wurde das Fachwerk auseinandergenommen, die Balken wurden nummeriert, ihre ursprüngliche Position kartiert, so dass eine Aufbauanleitung entstand. Viele Teile konnten nach Abschleifen und dem passgenauen Auffüllen von Löchern mit Eichenholz in der Tat wieder an ihrer alten Stelle eingebaut werden, einige bekamen einen neuen Platz, ein Teil musste durch neue Balken ersetzt werden. Uwe Vater hat alle Teile daheim in seiner Werkstatt exakt zugeschnitten und den kompletten „Bausatz“ dann auf der Baustelle abgeliefert. Das Untergeschoss mit dem neuen Anbau ist im Rohbau fertig und die Fachwerkkonstruktion im Obergeschoss wächst von Tag zu Tag. „Das Haus überlebt uns alle und hält noch 500 weitere Jahre“, freut sich Vater.

Noch ist zwar „viel Luft nach oben“, aber bereits im Herbst soll der Dachstuhl mit Gauben auf beiden Seiten aufgeschlagen werden. Das Krüppelwalmdach wird mit Biberschwänzen gedeckt, First und Ortgänge sowie die Giebelseiten erhalten Naturschiefer. Damit soll die Bauweise des 19. Jahrhunderts nachempfunden werden. Auch die zweiflügelige Haustür wird restauriert und wieder eingebaut

Die zwei in dem Haus entstehenden Wohnungen, unten 70, oben mit Dachausbau 100 Quadratmeter, sollen 2019 bezugsfertig sein. Sie verfügen dann über einen zeitgemäßen Energiestandard, wozu auch die mit atmungsaktiven Lehmziegeln verschlossenen Gefache im Obergeschoss beitragen. Innen werden die Wände mit Holzfaserdämmplatten isoliert, geheizt wird mit einer Luft-Wärme-Pumpe. Die Hohlblocksteine im Erdgeschoss sind mit Glaswolle gefüllt.

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