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Tanzmariechen Letizia Casale hebt ab, beobachtet von Prinz Marcel I. (hinten) und seinem Hofstaat.

Oberursel

So ausgelassen war die Prunksitzung des Karnevalvereins Frohsinn in der Stadthalle

Das Programm des Karnevalvereins Frohsinn kommt beim Publikum an. Während Minis und Ballett die See bereisen, tingeln die Frohsinn-Sänger übers Flachland und begeben sich auf Deutschland-Tour.

Oberursel - Bunt ist es am Freitagabend bei der ersten Prunksitzung des Karnevalvereins Frohsinn in der Stadthalle. Bleiche Vampire, pausbäckige Clowns, sonnenbebrillte Polizisten oder verschlagene Gangster im Kostüm der „Dalton-Gang“ – es gibt einiges zu bestaunen. Auf der Bühne hat sich die Muppet-Show des Frohsinns versammelt. „Gleich geht’s los mit Schunkeln und Feiern. Letzte Chance abzuhauen“, warnen „Statler und Waldorf“, Michael Reuter und Dr. Harald Neugebauer vom Kleinen Rat. Aus dem Staub macht sich natürlich keiner. Eine gute Entscheidung.

Den ersten optischen Höhepunkt setzt die Ehrengarde. Nach Personalproblemen in den vergangenen Jahren sei man stolz, die Ehrengarde wieder präsentieren zu können, erklärt Sitzungspräsident Klaus-Peter Hieronymi. Anschließend begeistert Tanzmariechen Letizia Casale, die im pink-silbern glitzernden Kleid zur Akustikversion von „It’s Raining Men“ über die Bühne wirbelt.

Die Prinzengarde tanzt vor der Oberurseler Kulisse.

Eine ebenso energische Vorstellung zeigen die Tanzgarde und die Minis. Letztere entern die Bühne per U-Boot und nehmen das Publikum mit auf eine Reise „Under The Sea“. „Heute sind wir mal maritim unterwegs“, kommentiert Hieronymi.

„Alle an Bord“ heißt es beim Frohsinn-Ballett. Im weiß-blauen Matrosen-Outfit tänzeln, marschieren und salutieren die 15 Damen und 2 Herren übers Parkett. Zur „Fluch-der-Karibik“-Titelmelodie und einer Technoversion des Klassikers „In The Navy“ zeigen die Tänzerinnen und Tänzer eine Riesennummer samt Hebefiguren. Das Publikum belohnt dies mit großem Applaus, der Auftritt ist ebenso wie die Performance der Brassband, die das erste Mal gemeinsam mit Drum-Kids und Jugend-Brassband auf der Bühne steht (Hieronymi: „Weltpremiere“), einer der Höhepunkte.

„Angie und Horst“

Wer von Höhepunkten spricht, kommt an den Frohsinn-Sängern schwer vorbei. Auch heute überzeugen sie wieder mit einer kurzweiligen Show und einfallsreichen Texten. Mit Busfahrer Detlef begeben sie sich auf Deutschland-Tour. David Görge und Jens Stern liefern als „Angie und Horst“ eine wunderbare Persiflage des Frank-und-Nancy-Sinatra-Duetts „Something Stupid“ und singen statt „Like I love you“ „Oh man, du nervst mich so“.

Über Chemnitz und den Maaßen-Skandal sowie das Dieselverbot in Frankfurt erreicht die kunterbunte Touristengruppe schließlich die „Weltstadt im Taunus“. Hier liegt einiges im Argen. „In der Vorstadt liegt ein Haus in Fesseln“, „der Marktplatz ist schepp“ und „bei der Taunus-Kerb wird gespart“.

Hat alles im Blick, was in Orschel passiert: Frohsinn-Protokoller Stephan Remes.

Die Marktweiber verpassen hingegen ihren Bus. Eigentlich wollten sie sich auf der Tattoo-Convention ein „Gruppen-Arschgeweih“ stechen lassen, um den Zusammenhalt zu stärken. Stattdessen geht’s dann in den Swinger-Club zum „Wildwechsel“. Betty Marris bevorzugt auf Reisen das Kreuzfahrtschiff und berichtet von ihren Erfahrungen mit der gesellschaftlichen „Crème de la Crème“. Die Lacher auf ihrer Seite haben auch Hieronymi als „Weihnachtsopa“ sowie Valentin Reuter und Phillip Blumenstein. Letztere zeigen eine witzige Performance. Im Großmutterkostüm als Frau Schwanheim und Frau Guntersblum klagen die beiden über Alters-Wehwehchen und den „Sittenverfall der Jugend“. „Hörn se mehr auf mit de junge Leude. Des sieht man ja schon in Orschel. Chille hier, gammele da. Kei Wunner, dass es die Kerb net mehr gibt“, konstatieren sie.

Den scharfzüngigen Protokoller gibt Vorsitzender Stephan Remes. Er klagt über die „Brumschen Berge“ an der Nördlichen Riedwiese: „Mit Unverständnis und auch Pein, frage ich mich, wie blind muss man sein.“ Kritisch sieht Remes Frankfurter Stadtteil-Pläne. „Hört zu im Römer und macht Euch fort“, rät er. Versöhnlicher gestimmt ist der Protokoller gegenüber der Frankfurter Eintracht. „Im Olympiastadion, dem Heiligen Gral, gewann die Eintracht den Pokal.“ Riesenjubel im Publikum, spontan wird „Deutscher Pokalsieger“ angestimmt.

Emotionaler Abschied

Emotional wird es gegen Ende. Unter Standing Ovations verabschiedet sich Sitzungspräsident Hieronymi in den karnevalistischen Ruhestand. 25 Jahre lang leitete er die Frohsinn-Sitzungen, die laufende Kampagne ist seine letzte. „Lieber KP, du bist ein ganz Großer der Fassenacht, auch über Orschels Grenzen hinaus. Im Namen des ganzen Vereins danke ich Dir für Deine hervorragende Arbeit der vergangenen 25 Jahre. Du warst der beste Präsident aller Zeiten“, sagt Remes.

„Es war eine tolle Zeit, aber alles hat ein Ende“, erklärt Hieronymi und erinnert daran, die vielen Helfer hinter der Bühne nicht zu vergessen. „Sie ermöglichen die Veranstaltungen erst. Stellvertretend danke ich meinem guten Freund Arnold Nell, der im 48. Jahr die Tontechnik beim Frohsinn macht.“

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